Vorarlberger Regierung zieht Lehren aus Hitzesommer

15.09.2026 • 13:24 Uhr

Vorarlberg soll hitzefester werden. Zwar habe das Land den abgelaufenen Rekordsommer verhältnismäßig gut überstanden, die Regierung wolle aber Lehren aus den Erfahrungen ziehen, so Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Priorität habe die weitere Sicherung der Wasserversorgung, insbesondere wolle man hier auf Verbünde setzen. Zudem sollen Land- und Forstwirtschaft klimafitter und Gebäude so gut wie möglich hitzetauglich gemacht werden.

Auch an Vorarlberg ist der vergangene Sommer mit Rekordhitze und historischem Niederschlagsdefizit nicht spurlos vorübergegangen. Das Land sei – auch dank bestehender Vorsorgemaßnahmen wie zweiten Standbeinen bei der Wasserversorgung – relativ gut durch die Hitze gekommen, “es war kein Katastrophensommer, aber doch ein Warnsignal”, fasste Wallner zusammen. Entsprechend gelte es, Strategien zu überarbeiten und “weiter massiv in Vorsorge zu investieren”.

Die Erfahrungen aller Ressorts würden dafür genau analysiert. “Vorarlberg hitzefester zu machen ist eine gemeinsame Aufgabe. Es geht um Gesundheit, um Schulen und Arbeitsplätze, um Gebäude, Ortszentren, die Natur und unsere Infrastruktur”, sagte Wallner. Das Land gebe den Rahmen vor und investiere, entscheidend sei aber auch die Zusammenarbeit mit Gemeinden, Betrieben und Bevölkerung.

Wasserverbünde und Grundwasserspeicher als Vorsorge

Die Sicherung der Wasserversorgung bezeichnete der Landeshauptmann als eine der wichtigsten Aufgaben der Daseinsvorsorge. Grundwasserspeicher und Wasserverbünde sollen bei Wasserknappheit helfen. In Vorarlberg werden nur noch rund vier Prozent der Bevölkerung von Wasserversorgern ohne zweites Standbein versorgt, berichtete Landesrat Christian Gantner (ÖVP). Der Trinkwasserverband Mittlerer Walgau mit sechs Gemeinden ist im Bau, der Trinkwasserverband Bregenzerwald (zehn Gemeinden) im Behördenverfahren. Weil Wasser bei Unwettern auch zur Gefahr werden kann, werde auch am Hochwasserschutz weiter gearbeitet, etwa an verschiedenen Abschnitten der Ill oder mit dem Projekt “Rhesi” am Alpenrhein.

Siedlungsraum und Land- und Forstwirtschaft anpassen

Auch Land- und Forstwirtschaft hatten mit der Wasserknappheit zu kämpfen. Auf manche Almen mussten Wasser und Futter für das Vieh geflogen werden, im Tal gingen Futtererträge und Ernten teils zurück. Vom Land gab es kurzfristige Unterstützung, diese müsse aber durch langfristige Maßnahmen ergänzt werden, nannte Wallner unter anderem betriebliche Vorsorge, Wasserspeicher, klimaangepasste Gebäude und Pflanzen als Gebot der Stunde. Letztere braucht es auch in den Wäldern, die zusammen mit den Mooren “Verbündete” im Klimawandel sind, indem sie kühlen, den Boden schützen und Kohlenstoff binden.

Nicht zuletzt müssen die Siedlungsräume an ein wärmeres und trockeneres Klima angepasst werden. Begrünung, Entsiegelung und Beschattung sollen künftig stärker in die Planung von Siedlungsräumen und Radverbindungen einfließen. Dies beeinflusse unmittelbar die Lebensqualität und sei auch ein Standortfaktor, hieß es bei der Pressekonferenz. Besonders betroffen von Hitze sind im Freien Arbeitende und Menschen – Betreute wie Personal – in Einrichtungen wie Pflegeheimen, Krankenhäusern oder Kinderbetreuungen, betonte Wallner. Die Situation, wie sie diesen Sommer teilweise in den Krankenhäusern war, bezeichnete er als große Herausforderung, gerade bei älteren Gebäuden.