Ukraine überzieht Russland erneut mit Drohnenangriffen
Die Ukraine hat in der Nacht auf Freitag mit Drohnen eine Raffinerie und mehrere Öldepots im Süden Russlands angegriffen und beschädigt. Die russische Luftverteidigung meldete den Abschuss von 376 ukrainischen Drohnen. Bei einem russischen Luftangriff auf die ostukrainische Frontstadt Kramatorsk wurden indes nach Behördenangaben vier Menschen getötet. Unter den Opfern sei auch ein Jugendlicher, teilte der Gouverneur der Region Donezk, Wadym Filaschkin, auf Telegram mit.
Mindestens neun weitere Menschen seien verletzt worden. Die russischen Streitkräfte hätten sieben Bomben auf die Stadt abgeworfen. Filaschkin warf Russland vor, Zivilisten ins Visier zu nehmen. Bei dem Angriff wurden demnach ein Wohnblock, ein Geschäft und mehrere Privathäuser beschädigt. Der Gouverneur veröffentlichte Fotos von brennenden Wohnungen.
Am Freitag gab der Kreml dann bekannt, dass der russische Präsident Wladimir Putin weiterhin offen für eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts sei. Das meldete Kremlsprecher Dmitri Peskow. Als Reaktion auf eine Eskalation seitens der Regierung in Kiew richte Russland jedoch eine ausgedehntere Pufferzone in der Ukraine ein. Peskow reagierte damit auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach jüngste ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien und Häfen Putin in seiner Entschlossenheit bestärkt haben. Da die Ukraine derzeit kein Interesse an Verhandlungen zeige, setze Russland seinen Militäreinsatz fort, erklärte Peskow weiter.
Brände und Schäden nach ukrainischen Angriffen
In der Schwarzmeer-Region Krasnodar brach laut örtlichen Behörden infolge der ukrainischen Angriffe ein Feuer in der Ölraffinerie Ilski aus, das mittlerweile gelöscht wurde. Menschen seien dabei nicht zu Schaden gekommen. Dem ukrainischen Generalstab zufolge griff die Armee in der Nacht auch den Ölverarbeitungskomplex Ust-Luga an der Ostsee in der Region Leningrad an.
Auch in der Region Rostow kam es zu Schäden an Ölanlagen. Dort seien in der Stadt Asow zwei Objekte zur Lagerung von Öl und ein Verwaltungsgebäude in Brand geraten. Das teilte der Rostower Gouverneur Juri Sljussar auf Telegram mit. Zudem sei in der Großstadt Taganrog der Hafen unter Beschuss geraten. Die Löscharbeiten liefen, schrieb Sljussar. Opfer gäbe es keine.
Im Asowschen Meer seien zehn Tanker attackiert worden, teilte der Kommandant der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram mit. Damit seien insgesamt in dieser Woche fast 50 Tanker in der Region beschädigt worden. Zudem seien in der Nacht fünf Umspannwerke auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim getroffen worden.
Russland wirft Ukraine “Terror” vor
Darüber hinaus vereitelte Russland nach eigenen Angaben in Rostow einen “Terrorakt” gegen einen Militärflugplatz. An dem Angriff seien ukrainische Drohnen beteiligt gewesen, teilte der russische Inlandsgeheimdienst FSB der staatlichen Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit.
Der Kreml warf der Ukraine auch eine Eskalation “terroristischer” Angriffe auf das von Russland kontrollierte Atomkraftwerk Saporischschja vor. Dies sei äußerst gefährlich, sagte Peskow am Freitag. Die Ukraine nehme zivile Infrastruktur sowie Anlagen unter Beschuss, die direkt mit dem Kraftwerk in Verbindung stünden. Beide Seiten beschuldigen sich seit langem gegenseitig, die Sicherheit der Atomanlage durch militärische Aktionen zu gefährden.
Seit mehr als vier Jahren führt Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Diese wehrt sich nun verstärkt mit Drohnenangriffen, die auf Militärobjekte, Rüstungsbetriebe und strategisch wichtige Anlagen der Ölindustrie zielen. Wegen der ständigen Attacken ist in Russland die Verarbeitung von Öl deutlich gesunken. In praktisch allen russischen Regionen mangelt es an Treibstoff. Auf der Krim wurde der Ausnahmezustand ausgerufen.