Ukraine kündigt Solderhöhungen für Soldaten an

Vor dem Hintergrund eines Soldatenmangels hat Kiew deutliche Solderhöhungen für Armeeangehörige angekündigt. “Die ukrainischen Infanteristen werden zu den bestbezahlten Militärspezialisten in der Welt”, kündigte das Verteidigungsministerium in einem Video an. Im Schnitt sollen ukrainische Soldaten umgerechnet rund 5.800 Euro erhalten. Kremlchef Wladimir Putin erklärte indes bei einem Treffen mit Soldaten, dass die russische Armee mehr als 700.000 Soldaten im Einsatz habe.
Der Höchstsatz für Fronteinsätze soll für ukrainische Soldaten auf fast 8.900 Euro monatlich angehoben werden. Der Einstiegssold für alle Soldaten der Ukraine soll künftig um 50 Prozent auf knapp 580 Euro steigen. Das ukrainische Ministerium will den Militärdienst mit befristeten Verträgen von höchstens zwei Jahren und einer anschließenden Rückstellung von mindestens sechs Monaten attraktiver machen. Fahnenflüchtige sollen mit Strafbefreiung und freier Wahl der Einheit zurückgeholt werden. Ab Jahresende erhalten lang dienende Soldaten demnach auch die Möglichkeit einer Entlassung.
Verstärkte Anwerbung von Söldnern
Verstärkt setzt Kiew dabei auch auf ausländische Söldner. “Das ehrgeizige Ziel: Mehr als 50 Prozent der Sturmtruppen und Infanteristen sollen Legionäre sein”, hieß es in der Ankündigung. Die Anwerbung soll dabei weltweit durch private Rekrutierungsunternehmen erfolgen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits Anfang Mai eine Armeereform mit erheblichen Soldanhebungen versprochen. Am Freitag bekräftigte er diese Absicht: “Die Ressourcen sind für eine Erhöhung der Zahlungen in der Armee vorhanden”. Woher das Geld für die Reform kommen soll, sagte er nicht. Das osteuropäische Land ist in erheblichem Maße von ausländischen Zuwendungen abhängig. Die Wirtschaft schrumpft wieder, und die Zentralbank wertet seit Monaten die Landeswährung Hrywnja schrittweise ab, um Budgetlöcher leichter mit ausländischen Krediten zu stopfen. Beinahe die Hälfte des ukrainischen Staatshaushalts hängt dabei von ausländischen Geldern ab.
Putin sprach mit Soldaten
Putin sprach mit Soldaten im Kreml anlässlich des Nationalfeiertags, bei dem auch Verteidigungsminister Andrej Beloussow dabei war. Vor den Soldaten gab sich der russische Staatschef weiter siegesgewiss in dem vor mehr als vier Jahren von ihm befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine. “Schritt für Schritt, nicht so schnell wie wir gern würden, aber wir schreiten trotzdem voran, wir schreiten jeden Tag voran”, sagte Putin. Außerdem drohte er, Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur auszuweiten, um der Ukraine “die Lust zu nehmen”, zivile Objekte in Russland anzugreifen.
Schon im Dezember hatte er bei seiner Jahrespressekonferenz und Bürgersprechstunde von rund 700.000 Soldaten im Gebiet des Ukraine-Kriegs gesprochen. Damals sagte er, es handle sich überwiegend um junge Leute, darunter die Generationen der 1990-er Jahre.
Klagen über ukrainische Drohnen
Die Soldaten sprachen viel über Probleme durch Drohnen, die das ukrainische Militär einsetze und dafür auch das Satellitenkommunikationsnetz Starlink nutze. Dazu hatte Russland Anfang des Jahres den Zugang verloren.
Putin räumte ein, dass die Ukraine den Einsatz von Drohnen verstärkt habe, um die russische Gesellschaft zu spalten und wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. Doch das gelinge nicht. Er erklärte außerdem, dass Russland Drohnen mit künstlicher Intelligenz entwickle und ein eigenes Satellitennetz in niedriger Umlaufbahn aufbaue. Technisch sei das Problem gelöst, es gehe nur um die Erweiterung.
Kiews Militär setzt bei seinen Gegenangriffen seit Monaten auf Drohnenattacken gegen die russische Ölindustrie und bringt Moskau damit zunehmend in Bedrängnis. Russische Besatzungsbehörden schränkten zuletzt die Ausgabe von Benzin ein und der Export von Kerosin aus Russland wurde zunächst bis Ende November untersagt.