Wird Peter de Caluwe neuer Salzburger Festspiele-Intendant?
Die “Zukunft der Salzburger Festspiele” wird am Freitag um 10 Uhr im Großen Festspielhaus enthüllt. Eine Pressekonferenzeinladung wurde am Mittwoch vom Büro der Salzburger Landeshauptfrau und Kuratoriumsvorsitzenden Karoline Edtstadler (ÖVP) versandt. Dabei könnte es allerdings eine Überraschung geben. Statt der zuletzt kolportierten Doppelspitze aus der Amsterdamer Opernchefin Sophie de Lint und Regisseur Barrie Kosky könnte Peter de Caluwe als Intendant präsentiert werden.
Am Dienstagabend dürften, so Insider, Verhandlungen über die genauere Ausgestaltung der Verträge und der Aufgabenverteilung von de Lint und Kosky geplatzt sein. Mehrere Medien meldeten, dass sich abzeichne, dass die 52-jährige, aus Rotterdam stammende de Lint als Intendantin bestellt werde und der 59-jährige, aus Australien gebürtige Kosky aufgrund zahlreicher Regieverpflichtungen nur der Titel eines “Co-artistic-Director” zukommen werde.
Caluwe offenbar mittlerweile Favorit
Am frühen Mittwochnachmittag berichteten die “Salzburger Nachrichten” online, dass die Gespräche eine neue Wendung genommen hätten: “Offenbar sind Sophie de Lint und Barrie Kosky nicht mehr im Rennen. Stattdessen dürfte Peter de Caluwe, der frühere Intendant der Oper Monnaie in Brüssel, bestellt werden, und zwar als alleiniger Intendant.” Schon der legendäre, 1991 bis 2001 amtierende Festspielintendant Gerard Mortier wechselte von Brüssel nach Salzburg.
Peter de Caluwe, Belgier des Jahrgangs 1963, leitete das prominente Opernhaus 2007 bis 2025. Er war bereits 2013 in der engsten Auswahl für die Nachfolge von Interimschef Sven-Eric Bechtolf. Damals wurde Markus Hinterhäuser, der 2011 nach Jürgen Flimm bereits ein Jahr lang den Salzburger Intendantenposten bekleidet hatte, bestellt. Trotz einer künstlerisch wie finanziell erfolgreichen Intendanz verständigte man sich im März darauf, Hinterhäuser bis zum Ende seines Vertrages am 30. September 2026 freizustellen und auf die an sich akkordierte Vertragsverlängerung bis 2031 zu verzichten. Die genauen Umstände, die dazu führten, sind bis heute ebenso wenig offengelegt wie die Details des Auflösungsvertrags, über den Stillschweigen vereinbart wurde.
Die Festspiele 2027 werden von Interimsintendantin Karin Bergmann geplant und durchgeführt, die für 2028 noch vorplant. Die neue Intendanz übernimmt demnach mit Ende der Festspiele 2027. Nach übereinstimmenden Medienmeldungen dürfte am Freitag auch eine Vertragsverlängerung von Präsidentin Kristina Hammer (57) ab 1. Jänner 2027 bekanntgegeben werden.
Hochkarätige Findungskommission
Bei der nach der einvernehmlichen Trennung von Intendant Markus Hinterhäuser durchgeführten Ausschreibung der künstlerischen Leitung der Festspiele hatten sich vier Frauen und 17 Männer, rund ein Zehntel davon aus Österreich, fristgerecht beworben. Eine Findungskommission, bestehend aus dem Dirigenten Franz Welser-Möst, dem langjährigen Geschäftsführer der Bundestheater-Holding Christian Kircher, sowie den Intendantinnen Nora Schmid von der Semperoper Dresden und Sonja Anders vom Hamburger Thalia-Theater, bewertete anschließend die Konzepte und führte Hearings durch.
Die Nennung von de Lint und Kosky als Doppelspitze hatte bei Beobachtern Verwunderung ausgelöst, da ihre Expertise in der Oper liegt. Bergmann, frühere Burgtheaterdirektorin, hatte eine Aufwertung des Schauspiels als eine der Ziele ihrer Interimsintendanz genannt. Sie hatte aber auch die Bereitschaft bekundet, vorübergehend über 2027 zur Verfügung zu stehen, falls alte Bindungen der neuen Intendanz dies angeraten sein ließen. Bisher war die Schauspielleitung nicht Teil des Direktoriums. Ob das auch für die “Zukunft der Salzburger Festspiele” gilt, wird der Freitag zeigen.
Großprojekt “Festspielbezirk 2030”
Unbestritten ist jedoch, dass die Festspiel-Zukunft von umfangreichen Bauarbeiten für das Großprojekt “Festspielbezirk 2030” geprägt sein wird, zu dem in den kommenden Tagen auch ein Rechnungshofbericht erwartet wird. Über Ersatzräumlichkeiten für das Große Festspielhaus, das von Herbst 2028 bis zum Frühjahr 2031 wegen der Baumaßnahmen zwei Spielsaisonen nicht zur Verfügung steht, muss bald entschieden werden. Innovative und zukunftsträchtige Ideen sind dabei gefragt. Bei der für Oktober angesetzten nächsten Kuratoriumssitzung sollte es auch um den zweiten Bauabschnitt des Projekts gehen, für das die Landespolitik vor einigen Wochen überraschend einen Kostendeckel eingezogen hat. Das Direktorium will eine Lösung präsentieren, wie man die Renovierung des “Haus für Mozart” und der Felsenreitschule finanziell in den Rahmen bringt.