Rund 270.000 Menschen auf Flucht vor Bränden in Südeuropa

25.07.2026 • 19:56 Uhr

Die beispiellosen Waldbrände in Frankreich und Spanien haben nach offiziellen Angaben bis Samstag rund 270.000 Menschen in die Flucht getrieben. In Südwestfrankreich brannte im Département Gironde bisher eine Fläche von der vierfachen Größe der Hauptstadt Paris ab, wie Innenminister Laurent Nuñez sagte. In Spanien kam ein Mensch nahe Valencia ums Leben, bei dem Brand nahe Madrid gab es keine Entwarnung. In beiden Ländern waren weiter hunderte Feuerwehrleute im Einsatz.

In Südwestfrankreich mussten sich laut Innenminister Nuñez 167.000 Menschen im Département Gironde in Sicherheit bringen, außerdem etwa 30.000 im benachbarten Département Landes. Für Spanien gab das zuständige Innenministerium die entsprechende Gesamtzahl am Samstagmittag mit rund 60.000 an. Damit waren in beiden Ländern insgesamt gut 100.000 Menschen mehr von Evakuierungen betroffen als noch am Freitag.

In ganz Frankreich waren am Samstag laut Nuñez mehrere Brände weiter nicht unter Kontrolle. Besonders stark war weiter der Südwesten betroffen. Aber auch im Département Var im Südosten loderten Flammen. Seit Jahresbeginn ist in Frankreich nach den Worten von Innenminister Nuñez eine Fläche von der zehnfachen Größe der Hauptstadt Paris von Bränden vernichtet worden ab – nach seinen Worten ein “historischer Rekord”. Das liege vor allem an dem Großfeuer im Département Gironde. Seit Tagen kämpfen in der Gegend nahe der Großstadt Bordeaux und bei Biscarrosse im Département Landes Einsatzkräfte gegen die Flammen. Aus Vororten wurden mindestens 3.500 Menschen evakuiert.

Hunderte Feuerwehrleute rückten aus Paris an

Hunderte Feuerwehrleute aus Paris sollen nun bei der Brandbekämpfung helfen, sagte der Kommandant der Pariser Feuerwehrbrigade, Arnaud de Cacqueray. Der Einsatz sei fast dreimal so umfangreich wie die Entsendung Pariser Feuerwehrleute bei den schweren Bränden von 2022. De Cacqueray rechnete deshalb mit längeren Reaktionszeiten in der Hauptstadt und appellierte an die Bevölkerung, die Feuerwehr dort nur in absoluten Notfällen zu rufen.

Zur Unterstützung der Feuerwehr sollte bereits ab Samstag ein militärisches Transportflugzeug vom Typ A400M eingesetzt werden. Premierminister Sébastien Lecornu ordnete nach Angaben seines Büros die Entsendung der Maschine an. Zudem berief er für den Nachmittag erneut einen ministeriumsübergreifenden Krisenstab ein.

Macron verspricht Wiederaufbau

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron versprach einen Wiederaufbau der verwüsteten Gegenden. “Wir werden wiederaufbauen, wir werden reparieren, und wir werden so lange vor Ort bleiben, wie es nötig ist”, schrieb Macron am Samstag auf der Plattform X. In diesen schwierigen Zeiten zeige Frankreich, was es sei: “Ein vereintes Volk, das zusammenhält.”

Regierung setzt weitere 500 Soldaten ein

Frankreichs Regierung setzte weitere 500 Soldaten ein. Die Soldaten sollten unter anderem bei der Evakuierung der bedrohten Regionen helfen und von Anwohnern verlassene Häuser sichern, teilte das französische Verteidigungsministerium am Samstag mit. Damit steigt die Zahl der eingesetzten Soldaten auf 1500.

Das A400M-Flugzeug soll mit einem versuchsweise entwickelten System ausgestattet werden, mit dem es 20 Tonnen Löschmittel abwerfen kann – etwa doppelt so viel wie ein Löschflugzeug vom Typ Dash. Der A400M-Einsatz war wegen technischer Vorbereitungen und Tests ursprünglich erst für Ende dieses Monats vorgesehen.

Auch in Spanien Lage weiter dramatisch

Bei einem Waldbrand nahe der Großstadt Valencia im Osten Spaniens kam ein Mensch ums Leben. Das Rathaus der westlich von Valencia gelegenen Gemeinde Manises erklärte am Samstag auf der Plattform X, die Feuerwehr habe den Brand unter Kontrolle bringen können. “Leider ist bei dem Feuer ein Mensch ums Leben gekommen.”

In Spanien mussten sich knapp 60.000 Menschen in Sicherheit bringen, das Innenministerium korrigierte frühere Angaben, in denen von 70.000 die Rede war. In der Provinz Ávila, nordwestlich von Madrid, wurden 30.000 Bewohner evakuiert, wie Innenministerium auf X mitteilte. In der Umgebung der Hauptstadt wurden demnach weitere 29.488 Menschen evakuiert. Hinzu kommen laut Innenministerium mehr als 28.000 Menschen, die wegen der Brände ihr Zuhause nicht verlassen können – 20.262 im Großraum Madrid und 8.000 in Ávila.

Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte am Freitag im Großraum Madrid und in Ávila einen “Notstand von nationaler Tragweite” ausgerufen. Laut dem öffentlich-rechtlichen Sender RTVE ist es das erste Mal in Spanien, dass dies wegen Waldbränden geschieht. 

Brandgeruch bis ins Zentrum Madrids

Teile der Gegend westlich der spanischen Hauptstadt waren am Samstag durch die Waldbrände weiter in Rauch gehüllt. Brandgeruch drang bis ins Zentrum Madrids vor. Allerdings breiteten sich die Flammen nach Regierungsangaben wegen “erheblich” besserer Bedingungen vorerst nur noch wenig aus.

Bei einem Besuch im Dorf Cenicientos in der Brandzone sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez, vorrangiges Ziel sei es, “Leben zu retten”. Er fügte hinzu: “Wir stehen vor einigen schwierigen Stunden, denn auch wenn die Temperaturen gesunken sind, wissen wir nicht genau, wie sich der Wind entwickeln wird, wie stark er sein wird.”

Zwei von drei Bränden westlich von Madrid waren nach Behördenangaben zuvor zu einem Großfeuer verschmolzen, das sich mit einem weiteren Waldbrand in der benachbarten Region Kastilien und León verbinden könnte. Der größte Brand in Spanien in der Provinz Guadalajara nordöstlich von Madrid loderte am Samstag weiter. Dort vernichteten die Flammen bisher etwa 32.000 Hektar Land.