Wohnungsnot verschärft sich auch in Italien

06.10.2026 • 09:57 Uhr

Wie in Spanien ist auch in Italien die Suche nach bezahlbarem Wohnraum zunehmend ein Problem. Zwar leben rund 70 Prozent der Familien in den eigenen vier Wänden, doch steigende Mieten und Immobilienpreise, niedrige Löhne und die zunehmende Zahl von Ferienwohnungen verschärfen die Lage – insbesondere in Großstädten.

Nach Schätzungen belasten mindestens sieben Millionen Italiener die Wohnkosten stark. Bei ihnen fließt mindestens ein Drittel des Einkommens in die Miete oder Kreditrückzahlungen. Für rund drei Millionen Menschen liegt der Anteil sogar bei 40 Prozent. In einigen Großstädten verschlinge die Miete mehr als die Hälfte des verfügbaren Einkommens, sagt Stefano Chiappelli, Generalsekretär der italienischen Mietervereinigung SUNIA laut Medienangaben. “Arbeiten reicht nicht mehr aus, um sich ein Dach über dem Kopf leisten zu können”, lautet seine Einschätzung.

100.000 Menschen könnte eine Zwangsräumung drohen

Für mindestens 100.000 Menschen könnte eine Zwangsräumung drohen, berichtete die römische Tageszeitung “La Repubblica”. Jährlich werden in Italien rund 40.000 Räumungsurteile gemeldet, drei Viertel davon wegen Zahlungsrückständen. Gleichzeitig warten rund 700.000 Menschen auf eine Sozialwohnung.

Besonders betroffen ist eine Grauzone: Menschen, die nach den Kriterien der italienischen Einkommensberechnung ISEE zu viel für eine Sozialwohnung verdienen, sich aber gleichzeitig eine normale Mietwohnung oder einen Immobilienkredit nicht leisten können. In den großen Ballungsräumen gehören Schätzungen zufolge 30 bis 35 Prozent der Bevölkerung zu dieser Gruppe.

Das Problem besteht trotz der hohen Quote an Eigentumswohnungen. Nach Angaben der italienischen Steuerbehörde gibt es rund 32,2 Millionen Wohnungen im Besitz von Privatpersonen. Knapp 20 Millionen werden von ihren Eigentümern selbst bewohnt, 5,7 Millionen sind Zweitwohnungen, 3,6 Millionen sind vermietet und 9,6 Millionen stehen leer. Diese ungenutzten Wohnungen könnten nach Einschätzung von Experten den Druck auf den Wohnungsmarkt erheblich verringern.

Für viele Alleinstehende ist eine Eigentumswohnung unbezahlbar

Gleichzeitig steigen die Mieten weiter. Allein im vergangenen Jahr legten sie landesweit um 4,4 Prozent zu. Seit der Corona-Pandemie vor sechs Jahren beträgt der durchschnittliche Anstieg insgesamt rund 25 Prozent, bei Neubauten teilweise sogar 30 Prozent oder mehr. In Rom und Mailand werden inzwischen auch außerhalb der Zentren häufig 19 bis 22 Euro pro Quadratmeter verlangt.

Für Alleinstehende mit einem durchschnittlichen Monatsgehalt von 1.500 bis 1.700 Euro wird eine eigene Wohnung damit vielfach unbezahlbar. Immer häufiger teilen sich deshalb auch Menschen mittleren Alters Wohnungen. Betroffen sind unter anderem Angestellte, Beschäftigte im Dienstleistungsbereich, Pflegekräfte, Pendler, Getrenntlebende und Geschiedene. Schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Einzel- und Doppelzimmer werden inzwischen von Erwachsenen bewohnt, die sich eine eigene Wohnung nicht leisten können.

Besonders schwierig ist die Situation auch für Studierende. Rund 650.000 junge Menschen studieren außerhalb ihres Heimatortes. Gleichzeitig sind gerade Universitätsstädte stark von der Expansion bei Ferienwohnungen betroffen. Die Zahl der Angebote auf der Plattform Airbnb ist dort nach Angaben aus der Branche innerhalb von zehn Jahren um 225 Prozent gestiegen. Viele Studierende weichen deshalb auf günstigere Orte im Umland aus. Wer in Mailand studiert, zieht beispielsweise nach Pavia. Andere bleiben bei ihren Eltern oder pendeln täglich über weite Strecken.