Tote bei russischem Drohnenangriff nahe Kiew

05.06.2026 • 13:49 Uhr

Bei einem russischen Drohnenangriff auf eine Babynahrungsfabrik nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach ukrainischen Behördenangaben am Freitag vier Menschen getötet worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den russischen Angriff auf ein “friedliches ziviles Unternehmen der Lebensmittelindustrie” und forderte die westlichen Verbündeten auf, die Luftabwehr der Ukraine zu stärken und den wirtschaftlichen Druck auf Moskau aufrechtzuerhalten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die Attacke auf das Werk “Jagotynske für Kinder”. Auf der Plattform X warf er Russland vor, gezielt zivile Infrastruktur ins Visier zu nehmen. Russische Truppen griffen Selenskyj zufolge in den vergangenen Tagen zudem Lebensmittellager und eine Poststelle in der Region Dnipropetrowsk, einen Krankenwagen in Cherson sowie ein Schulgebäude im Gebiet Sumy an. Auch Hafenanlagen in Odessa und ein Krankenhaus in Charkiw seien beschossen worden. Der Betrieb, der den Angaben zufolge vor allem Milchprodukte für Kinder herstellt, liegt im Bezirk Browary. “Der Feind hat ein friedliches ziviles Unternehmen der Lebensmittelindustrie angegriffen”, erklärte der Gouverneur der Region Kiew, Mykola Kalaschnyk, im Onlinedienst Telegram.

Selenskyj drängt Westen zur Stärkung der ukrainischen Luftabwehr

Selenskyj drängte die westlichen Verbündeten erneut dazu, die Luftabwehr der Ukraine zu stärken und den wirtschaftlichen Druck auf Moskau aufrechtzuerhalten. “Jedes Unterstützungspaket zur Raketenabwehr, jede gemeinsame Vereinbarung über die Waffenproduktion, jeder Schritt der Weltgemeinschaft bei den Sanktionen gegen Russland – all das hilft, das Leben von Menschen zu schützen”, erklärte er.

Die ukrainische Armee teilte mit, sie habe in der Nacht 216 russische Drohnen registriert, von denen 198 abgefangen worden seien. Bei diesen Angriffen wurden demnach drei Menschen in den Regionen Saporischschja, Cherson und Dnipropetrowsk getötet. Bei der Drohnenattacke in Saporischschja wurden darüber hinaus 16 Menschen verletzt.

Offener Brief Selenskyjs an Moskau

Das russische Verteidigungsministerium gab seinerseits bekannt, in der Nacht 123 ukrainische Drohnen abgeschossen zu haben, unter anderem in der Region Moskau, aber nicht in der Nähe von St. Petersburg, wo derzeit ein Wirtschaftsforum mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin stattfindet. Putin wollte am Freitag eine Rede bei dem Treffen halten.

Am Donnerstag hatte der ukrainische Präsident Selenskyj in einem offenen Brief ein direktes Treffen mit Putin und einen Austausch aller Kriegsgefangenen vorgeschlagen. Als Ort dafür hatte Selenskyj “die Schweiz, die Türkei oder Länder in der arabischen Welt” ins Spiel gebracht. In dem Brief erklärte Selenskyj anderenfalls bereit zu sein, weiterzukämpfen. Zudem erklärt er, die russische Bevölkerung sei Putins und des Krieges überdrüssig. Daraufhin hatte der Kreml erklärt, Selenskyj könne “jederzeit nach Moskau kommen”. US-Präsident Donald Trump hatte die Initiative Selenskyjs begrüßt.

Einigung über regionale Waffenruhe bei Akw Saporischschja

Eine von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ausgehandelte Feuerpause zwischen Russland und der Ukraine in der Nähe des von Russland kontrollierten südukrainischen Atomkraftwerkes Saporischschja ist in der Nacht in Kraft getreten. Dies ebne den Weg für dringend notwendige Reparaturen an der Stromleitung zum AKW, teilt die IAEA mit. Die Reparaturen seien erforderlich, um die Gefahr eines atomaren Unfalles zu verhindern. Techniker beider Seiten würden in den kommenden Tagen mit den Arbeiten beginnen. Das AKW mit seinen sechs Reaktoren ist das größte Europas. Im März 2022, kurz nach Beginn der groß angelegten russischen Invasion der Ukraine, brachten russische Truppen das Atomkraftwerk unter ihre Kontrolle. Immer wieder kam es rund um das nahe der Front gelegene AKW zu Kämpfen, auch auf dem Gelände selbst schlugen wiederholt Geschosse ein und verursachten Schäden. Das AKW ist aus Sicherheitsgründen nicht in Betrieb. In der Anlage befindet sich allerdings radioaktives Material.

Austausch von Kriegsgefangenen

Russland und die Ukraine haben am Freitag erneut Kriegsgefangene ausgetauscht. “185 russische Soldaten wurden aus dem vom Kiewer Regime kontrollierten Gebiet zurückgebracht. Im Gegenzug wurden 185 ukrainische Kriegsgefangene übergeben”, erklärte das russische Verteidigungsministerium der Nachrichtenagentur RIA Nowosti zufolge. Demnach kam der Austausch durch die Vermittlung der Vereinigten Arabischen Emirate zustande. Seit dem Beginn der russische Offensive gegen die Ukraine haben Moskau und Kiew mehrfach Kriegsgefangene ausgetauscht.