Vier von zehn haben wegen Geld auf Zahnbehandlung verzichtet

09.09.2026 • 12:00 Uhr
Vier von zehn haben wegen Geld auf Zahnbehandlung verzichtet

85 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher achten nach eigenen Angaben gewissenhaft auf ihre Zahnpflege. 73 Prozent gehen mindestens einmal jährlich zur Kontrolle. Dennoch haben sich 40 Prozent schon einmal gegen eine Behandlung entschieden, weil sie zu teuer war. Bei vollständiger Kostenübernahme – beispielsweise durch eine private Zahnversicherung – würde die Bereitschaft, sich behandeln zu lassen, sprunghaft steigen, zeigt das Allianz Gesundheitsbarometer 2026.

Von Marketagent wurden im Auftrag der Allianz Versicherung Österreich 1.600 Personen repräsentativ für die österreichische Bevölkerung zwischen 14 und 75 Jahren online befragt. “Drei Minuten morgens und abends entscheiden mit darüber, ob später größere Eingriffe nötig werden. Dass die große Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher diese Routine ernst nimmt, ist ein gutes Zeichen”, sagte Jörg Hipp, Vorstand der Allianz Österreich, laut einer Aussendung bei der Präsentation des Gesundheitsbarometers am Mittwoch in Wien.

Hälfte mit Farbe ihrer Zähne unglücklich

Gute Zahnpflege geht laut der Umfrage häufig mit höherem Einkommen einher. “Am Bewusstsein für gesunde Zähne fehlt es kaum – eher an der Möglichkeit, konsequent danach zu handeln”, erläuterte Hipp. Den stärksten Antrieb für intensivere Zahnpflege liefert die Vorsorge: 36 Prozent wollen spätere Zahnprobleme vermeiden. Danach folgen mit 26 Prozent ästhetische Gründe, diese spielen für Frauen eine deutlich größere Rolle als für Männer.

Sechs von zehn Österreicherinnen und Österreichern sind mit ihren Zähnen insgesamt zufrieden. Lediglich mit der Farbe ihrer Zähne ist nur die Hälfte der Befragten glücklich. Entsprechend führt Bleaching die Liste jener Behandlungen an, die zu höherer Zufriedenheit führen würden. Vor allem die Gen Z zeigt sich offen dafür und spricht sich im Vergleich zur Babyboomer-Generation auch vermehrt für weitere ästhetische und präventive Behandlungen wie Kieferregulierung oder professionelle Mundhygiene aus. Bei den Älteren sind es hingegen häufiger Implantate und Prothesen, die die Zufriedenheit mit den eigenen Zähnen steigern.

“Rechnung schreckt mehr ab als Bohrer”

Nach der Qualität der zahnmedizinischen Versorgung in Österreich gefragt, fällt das Urteil überwiegend positiv aus. 71 Prozent halten diese für sehr oder eher gut. Die beste Note erhält die fachliche Kompetenz (81 Prozent), gleichauf dahinter liegen Beratung und das Angebot moderner Behandlungsmethoden (je 70 Prozent). Deutlich kritischer bewertet werden die Wartezeiten auf Termine: Nur 42 Prozent sind damit zufrieden. Das größte Sorgenkind ist jedoch das Kosten-Leistungs-Verhältnis: Gerade einmal 28 Prozent bewerten dieses als sehr oder eher gut.

“Die Angst vor dem Zahnarztbesuch ist ein Klassiker, aber heute schreckt die Rechnung mehr ab als der Bohrer – dabei werden aufgeschobene Zahnbehandlungen selten günstiger”, warnte Hipp. Bei vollständiger Kostenübernahme würde die Bereitschaft, sich in den kommenden fünf Jahren behandeln zu lassen, bei Zahnspangen und -korrekturen von 29 Prozent auf 71 Prozent und bei Bleaching von 31 Prozent auf 75 Prozent steigen. Privatversicherte lassen sich bereits jetzt bis zu doppelt so oft behandeln wie Kassenpatienten, wurde erläutert.

Wissenslücken bei Zahngesundheit

Zwar halten sich 59 Prozent für informiert, wie Mund- und Allgemeingesundheit zusammenhängen – im Detail gibt es jedoch erhebliche Lücken. Knapp zwei Dritteln (65 Prozent) ist nicht bekannt, dass Karies eine Infektionskrankheit ist. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) kennt die möglichen Risiken von Zahnfleischerkrankungen in der Schwangerschaft für Mutter und Kind nicht.

“Karies ist eine Infektionskrankheit und Zahnfleischentzündungen bleiben nicht auf den Mund beschränkt – beides ist in der Bevölkerung zu wenig präsent”, betonte Birgit Vetter-Scheidl, Referentin für Medien und Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Zahnärztekammer. “Fast die Hälfte kennt den Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes nicht. Dass ausgerechnet die jüngste Generation hier am schlechtesten abschneidet, ist aus zahnmedizinischer Sicht ein alarmierendes Ergebnis. Aufklärung muss dort ansetzen, wo Gewohnheiten entstehen: in der Familie, in der Schule und bei uns in der Ordination.”