Wienwert-Prozess: Immobiliendeal “Getreidemarkt 10” im Fokus

18.09.2026 • 16:32 Uhr
Wienwert-Prozess: Immobiliendeal "Getreidemarkt 10" im Fokus

Der Prozess rund um die pleitegegangene Immobiliengruppe Wienwert ist am Freitag am Straflandesgericht Wien in die nächste Runde gegangen. Im Fokus stand ein Immobiliendeal über eine Liegenschaft in der Wiener Innenstadt (Getreidemarkt 10). Der Hauptangeklagte Ex-Wienwert-Chef Stefan Gruze verteidigte den Verkauf an den mitangeklagten Unternehmer Klemens Hallmann. Der parallel geplante Kauf einer Immobilie von Hallmann sei von Gruze selbst ausgegangen, bekräftigte er.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft dem Ex-Wienwert-Chef Gruze unter anderem vor, die Liegenschaft Getreidemarkt 10, die im Eigentum einer Wienwert-Tochter stand, unter Wert verkauft zu haben. So bewertete ein Gutachten die Immobilie mit knapp 20 Mio. Euro, der Verkaufspreis lag schließlich nur bei 18,7 Mio. Euro.

Der Verkauf sei unter enormen Zeitdruck geschehen, um damit eine bald fällig werdende Anleihenverbindlichkeit der Holdinggesellschaft nach dem “Loch-auf-Loch-zu”-Prinzip zu finanzieren, wie es die WKStA bezeichnet. Hierfür vergab aus Sicht der Staatsanwälte Gruze als gleichzeitiger Geschäftsführer der Wienwert-Tochter einen Teil des Verkaufserlöses nicht ausreichend besichert als Darlehen an die bereits zahlungsunfähige WW Holding AG.

Nachteilige Vertragsbedingungen diktiert?

Hallmann legt die Staatsanwaltschaft im Wesentlichen zur Last, er habe im Wissen um die wirtschaftliche Notlage der Wienwert dieser die Liegenschaft Getreidemarkt 10 abgekauft, sich zugleich von der Wienwert eine andere Liegenschaft in Tulln deutlich über Wert abkaufen lassen. Dadurch habe Hallmann nachteilige Vertragsbedingungen diktieren können. Dabei ging es auch um ein Angeld von über 3 Mio. Euro, welches schließlich verfiel, nachdem die Closing-Bedingungen von der Wienwert nicht erfüllt werden konnten. Den Gläubigern der Wienwert sei durch den Deal ein Schaden von knapp 4 Mio. Euro entstanden. Hallmann bestreitet die Vorwürfe, er wird beim nächsten Verhandlungstermin am Montag zu Wort kommen.

Gruze: Gegengeschäft nicht von Hallmann ausgegangen

Gruze wies in seiner Einvernahme am Freitag darauf hin, dass der Verkauf der Immobilie Getreidemarkt 10 in der Fortbestehensprognose der Wienwert vorgesehen gewesen sei. Zugleich habe sich die Wienwert künftig auf Neubauprojekte fokussieren wollen. Der Ankauf der Liegenschaft in Tulln sei daher von Gruze selbst ausgegangen, nicht von Hallmann, so der Ex-Wienwert-Chef. Gruze räumte ein, verschwenderisch mit dem Vermögen der Wienwert umgegangen zu sein, um so schnell wie möglich so viel wie möglich zu kaufen. Der Deal sei nur mit einem Angeld möglich gewesen, dieses sei auch branchenüblich. Hallmann habe zwar gewusst, dass Gruze schnell verkaufen wolle, über die Situation der Wienwert oder Geschäftsinterna habe er aber kein Wissen gehabt.

Mit dem Darlehen der Wienwert-Tochter an die Holding habe Gruze den Aufsichtsrat befasst, Sicherheiten seien Geschäftsanteile der neuen Wienwert AG gewesen. Für ihn sei es damals “denkunmöglich” gewesen, dass die Transaktionen schiefgehen könne, beteuerte Gruze. Er hat sich zu Prozessbeginn der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen schuldig bekannt, den Hauptvorwurf des Anlagebetrugs jedoch zurückgewiesen.

Auch Gruzes mitangeklagte Vorgänger Nikos Bakirzoglu und Wolfgang Sedelmayer, die sämtliche Vorwürfe bestreiten, standen am Freitag Rede und Antwort. Zum Zeitpunkt des Immobiliendeals befanden sich beide im Aufsichtsrat der Wienwert und seien nicht mehr ins operative Geschäft eingebunden gewesen, betonten sie. Der Verkaufspreis der Getreidemarkt-Immobilie von 18,7 Mio. Euro sei marktüblich gewesen, so Sedelmayer. Über das Angeld seien die Aufsichtsräte allerdings nicht informiert worden. Angelder seien in der Branche zwar üblich, in dieser Höhe wäre es allerdings niemals vom Aufsichtsrat genehmigt geworden, räumte Bakirzoglu ein.