Weniger Suizide in Vorarlberg

03.09.2026 • 13:27 Uhr
Weniger Suizide in Vorarlberg

In Vorarlberg sind 2025 60 Personen durch Suizid ums Leben gekommen. Dabei handle es sich erstmals nach Jahren um einen Rückgang, 2024 gab es 64 Fälle, hieß es im aktuellen Suizidbericht des Vorarlberger Arbeitskreises für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks), der am Donnerstag präsentiert wurde. Österreichweit wies die Statistik Austria demnach 1.352 Suizide aus (2024: 1.331). Gerade bei Kindern und Jugendlichen seien Prävention und frühe Unterstützung zentral, hieß es.

Auch wenn sich die Zahl der Suizide in Vorarlberg und Österreich seit den 1980er-Jahren mehr als halbiert habe, müssten Vorsorgemaßnahmen auf allen Ebenen aufrechterhalten und laufend adaptiert werden, so die Autoren Albert Lingg, Reinhard Haller und Isabel Bitriol-Dittrich. Lingg betonte: “Betroffene sind durch die Enttabuisierung in ihrer Verzweiflung nicht mehr so häufig allein gelassen und mehr Mitmenschen über Warnsignale aufgeklärt.” Entwarnung könne man deshalb aber nicht geben. So werde die Suizidprophylaxe etwa durch die Freigabe der Beihilfe zum Suizid in Österreich erschwert.

Frühe Unterstützung bei Kindern und Jugendlichen zentral

Der Schwerpunkt des aktuellen Berichts lag bei Kindern und Jugendlichen. “Je früher Belastungen erkannt werden und Unterstützung angeboten wird, desto besser können junge Menschen in Krisen erreicht werden”, so Mitautorin Susanne Bacher, Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Darum habe Suizidprävention höchste Priorität. Insgesamt seien Suizide bei Kindern und Jugendlichen selten, die Zahlen schwankten von Jahr zu Jahr stark. Laut langfristigen Daten beträfen Suizide unter jungen Menschen am häufigsten Personen im Alter von 18 bis 21 Jahren, bei der Hälfte war zuvor eine psychische Erkrankung bekannt. Drei Viertel der Suizide der Unter-19-Jährigen betrafen Burschen. Grund sei zumeist ein Zusammenspiel verschiedener Belastungen.

Gerade im Jugendalter gewinne das Thema Suizid an Bedeutung. Es sei daher besonders wichtig, Warnzeichen früh wahrzunehmen. Genau hinzuschauen gelte es bei anhaltender Traurigkeit, Leistungsabfall, sozialem Rückzug, selbstverletzendem Verhalten, Schlaf- oder Essstörungen, direkten Aussagen, nicht mehr leben zu wollen, oder wenn die Person Dinge verschenke, die ihr wichtig seien. Obwohl mentale Gesundheit von Jugendlichen an oberste Stelle gereiht werde, gelinge es dennoch nicht, alle Suizidgefährdeten zu erreichen.

Höchste Suizidraten in Kärnten und der Steiermark

Die Suizidrate (Suizide pro 100.000 Menschen) lag 2025 laut dem Bericht österreichweit sowie in Vorarlberg bei 14 und damit unter dem Zielwert von 15. Die höchsten Raten wiesen weiter Kärnten (18,8) und die Steiermark (16,1) auf, die niedrigsten Salzburg (12,3) und Tirol (12,4). Sowohl im Bundesländervergleich als auch in der Geschlechterverteilung variierten die Zahlen stark von Jahr zu Jahr. Über längere Sicht betrachtet seien aber nach wie vor Männer drei- bis viermal häufiger betroffen als Frauen, vor allem Männer in mittleren Jahren. Nur bei gut der Hälfte der Suizide waren psychische Erkrankungen bekannt. Suizide hätten aber vielfältige Ursachen, bedeutsam seien etwa Beziehungsprobleme, Substanzmissbrauch oder Belastungen durch schwere Krankheit, berufliche Krisen oder finanzielle Probleme, hielten die Autoren fest.

(S E R V I C E – Sofort erreichbare Hilfe in psychischen Krisen bieten unter anderem die Telefonseelsorge oder . Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige listet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.)