Für diese Kolumne kamen keine Himbeeren zu Schaden

Sommer ist es. Heiße Tage, laue Nächte. Im Hochbeet wachsen Kohlrabi, Melanzani (von manchen Auberginen genannt) und Peperoni. Auch ein Gurkenpflänzchen reckt sich stattlich der Sonne entgegen. Daneben freuen sich die Paradeiser (man kennt sie auch als Tomaten) auf ihr rotes Fruchtwerden. Es gärtlert, will Frau Heidi damit sagen.
Zum Garten gehört auch eine möglichst heimelige Sitzatmosphäre. Einfach mal nicht pflanzen, nicht arbeiten und möglichst nur über schöne Dinge nachdenken, während sich im Trinkglas die Eiswürfel vergeblich gegen die Sonne wehren.
Jetzt wissen wir ja, dass unsereins einen Wohnwagen besitzt, der dieselbe Anzahl an Jahresringen rund um die Hüften hat (bildlich gesprochen!) wie ich. Bis dato hat er es nicht geschafft, an mein Auto angehängt zu werden, um damit den nächstgelegenen italienischen See oder gar das Meer zu sehen, weil die Fenster bei zu viel Fahrtwind damit drohen, sich aus Protest auf die Straße zu schmeißen. Eine Verabschiedung von dem guten Teil kam für mich aber nie infrage.
Was also tun mit diesem kleinen, fahrbaren Häuschen? Mein insgeheimer Wunsch: ihn als Gartenhäuschen mit Blumen, Lichterkette und vielen Polstern in unsere Wiese zu stellen. Doch jede Einfahrt in den Garten war um ein paar Zentimeter zu eng.
Für meinen sehr verehrten Vater stellte das aber kein Problem dar. Beim letzten Grillbesuch hörte er meinen Wunsch und meinte nur: „Des machand wir jetzt! Isch jo ka Problem!“
Die Grillgäste rund um den Tisch inklusive mir schauten verdutzt. Wie jetzt? Aber mein Vater marschierte schon los zur Zaunbesichtigung und zur Begutachtung meiner Himbeersträucher. Kann man den Zaun abbauen? Kommt da der Wohnwagen drüber? Noch bevor die Fragen beantwortet waren, war der halbe Zaun schon abmontiert, der Wohnwagen hergeschoben und wir beförderten ihn mit einem dreifachen Hauruck über Randstein, Himbeeren und Schneckenzaun auf den gewünschten Platz.
Jetzt steht er da. Mit Vorzelt, Kerzenlicht und Heimeligkeitsfaktor. Plötzlich sitzen meine Töchter mit mir, bis es dunkel wird, im Garten. Mein Lieblingsmensch philosophiert, was man hier noch alles machen könnte (oder nörgelt, was man hier alles noch machen muss) während ich in Gedanken den Wohnwagen grün anmale, mit Rosen umranke und ziemlich happy bin. Sogar die Himbeeren haben sich wieder aufgerichtet.
Jetzt habe ich meine eigene Schrebergarten-Sommeridylle im Garten. Mein 25-jähriges Ich stöhnt zwar ein bisschen ob dieses Klischee. Aber das soll jetzt einfach mal ruhig sein. Mein Ü-50-Dasein darf auch mal dran sein.