Politik

Mit dieser Nachwuchshoffnung soll ein grüner Neustart in Bludenz erfolgen

04.07.2026 • 09:00 Uhr
Mit dieser Nachwuchshoffnung soll ein grüner Neustart in Bludenz erfolgen
Ida Forchtner in der Bludenzer Altstadt. Hier möchte sie mit Begrünungsmaßnahmen gegen die Hitze ansetzen. Dietmar Stiplovsek (3)

Nachdem die Grünen in Bludenz bei der letzten Gemeindewahl nicht am Start waren, will Ida Forchtner die Partei an der Basis neu aufbauen. Als Tochter des Landtagsabgeordneten Bernie Weber trägt sie die grüne DNA praktisch in sich.

In Bludenz dürfte die Verwunderung beim ein oder anderen Wähler groß gewesen sein: Nur vier der fünf großen Parteien traten zur Gemeindewahl 2025 an, einzig die Grünen fehlten auf dem Stimmzettel. Ein durchaus ungewöhnlicher Umstand, schließlich war die Partei zehn Jahre lang in der Landesregierung und punktet mit ihrem Programm tendenziell bei städtischen Wählern. Doch das „grüne Pflänzchen“ scheint in Bludenz gestorben zu sein.

Ida Forchtner schickt sich an, das zu ändern: Die 40-jährige Volksschullehrerin startet mit „Bludenz grünt“ einen neuen Versuch, die Partei in der Alpenstadt wieder zu etablieren. Doch wie funktioniert das eigentlich? Wie baut man eine Partei auf, die keine Möglichkeit hat, sich über politische Arbeit in der Stadtvertretung zu profilieren? Und wer ist die Frau, die sich dieser Aufgabe verschrieben hat?

Vor der Wahl “zerbröselt”

„Wir sind aktuell acht Personen bei ‚Bludenz grünt‘. Jetzt geht es für uns darum, größer zu werden. Im Idealfall wären wir doppelt oder drei Mal so viele“, erklärt Forchtner. Dass das kein Kinderspiel ist und viel Mühe bedarf, weiß die angehende Stadtpolitikerin. „Nicht alle haben den Luxus und die Zeit, sich engagieren zu können. Und dann muss man die Leute auch überzeugen, dass sie mitmachen, aktiv und laut werden und mutig sind.“ Das brauche seine Zeit, betont sie. „Und die Zeit haben wir jetzt, aber einfach ist es nicht.“ Dabei ist die Außerbrazerin auch über den aktuellen Personalstand nicht unzufrieden, zumindest im Verhältnis zur Phase vor der Gemeindewahl. „Als ich dazugestoßen bin, war die Gruppe schon sehr klein und begann, zu zerbröseln. Rund um 2020 hat die ältere Generation der Grünen an vier junge, neue Leute übergeben. Von diesen vier sind zwei weggezogen und einer krankheitstechnisch ausgefallen“, schildert Forchtner.

Mit dieser Nachwuchshoffnung soll ein grüner Neustart in Bludenz erfolgen
Als die 40-Jährige zur Partei stieß, war sie nur eine von drei aktiven Mitgliedern.

Von einem vierköpfigen Führungsteam war also nur noch eine Person übrig, insgesamt sei man zu dritt gewesen. „Da war uns klar, so treten wir nicht zur Wahl an. Wenn, dann machen wir es ordentlich und sonst gar nicht.“ Erst wollte man sich neu formieren. „Ich bin mitten in der Legislaturperiode eingestiegen und hatte kein politisches Amt. Mein Job war es zunächst, Vernetzungsarbeit in der Region zu machen“, erklärt Forchtner.

Bekannter Vater

Bekannter Vater. Der 40-Jährigen fällt besonders die Rolle der Netzwerkerin zu. Da sie im Landesvorstand der Grünen vertreten ist und als Regionalsprecherin für den Süden Vorarl­bergs fungiert, pflegt sie gute Kontakte in umliegende Ortsgruppen und zur Landespartei nach Bregenz. Dort ist auch ihr Vater, der Landtagsabgeordnete Bernhard Weber, tätig. Die grüne Parteifarbe wurde Forchtner also gewissermaßen in die Wiege gelegt. „Politik war bei uns zu Hause immer schon ein großes Thema und bei fünf Kindern war klar, eines von uns wirds treffen“, lacht die aus Altach in die Alpenstadt umgezogene Politikerin.

Menschen
Ida Forchtner mit ihrem Papa Bernie Weber. Yasmin Ritter

Während in manchen Haushalten die Kinder „rebellieren“ und in eine andere politische Richtung als die Eltern tendieren, war das für Forchtner nie ein Thema: „Der Klimaschutz liegt mir am Herzen, aber auch das Miteinander für unsere Demokratie, für unsere Bürgerinnen und Bürger, für unsere Kinder un die Gesellschaft – das sehe ich vor allem bei den Grünen und sonst eher wenig. Mit meinen Werten fühle ich mich bei der Partei daheim.“ Auch für die Arbeit ihres Vaters drückt die stolze Tochter ihre Bewunderung aus: „Mein Papa ist mein absolutes Vorbild, keine Frage. Er hat ein großes Engagement, viel Liebe für die Politik und ein unfassbares Know-How. Bei Fragen ist er meine Anlaufstelle Nummer eins.“ Aber auch von der Doppelspitze in der Landespartei, Daniel Zadra und Eva Hammerer, könne man viel lernen, ergänzt sie. Zum Einstieg ins aktive politische Engagement half ihr ein pointiertes Motto: „Vor vier Jahren war für mich der Punkt erreicht, um zu sagen: Es ist einfach, über die Politik zu schimpfen, aber es reicht nicht mehr. Man muss selbst einfach mal was tun.“

Sommerkino und Marktstand

Heute profitiert der gesamte Verein „Bludenz grünt“ – als Fraktion gilt man erst, wenn man Teil der Stadtvertretung ist – von Forchtners Verbindungen nach Bregenz: „Die Landespartei unterstützt uns durch die Bank mit allem: mit Ressourcen, Know-How und inhaltlich.“ Auch bei Veranstaltungen ist die 40-Jährige froh um die Hilfe bei organisatorischen Themen: „Wir veranstalten am 29. August im Pfarrzentrum ‚Zemma‘ ein Sommerkino. Die Liegestühle, die wir dafür brauchen, kommen von der Landespartei.“

Mit dieser Nachwuchshoffnung soll ein grüner Neustart in Bludenz erfolgen
Die Volksschullehrerin ist in ihrer Partei gewissermaßen Netzwerkerin nach Bregenz und in andere Ortsgruppen.

Es sind die Veranstaltungen wie ein solches Sommerkino – da schließt sich auch der Kreis zum Beginn – mit denen „Bludenz grünt“ ihre personelle Basis erweitern will. Dazu kommen Stände auf dem Oster- oder dem Weihnachtsmarkt, wo man auf die eigenen Stammtische einlädt. Erst kürzlich beteiligte man sich auch an einer Unterschriftenaktion, bei denen die Parteimitglieder Stimmen für das Volksbegehren zum Erhalt der Geburtenstation am Krankenhaus Dornbirn sammelten. Auch in Bludenz musste die Geburtenstation bekanntlich weichen. Kaum angesprochen, ist Forchtner schon voll im Element: „Als wir auf der Straße waren, kam ganz oft die Frage: ‚Und was ist mit Bludenz?‘ Die Entscheidung liegt uns allen schwer im Magen. Stell dir vor, du liegst in den Wehen und musst von Lech oder Gargellen nach Feldkirch fahren. Das ist nicht lustig.“

Kampfansage an die ÖVP

Auch weitere inhaltliche Standpunkte, die Forchtner aufzählt, decken sich mit bekannten Motiven der Landespartei: Belebung der Ortskerne, Stadtbegrünung, Anti-Beton-Politik. „Unsere wunderschöne Altstadt ist quasi tot. Ab Samstagmittag ist praktisch nichts mehr los. Ich bin überrascht, dass die ÖVP nicht längst schon ein Bürgerbeteiligungsprojekt gestartet hat. Zudem sind wir jeden Sommer Hitze-Metropole Nummer eins. Dagegen wollen wir Fassaden und Dächer begrünen. Schwer im Magen liegt uns die Beton-Politik der ÖVP. Auch hier in Bludenz wird der Sparstift bei den Schwächsten angesetzt.“ Am liebsten, erklärt Forchtner, wäre ihr, die „Alleinherrschaft“ der ÖVP zu brechen: „Ziel ist es, die Absolute zu sprengen, damit die Stadtregierung wieder bunt wird.“

Zur Person

Ida Forchtner (40) ist in Altach als zweites von fünf Kindern des Landtagsabgeordneten Bernhard Weber aufgewachsen. Nach ihrem Studium in Wien zog die Volksschullehrerin und Mutter zweier Söhne mit ihrem Mann in den Bludenzer Ortsteil Außerbraz.

Natürlich ist das noch ein weiter Weg, der besonders beschwerlich ist, da man nicht in den Stadtgremien vertreten ist. Forchtners „Wunschszenario“ für die Kommunalwahl 2030 ist daher das folgende: „Ziel ist, wieder in die Stadtvertretung zu kommen und dann vielleicht sogar einen Stadtrat oder eine Stadträtin zu stellen. Das hatten die Grünen schon einmal und es wäre toll, wenn sich das wieder ausgeht.“ Auch werde man „nicht darum herum kommen“, auch einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt zu stellen: „Warum sollen wir anderen das Feld überlassen?“ Ob sie sich selbst dieser Aufgabe stellt oder jemand anderem den Vortritt lässt, bleibt vorerst noch offen.

Privat im Garten oder auf dem Rad

Im Garten oder auf dem Rad. Außerhalb der Politik findet man Forchtner bevorzugt auf ihrem Fahrrad, im eigenen Garten oder bei ihrer Familie. Nach ihrem Studium in Wien ist die Volksschullehrerin in den Bludenzer Ortsteil Außerbraz gezogen, wo sie mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen, die sieben und elf Jahre alt sind, lebt. Forchtners politisches Herzensthema liegt angesichts ihres Berufs auf der Hand: „Wenn wir unser Ziel mit dem Einzug in die Stadtvertretung schaffen, hoffe ich, dass ich im Bildungsausschuss sitze. Bildung muss an erster Stelle stehen. Kinder sind die Gestalter von morgen, sie sind unsere Zukunft.“ Genau diese Zukunft wollen Ida Forchtner und ihre Parteikollegen in Bludenz mitgestalten und somit das „grüne Pflänzchen“ wieder zum Leben erwecken.

(NEUE am Sonntag)