Weißhaidinger strebt seine erste Papa-Medaille an

Bei Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger ist schon sehr viel auf Olympia 2028 ausgerichtet. Sein Trainer Gregor Högler hat nur noch die Spiele in Los Angeles im Kopf, alles andere davor diene der optimalen Vorbereitung darauf. Weißhaidinger selbst blickt auch stark auf die EM in der zweiten August-Woche in Birmingham. Da will er seine erste “Papa-Medaille” holen. Von seiner einjährigen Tochter Lola hat er sich im Mai wegen gleich sechs Wettkämpfen einige Male trennen müssen.
“Es war von Anfang an der Plan, dass wir viele Wettkämpfe im Frühjahr machen und dann einen langen Aufbau für die EM”, erklärte Weißhaidinger am Montag bei seinem traditionellen Medientermin in der Südstadt. Fünf der Meetings waren eingeplant, dazu kam die Einladung für den Event der Diamond League in Shanghai. Seine bisher größte Weite warf Weißhaidinger gleich beim Saison-Einstieg am 9. Mai in Schwechat mit 67,00 m. Am Sonntag in Ptuj in Slowenien beim Heim-Meeting von Kristjan Ceh waren es – bei allerdings äußerst unwirtlichen Verhältnissen – 59,38 m.
Die Sehnsucht nach dem Training
Nun tritt der Olympia-Dritte von Tokio 2021 noch am Donnerstag in St. Pölten sowie am Sonntag beim Werfer-Tag in Gelenau in Deutschland an, ehe nächste Woche die von Weißhaidinger herbeigesehnte unmittelbare EM-Vorbereitung beginnt. Eine Einladung zur Diamond League in Stockholm wurde abgelehnt. “Wir haben eine gute Basis, um bei der EM gut drauf zu sein”, erläuterte der 34-Jährige. “Es ist aber Luft nach oben, da wollen wir in den nächsten Wochen noch ein bisschen mehr herausholen. Ich freue mich auf das Training, damit ich an der Technik arbeiten kann.”
Das sei zuletzt nämlich ein bisschen auf der Strecke geblieben, wodurch sich der Schwerpunkt bei den Wettkampfwürfen zu weit nach links verschoben habe. “Da reichen oft Nuancen, das merkt man dann schon sehr stark an der Weite. Da fehlen gleich zwei, drei Meter.” Wenn der Schwerpunkt nicht stimme, passe auch der Druckpunkt am Diskus nicht. “Es ist daher gut, dass ich da jetzt für die EM in Ruhe aufbauen kann. Es war immer das Ziel, in den jetzigen Wettkämpfen gut mitzuhalten, aber bei der EM, wenn es um die Wurst geht, in absoluter Medaillenform zu sein.”
Und zwar am 11. August bei der EM-Qualifikation und bei erhoffter Finalteilnahme am Abend des 13. August. Weißhaidinger hat schon zwei EM-Medaillen, in England tritt er als aktueller Vize-Europameister von 2024 an. “Obwohl ich den Diskus derzeit nicht sicher treffe, habe ich schon eine 67”, klang Zuversicht aus Weißhaidingers Worten. “Die erste Papa-Medaille ist ein großes Ziel. Natürlich hängen die Trauben sehr hoch. Ich muss am Tag X für den Kampf bereit sein.” Er erinnerte daran, dass sich die Elite bei einer EM nicht viel von der bei einer WM unterscheidet.
Saison-Einstieg des Weltrekordlers
Dabei ist Weltrekordler Mykolas Alekna wegen eines vor rund drei Monaten gerissenen linken Brustmuskels noch nicht in Erscheinung getreten. Am Sonntag in Stockholm wird der Litauer seine erste Duftmarke setzen, Weißhaidinger und auch Högler sind auf dessen Leistung gespannt. Högler sammelt in jedem Wettkampf Informationen, “um bei Olympia alles zu wissen. Dafür haben wir noch drei Großereignisse”, sprach der Ex-Athlet die EM 2026 und 2028 sowie die WM 2027 an. Die heurige EM sei davon das unwichtigste Event, aber für das daraus zu holende Wissen sehr wichtig.
Mit der aktuellen Form seines Schützlings sei er glücklich, betonte der Coach. “Wir sind ja auch vier Wochen später in die Saison gestartet.” Für das Zwischenjahr 2025 habe er Weißhaidinger bewusst geraten, den heimatlichen Hausbau zu erledigen, damit sie sich dann drei Jahre lang ganz auf das Sportliche konzentrieren können. “Jetzt haben wir eine zehnwöchige Vorbereitungsphase vor uns, in der die Kraftentwicklung bezogen auf den Diskuswurf das Wichtigste ist.” Das sei auch ein Versuch, vielleicht auch die Vorbereitung auf Olympia so anzulegen. “Deswegen ist es sehr wichtig.”
Ganz ohne weitere Meetingstarts werden die zehn Wochen bis zum Saisonhöhepunkt freilich nicht ablaufen. Um den Monatswechsel sind Starts in Zagreb und in Eisenstadt vorgesehen und als wichtige Gradmesser die Antreten in Andorf und bei den Staatsmeisterschaften Anfang August – und damit nur eine Woche vor den Europameisterschaften. Für dort ist die Erfüllung des Medaillentraums erhofft, vielleicht sogar des Goldtraums. Weißhaidinger: “Die Chance ist ähnlich wie beim Fischen. Solange die Angel im Wasser ist, hast du die Chance auf einen Fisch.”