Wiens Salztorbrücke wird gesperrt und neu errichtet

Die in Wien über den Donaukanal führende Salztorbrücke ist am Ende ihrer Lebensdauer angelangt. Sie wird nun vorsorglich für Autos und den Lkw-Verkehr gesperrt. Ab 10. November dürfen nur mehr Fußgänger, Radfahrer und der Citybus die im Jahr 1961 eröffnete Konstruktion überqueren. Ab 2028 wird die Brücke dann abgerissen und neu errichtet.
Die für Brücken zuständige MA 29 versichert, dass das Bauwerk laufend überwacht wird. Sollte es nötig sein, die Spannbetonbrücke gänzlich zu sperren, würde dies umgehend geschehen, erläuterte Abteilungsleiter Wolfgang Strenn am Freitag. Mit der Umleitung des motorisierten Individualverkehrs soll Last von ihr genommen werden, um ausreichend Zeit für die Planungen des Neubaus zu haben, heißt es.
Intensives Monitoring
Die 91 Meter lange Brücke wurde regelmäßig überprüft. Die Spannbetontechnik, in der sie errichtet wurde, ist in Wien laut MA 29 einzigartig. 2024 wurde das Monitoring intensiviert. Anlass war der Einsturz der Carolabrücke in Dresden, deren Konstruktion vergleichbar ist, wie betont wurde. Wie Patrick Huber von der Technischen Universität Wien ausführte, kann nun der Zustand der mehr als 600 Spanndrähte permanent überwacht werden.
Einige davon sind bereits gerissen, berichtete er. Sollte sich der Zustand drastisch verschlechtern, kann sofort eingegriffen werden, wird versichert. Laut Abteilungsleiter Strenn gibt es einen Notfallsplan samt entsprechender Maßnahmen. Derzeit ist eine Totalsperre aber noch kein Thema. Der Zustand der Salztorbrücke wurde zuletzt auch mittels Belastungstests untersucht.
Momentan rollen 12.000 Fahrzeuge und rund 3.000 Fahrräder täglich über die Salztorbrücke. Dazu kommen mehr als 6.000 Menschen, die zu Fuß unterwegs sind. Das Gewicht von Fußgängern und Radlern stellt kein Problem dar, wird beteuert. Auch der vergleichsweise leichte Citybus 2A spielt aus statischer Sicht laut MA 29 keine Rolle. Verbannt werden darum nur Autos und Schwerfahrzeuge. “Die Brücke ist sicher zu benutzen, sonst würden wir sie ja sperren”, hielt Strenn fest.
Neubau ab 2029
Die Planungen für die Neukonstruktion starten demnächst. Wie diese ausgestaltet wird, soll im Rahmen eines Wettbewerbs geklärt werden. Kostenschätzungen seien darum noch nicht möglich, wurde heute betont. Anfang 2028 soll der Abbruch beginnen, die Arbeiten für die Neuerrichtung 2029. Die Bauzeit wird mit eineinhalb bis zwei Jahren veranschlagt.
Der Donaukanal soll in dieser Zeit für Schiffe an der Stelle weitgehend passierbar bleiben. Auch die Uferpromenade bleibt geöffnet, wobei temporäre Einschränkungen für den Fuß- oder Radverkehr nicht ausgeschlossen werden. Autos werden zu den anderen Donaukanalquerungen umgeleitet, wie Baustellenkoordinator Christian Zant erklärte. Diese sind in den vergangenen Jahren zum Teil bereits umfassend renoviert worden.
Die Salztorbrücke verbindet den ersten und zweiten Bezirk im Bereich Salztorgasse bzw. Hollandstraße. Schon im 19. Jahrhundert gab es an dieser Stelle eine Querung. Die vor der aktuellen Brücke dort befindliche Konstruktion war 1945 von deutschen Truppen beim Rückzug zerstört worden.