Wiederkehr will wieder deutlich mehr qualifizierte Lehrer

Im aktuellen Schuljahr waren nur etwas mehr als die Hälfte der neu angestellten Lehrkräfte ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen bzw. Quereinsteiger mit fachlich passendem Studienabschluss und Berufspraxis, die berufsbegleitend die pädagogische Ausbildung nachholen. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) will deren Anteil an den Neuanstellungen deutlich steigern: Für 2027 sind im Teilheft zum Doppelbudget 65 Prozent als Zielwert genannt, bis 2030 sollen es 80 sein.
Nur 44 Prozent der Berufseinsteiger im aktuellen Schuljahr haben zumindest ihren Bachelor beim Lehramtsstudium schon abgeschlossen. Das sind weniger als in vergangenen Jahren; allerdings wurden laut Ministerium zuletzt vor allem an den Pflichtschulen (v.a. Volks- und Mittelschulen) viele Lehrkräfte schon während des Studiums angestellt und das habe den Pool an Junglehrern, die nach dem Abschluss frisch angestellt werden können, entsprechend kleiner gemacht.
Der Anteil an Quereinsteigern, die aufgrund einer fachlich passenden Ausbildung und Berufserfahrung für ein Unterrichtsfach zertifiziert und mit einem normalen Vertrag angestellt werden, ist seit Start des Programms 2022 gestiegen. Aktuell sind es zwölf Prozent der Neuanstellungen. Sie sollen – in Zukunft auch an den Volksschulen – “eine wichtige Säule der Rekrutierung von Lehrkräften” bleiben, wird in der am Freitag veröffentlichten Human-Ressources-Strategie des Ministeriums betont.
Viertel der Neuanstellungen waren Bachelorstudierende
Reduziert werden soll hingegen künftig die Zahl der Sonderverträge: Lehramtsstudierende ohne Bachelorabschluss etwa haben im aktuellen Schuljahr mehr als ein Viertel der Neuanstellungen ausgemacht, wegen des Personalmangels in einigen Fächern und Regionen werden sie zum Teil schon in frühen Phasen der Ausbildung zum Unterrichten eingesetzt. Mittelfristig will Wiederkehr dafür sorgen, dass man erst in der Klasse stehen darf, wenn zumindest der erste Teil der Lehrerausbildung schon abgeschlossen ist. Innerhalb von acht Jahren muss dann auch der Master abgeschlossen sein. Wenn nicht, ist das ein Kündigungsgrund – auch wenn die Schulleitungen nicht verpflichtet sind, das Dienstverhältnis tatsächlich aufzulösen.
17 Prozent der Neuanstellungen betrafen im laufenden Schuljahr außerdem andere Sonderverträge für Lehrkräfte ohne entsprechende Ausbildung oder Zertifizierung – etwa jene, die den fachpraktischen Unterricht in Berufsschulen und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) anbieten.
Ministerium erwartet positiven Trend
Eine Trendwende erwartet das Bildungsministerium schon in den nächsten Jahren: Weil das Lehramtsstudium um ein Jahr verkürzt wurde, steht nämlich bald ein “Superabsolventenjahr” an, in dem mehrere Jahrgänge gleichzeitig abschließen, hieß es auf APA-Anfrage. Dazu komme die gestiegene Zahl der Lehramtsstudierenden durch die Initiative “Klasse Job”. Gemeinsam mit den Bildungsdirektionen würden außerdem gezielt Maßnahmen gesetzt, um das Unterrichten in bestimmten Regionen und Fächern attraktiver zu machen, wird im Budget-Teilheft betont.
Gleichzeitig sollen die absehbar sinkenden Schülerzahlen und abflachenden Lehrer-Pensionierungen die Personalsituation entspannen. In der Volksschule ist der Bedarf laut Human-Ressources-Strategie schon 2024 gesunken, in der Sekundarstufe (v.a. Mittelschule, AHS, BMHS) soll er ab 2028 zurückgehen und bis 2034 um die Hälfte sinken.
Ohne Sonderverträge geht es nicht
Ein gewisses Maß an Sonderverträgen wird es aber immer geben müssen, wie das Ministerium im Budget-Teilheft betont – etwa wenn wegen unerwarteter Krisen oder Migrationsbewegungen kurzfristig zusätzliche Lehrkräfte gebraucht werden. Außerdem hat sich das Bildungsressort vorgenommen, die Fluktuation bei Junglehrerinnen und -lehrern zwischen 25 und 34 Jahren weiter zu verringern.
Seit Beginn der Erhebungen 2018/19 sind hier die Werte kontinuierlich nach oben gegangen. Der bisherige Höchstwert wurde 2022/23 mit 6,9 Prozent Aussteiger innerhalb der ersten fünf Jahre erreicht, im vergangenen Schuljahr waren es 4,8 Prozent. Besonders viele gibt es unter den Junglehrern im Landesdienst (v.a. Volks- und Mittelschule) mit 5,2 bzw. in bestimmten Bundesländern wie Wien mit 6,3 Prozent. Ab 2027 sollen es nur noch 4,5 Prozent sein.