Vorarlberger Verkehrslandesrat will Kapazitäten schaffen

Vorarlbergs Landesstatthalter Christof Bitschi (FPÖ) will sein Bundesland wieder nach vorne bringen. Vorarlberg habe sich in Österreich und Europa jahrzehntelang auf der “besseren Seite” befunden, nach mehreren Krisenjahren müsse es auch wieder dorthin zurück. “Wir haben in einer schwierigen Situation Verantwortung übernommen”, betonte er den Einstieg der Landes-FPÖ in die Landesregierung im Herbst 2024. Im Verkehrsressort hat Bitschi zahlreiche Projekte in Arbeit.
Die Zusammenarbeit mit dem größeren Partner ÖVP laufe gut, “wir haben die Handschlagqualität in die Landesregierung zurückgebracht”, sagte Bitschi im Interview mit der APA. Mit Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sei beim näheren Kennenlernen nach wenigen Minuten klar gewesen, “dass es geht”, so der FPÖ-Chef. Die Stimmung in seiner eigenen Partei sei aktuell “hervorragend”, auch wenn es mit dem Regieren auf Bundesebene nicht geklappt habe. Im Land sei die “starke Erwartungshaltung” an ihn sei gewesen, Verantwortung zu übernehmen.
Der 35-jährige Bitschi, der aus einer Familie mit einem Transportunternehmen stammt, ist seit November 2024 Landesrat für die Bereiche Straßenbau, öffentlicher Verkehr, Radwege, Eisenbahninfrastruktur sowie Familien- und Jugendförderung. Als “doch eher ungeduldigem Menschen” sei ihm das Umsetzungstempo immer zu gering, sagte er. Zum Bestand der Verkehrsinfrastruktur in Vorarlberg stellte Bitschi allgemein fest: “Sie stammt größtenteils aus den 1970er- und 1980er-Jahren.” Dementsprechend seien Straßen überlastet, auch auf der Schiene fehlten Kapazitäten. “Die Netze zwischen Bregenz und Feldkirch sind voll”, sagte er. Das bremse auch den Umstieg der Wirtschaft von der Straße auf die Schiene. Grundsätzlich müsse Mobilität im Gesamten betrachtet werden, damit sie funktioniert: “Das hat zur Zeit von Schwarz-Grün (2014-2024, Anm.) gefehlt”, kritisierte er die Vorgängerregierung.
Stadttunnel Feldkirch als größtes Projekt
Das aktuell größte Infrastrukturprojekt in Vorarlberg ist der Bau des Stadttunnels Feldkirch mit vier Ästen (Gesamtlänge: knapp vier Kilometer) und mit kalkulierten Kosten von bis zu 385 Mio. Euro – davon muss das Bundesland den allergrößten Teil selbst tragen. “Ich bin froh, dass wir beim Stadttunnel in ganz großen Schritten weiterkommen, ich bin mit viel Emotion dabei”, sagte Bitschi. Der von der UVP-Behörde verhängte Baustopp von über drei Monaten im vergangenen Jahr habe ihm manche schlaflose Nacht beschert, räumte Bitschi ein. Denn laut UVP-Bescheid muss der Bau des Tunnels 2030 abgeschlossen sein. Ein Teil des Zeitverlusts sei bereits wieder aufgeholt worden, zeigte sich der 35-Jährige optimistisch, pünktlich fertig zu werden, auch wenn der Zeitplan “knackig” sei.
Zu einer weiteren Großbaustelle wird der Kreisverkehr bei der Abfahrt von der Rheintalautobahn (A14) bei Dornbirn-Nord. “Dort treffen die größte Stadt (Dornbirn, Anm.) mit der größten Talschaft (Bregenzerwald, Anm.) mit dem größten Betriebsgebiet Vorarlbergs (35 Hektar, Anm.) zusammen”, skizzierte Bitschi die Ausgangslage. In unmittelbarer Nähe befinden sich außerdem der Güterbahnhof Wolfurt, einer der wichtigsten Güterverkehrs-Knotenpunkte Österreichs, und das Zollamt Wolfurt, das derzeit rund 600 Lkw täglich zur Zollabwicklung anfahren. Zu Stoßzeiten kommt es um den Kreisverkehr zu erheblichen Staus. Weil der Kreisverkehr mittlerweile an seine Kapazitätsgrenzen stößt, soll er 2028 durch eine leistungsfähigere ampelgeregelte Kreuzung ersetzt werden, Bitschi hofft noch auf 2027. “Dieser Umbau ist dringend notwendig”, betonte Bitschi. Eine Verbesserung der Situation wird auch durch die vollständige Digitalisierung der Abfertigung am Zollamt Wolfurt erwartet, die im Herbst in Betrieb gehen soll.
Für das Betriebsgebiet möchte Vorarlberg den Autobahn-Halbanschluss Wolfurt-Lauterach auf der Rheintalautobahn (A14) zu einem Vollanschluss umgestaltet sehen, dazu verhandelt Bitschi mit der Straßenbaugesellschaft Asfinag. Vorerst scheitert der Vollanschluss noch an der Kapazitätsgrenze der A14. Bitschi drängt jedoch auf die Installation einer Verkehrsbeeinflussungsanlage in den nächsten zwei Jahren, damit könnte zu Stoßzeiten auch der Pannenstreifen für den Verkehr freigegeben und somit zusätzliche Kapazität geschaffen werden. Eine Verkehrsbeeinflussungsanlage war Vorarlberg erstmals 2004 vom damaligen Minister Hubert Gorbach (FPÖ) zugesagt worden – umgesetzt wurde das Vorhaben bis heute nicht.
S18: Start der UVP-Prüfung könnte 2028 sein
Hinsichtlich des beabsichtigten Baus der Bodensee-Schnellstraße (S18) – einer rund acht Kilometer langen Verbindung der österreichischen A14 mit der schweizerischen A13 – hofft Bitschi auf einen Start der Umweltverträglichkeitsprüfung spätestens 2028. Erst kürzlich hat das Infrastrukturministerium das von der Straßenbaugesellschaft Asfinag eingereichte Vorprojekt für die S18 genehmigt. Die Straße wird seit 45 Jahren diskutiert und ist wegen ihres Verlaufs hoch umstritten, Bitschi stellte dazu aber fest: “Eine wirksame Entlastung beim Schwerverkehr wird es nur über die S18 geben.” Er wies außerdem darauf hin, dass aktuell mehr Autos durch die von der S18 betroffenen Riedlandschaft fahren als durch den Arlbergtunnel. Komme die S18 in Betrieb, würden die Straßen im Ried wieder entsiegelt. “Es wird extrem viel Wert auf Umweltschutz gelegt”, betonte Bitschi. Zum Jahresende hin soll es eine “detaillierte Visualisierung” zur S18 geben.
Die Kapazitätsgrenzen sind laut Bitschi auch auf der Schiene erreicht. “Wir brauchen ein weiteres Gleis im Unterland”, so der Landesstatthalter. Ein solches Gleis ist im Entwurf des “Zielnetz 2040” der ÖBB vorgesehen – beschlossen ist das “Zielnetz 2040” aber noch nicht. Bis möglicherweise ein drittes Gleis zwischen Bregenz und Wolfurt in Betrieb genommen werden kann, werden noch viele Jahre vergehen. “Wenn wir nicht in die Breite können, müssen wir in die Höhe”, versucht Bitschi Doppelstockgarnituren ins Land zu bekommen. Vorarlberg hat zwar erst 2023 neue Züge erhalten, diese seien aber schon wieder zu klein, so Bitschi.
ÖPNV: Zweitbestes Angebot in Österreich
Beim öffentlichen Verkehr hat Vorarlberg auch mit Bitschi den Anspruch, nach Wien das zweitbeste Angebot Österreichs bereitzustellen. Die Zahl der verkauften Jahreskarten hat in den vergangenen Jahren stets zugenommen. 2025 wurden bei knapp 412.000 Einwohnern exakt 92.172 Klimatickets verkauft, “wir wollen die 100.000 knacken”, nannte Bitschi das nächste Ziel. Weil die E-Bus-Flotte des Verkehrsverbunds Vorarlberg so groß sei, habe man heuer die Voraussetzung gehabt, in den Zertifikatehandel einzusteigen. Damit habe man schon über eine Million Euro verdient. Optimiert werde auch in jedem Jahr das bediente Streckennetz: “Wir wollen nicht einfach mehr Kilometer fahren, wir wollen mehr Personen transportieren”, sagte Bitschi. Die seit 1. Juni in Umsetzung befindliche Tarifreform verteidigte der Landesrat. Man habe das System deutlich vereinfachen wollen, die Tarifreform sei einstimmig – mit Zustimmung der Gemeinden – vom Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV) beschlossen worden. Bei der großen Mehrzahl der Fahrten habe sich der Tarif nicht verteuert oder sei billiger geworden. Auch habe man die Preise für die Jahreskarten – anders als in anderen Bundesländern – nicht erhöht. Die in den Medien kolportierten, deutlich teurer gewordenen Strecken seien “Einzelbeispiele”.
Beim Blick auf die Radwege – auch diese verantwortet Bitschi – stellte er ab 2027 den Bau einer Verbindung durch das Ried in Aussicht. Ursprünglich war das Vorhaben mit 21,4 Mio. Euro veranschlagt, nun soll es nur noch 6,8 Mio. Euro kosten. Man habe Brückentragwerke redimensioniert und werde im Bereich eines Damms auf dem Damm und nicht daneben fahren, begründete Bitschi die Einsparungen. Ein von verschiedener Seite propagierter Radweg durch das Achtal zur Verbindung des Rheintals mit dem Bregenzerwald zu Kosten von 80 Mio. Euro wird hingegen nicht kommen. “Ich bin das Achtal abgelaufen. Nach wenigen Metern war klar, dass es dort nicht mehr als einen Wanderweg geben wird”, so Bitschi.
(Das Interview führte Jochen Hofer/APA)