Wiener Hilfsorganisationen warnen vor Kürzungen

07.10.2026 • 14:00 Uhr

Die Wiener Sozialorganisationen schlagen Alarm: Sollte die Stadt kolportierte Kürzungspläne umsetzen, würde dies massive Auswirkungen auf die Betreuung betroffener Menschen haben. Leistungen würden nicht mehr im bisherigen Ausmaß erbracht werden können, versicherten Mitglieder der gemeinsamen Plattform “Wien bleibt anders”, in der rund 80 Organisationen vertreten sind, am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Auch Personalabbau bei den Vereinen steht im Raum.

“Es ist uns bewusst, dass Wien ein budgetäres Problem hat”, beteuerte Robert Mittermair vom Verein “Leben ohne Krankenhaus” (LOK), der auch als Sprecher der Plattform fungiert. Die Unsicherheit betreffend der Tarife würde jedoch die Planbarkeit erschweren. Problematisch seien mögliche weitere Einschnitte auch deswegen, weil die Unterstützung bereits 2026 unter der Inflation gelegen sei, erläuterte er.

Einsparungen von bis zu 150 Mio. Euro kolportiert

Derzeit werden laut Mittermair Einsparungen im Bereich zwischen drei und fünf Prozent kolportiert. 100 bis 150 Mio. Euro könnten den Vereinen dadurch fehlen. “Wir wissen es aber nicht genau”, beklagte er. Den Organisationen drohe damit ein “wirtschaftlicher Blindflug”, der auch in Personalabbau oder gar Insolvenzen münden könne. “Jeder 20. Job wackelt”, rechnete er vor.

Mittermair verwies etwa auf den Bereich Behindertenbetreuung. Dort würde sich bereits jetzt eine zuletzt vorgenommene Kürzung der Mindestsicherung auswirken. Reduziert worden sei die Wohnbeihilfe. Damit würde den Betroffenen bis zu 300 Euro im Monat fehlen. Viele Menschen mit gültiger Bewilligung würden außerdem schon jetzt auf einen Betreuungsplatz warten.

Eine Reduktion der Leistungen drohe auch bei der Flüchtlingsbetreuung, warnte Martin Wurzenrainer vom Integrationshaus. Im betreffenden Bereich komme es zwar immer wieder vor, dass der Bedarf sinke, wenn sich die weltpolitische Lage ändere. Derzeit sei er aber angesichts von Kriegen wie jenem in der Ukraine uneingeschränkt hoch. Ohne Spenden sei die Arbeit schon jetzt nicht aufrechtzuerhalten, berichtete er.

Dramatische Auswirkungen könnten Einschnitte auch in der Wohnungslosenhilfe haben, erläuterte Andreas Gampert von der Diakonie. Die Zahl der Betroffenen steige. Diese würden auch kontinuierliche Unterstützung benötigen. Würden Hilfskapazitäten reduziert, wirke sich das sofort aus. “Die Personen fallen schnell aus der stabilisierten Lage wieder zurück.”

Verweis auf Folgekosten

“Es lassen sich soziale Problemlagen nicht wegsparen”, beteuerte Gampert. Jede Kürzung habe Einfluss auf zahlreiche andere Bereiche und verursache Folgekosten. Das beginne schon bei den Jüngsten, erklärte Dieter Schrattenholzer vom SOS Kinderdorf. Die Kinder- und Jugendhilfe arbeite schon jetzt an der Belastungsgrenze. Werde die Betreuung reduziert, steige bei jungen Menschen das Risiko für psychische Erkrankungen, Sucht oder Straffälligkeit.

Nach Ansicht der Wiener Grünen zeigen die Hilferufe des Bündnisses in aller Deutlichkeit, was die Stadtregierung anrichtet, wenn sie an den “Grundpfeilern” des sozialen Wiens sägt. Die Kürzungen würden dazu führen, dass alle, die im Sozialbereich ohnehin schon am äußersten Limit arbeiten, noch mehr unter Druck geraten, kritisierte Parteivorsitzende Judith Pühringer in einer Aussendung. Es bestehe die Gefahr, dass durch die rot-pinken Maßnahmen das soziale Netz in Wien endgültig zerschnitten werde.