Warten auf Vereinbarung zu Straße von Hormuz

Der Iran steht nach eigenen Angaben kurz vor einer Einigung mit dem Oman über die Schifffahrt durch die Straße von Hormuz. Iran und der Oman hätten sich auf geografische Koordinaten für die Passage geeinigt, zitierte die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA Außenamtssprecher Ismail Baghai am Mittwochabend. An den Verhandlungen zwischen den beiden Golfstaaten, die an die Straße von Hormuz grenzen, sollen die USA nicht beteiligt gewesen sein.
Der iranische Machtapparat betont immer wieder, nicht mit den USA zu verhandeln. Eine gemeinsame Erklärung sei so gut wie fertig, hieß es aus Teheran weiter. Seitens des Oman gab es zunächst keine öffentliche Stellungnahme zu der angeblich bevorstehenden Einigung.
Iran: Sicherheitslage von US-Verhalten bedingt
Vor Ausbruch des Krieges Ende Februar konnten Schiffe ungehindert durch die Meerenge fahren, die zwischen dem Iran und dem Oman liegt. Nach übereinstimmenden Berichten soll Teheran nun eine Art Rundkurs ins Spiel gebracht haben: Schiffe könnten dabei auf einer nördlichen Route durch die Meerenge in den Persischen Golf einfahren und ihn auf einer südlichen Route entlang der Küste des Oman wieder verlassen.
Jegliche Zugeständnisse, die dem Iran eine weitreichende Kontrolle über die dortige Schifffahrt gewähren würden, wären ein strategischer Gewinn für Teheran – aber möglicherweise keine schnelle Erleichterung für den Handel am Golf. Irans Außenamtssprecher Baghai sagte dem Bericht zufolge weiter, die Einigung allein könne keine sichere Schifffahrt durch die Meerenge garantieren. Die Sicherheitslage hänge weiterhin mit der anhaltenden US-Blockade sowie anderen aggressiven und bedrohlichen Maßnahmen gegen den Iran zusammen.
Übergangslösung für weitere Verhandlungen?
Dem US-Sender CNN zufolge schätzte ein ranghoher Vertreter der Golfstaaten, der mit den Verhandlungen vertraut sei, die Chancen auf eine Einigung zwischen dem Iran und dem Oman bis Freitag auf 50:50. Ein Problem sei, dass in der iranischen Delegation Vertreter der mächtigen Revolutionsgarden fehlten, die die Details aber genehmigen müssten.
Es soll sich um eine Übergangslösung handeln, während der vom Iran verlegte Seeminen beseitigt werden könnten. Der Streit um die Meerenge und die Frage, wie die Durchfahrt geregelt wird, sind wesentliche Gründe, warum der Krieg zwischen den USA und dem Iran zuletzt wieder eskalierte.
Auch der türkische Außenminister Hakan Fidan sprach bei einer Pressekonferenz in Ankara über einen vorübergehenden Mechanismus für die Schifffahrt in der Straße von Hormus. Eine solche Vereinbarung könnte – ähnlich wie bei dem im Juni verhandelten Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA – zu einem “dauerhaften Abkommen” zwischen den Kriegsparteien innerhalb von 60 Tagen führen.
Regierungs- und Armeechef Pakistans reisen nach Saudi-Arabien
Der pakistanische Regierungschef Shebaz Sharif und Armeechef Asim Munir reisen unterdessen am Donnerstag nach Saudi-Arabien. Die beiden sollen bis Samstag bleiben und unter anderem Gespräche über die jüngsten Angriffe in der Golfregion im Krieg zwischen den USA und dem Iran führen, wie ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums am Donnerstag mitteilte. Pakistan vermittelt zwischen den Kriegsparteien.
Nach einer kurzzeitigen Pause hatten die USA den Iran in der vergangenen Woche erneut angegriffen und gemeinsam mit Saudi-Arabien pro-iranische Milizen im Irak attackiert. Der Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stellungen unter anderem in Jordanien. Am Samstag gab US-Präsident Donald Trump ein Aussetzen der Angriffe bekannt, da sich eine neue Vereinbarung abzeichne. Nennenswerte Fortschritte in den Verhandlungen zwischen den beiden Kriegsparteien gab es zuletzt nicht.
Die pakistanische Regierung äußerte am Donnerstag die Hoffnung, die Einigung zwischen dem Iran und dem Oman auf eine Route durch die Straße von Hormuz werde die USA und den Iran dazu bringen, ihre direkten Verhandlungen wieder aufzunehmen. Teheran hatte nach der Einigung mit dem Oman betont, die Sicherheit der Schiffsroute durch die Straße von Hormuz hänge davon ab, dass “bestimmte dritte Parteien den Prozess nicht behindern”.
Tanker-Besatzung meldet Explosionen in Straße von Hormuz
In der Straße von Hormuz gab es unterdessen nach Angaben der Besatzung eines Öltankers in der Nacht auf Donnerstag Explosionen gegeben. “Der Kapitän eines Tankers hat gemeldet, während der Fahrt in der Straße von Hormuz zwei Explosionen gehört zu haben”, teilte die britische Seefahrtbehörde UKMTO im Onlinedienst X mit. Der Vorfall habe sich gut 15 Kilometer vor der Küste Omans ereignet. Der Tanker und seine Besatzung seien nicht betroffen.