Ein „Nochejasser“ zum vergangenen Muttertag

Ich bin etwas verspätet, was nicht nur in der Natur meiner Gene liegt, sondern auch daran, dass ich eben nur über das schreiben kann, was schon passiert oder gefühlt ist. Deshalb schreibe ich eben erst heute über den Muttertag. Den Sonntag, an dem man daran erinnert wird, dass es einmal eine Zeit gegeben hat, in der man größtenteils nur für sich selbst oder eventuell noch einen Hund (oder eine Katze oder einen Goldfisch) verantwortlich war. Und dann kam zack, der Moment, an dem alles anders wurde. Nun gut, es war nicht wirklich ein „zack“, sondern ein 24-stündiges Sterben, um menschliches Leben auf die Welt zu pressen. Man muss der Wahrheit ins Auge blicken, in den seltensten Fällen hat das Mutterwerden etwas romantisch Verklärtes. Es ist blutig, voller Schmerz und Schreien und noch viel mehr. Und niemand, wirklich niemand, kann dich auf diese erste Erfahrung vorbereiten, weil selbst dann, wenn dir deine beste Freundin alles bis ins kleinste Detail offenbart, die Vorstellungskraft komplett versagt. Das ist auch gut so. Sonst würde nämlich nahezu jede Frau sagen: „Och nöööö. Lass mal!“
Auch, dass dein Hirn vergisst. Denn sobald dieses Wutz an Leben auf deinen Bauch gelegt wird, ist alles zuvor Empfundene wie wegradiert. Hast du kurz davor noch geschrien, dass du dir nie wieder ein Kind einpflanzen lässt, überlegt man sich beim Anblick der kleinen Händchen und Füßchen bereits, wann dieses kleine Wesen bereit für ein Geschwisterchen wäre.
Für mich ist Muttertag weniger jener Anlass, an dem man mein Mutterdasein ehrt (schon auch, ich mag es, wenn mir meine Mädels Kuchen backen und die Wohnung aufräumen, ohne dass ich zuvor mit der Organisation eines Klosterplatzes drohe), sondern vielmehr ein Tag, an dem ich mir wieder bewusst mache, was Muttersein doch für ein unfassbares Wunder ist. Ein Tag, an dem der Alltag etwas nach hinten rückt und plötzlich Raum entsteht zum Denken und Freuen. Über meine Kinder, über die Erinnerung an ihr erstes Lächeln und an das erste bewusste Greifen nach meiner Hand.
Und es ist auch jener Moment, in dem ich dankbar bin, dass das Hirn meiner Mutter ebenfalls nicht imstande war, sich auszumalen, was es heißt, ein Kind auf die Welt zu bringen. Dank ihr bin ich da, und ich denke als Mensch auch relativ tauglich. Und hiermit auch ein „nochejassender“ Dank an alle anderen Mamis, die tough genug waren zu sagen: „Klar! Ich gebäre!“ Ihr seid großartig, stark und wunderbar.