WWF warnt vor Tigerfarmen

Am Montag beginnt in Genf die Tagung zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES). Die Übereinkunft regelt den internationalen Handel mit rund 40.000 Tier- und Pflanzenarten. Seine 184 Vertragsparteien verpflichten sich, deren Überleben zu sichern. Vom 2. bis 6. November 2026 berät der Ständige Ausschuss in Genf über die Umsetzung und Einhaltung des Abkommens sowie die Bekämpfung des illegalen Handels. Der WWF warnt aus diesem Anlass vor Tigerfarmen.
Die Naturschutzorganisation fordert ein Verbot dieser Farmen und setzt sich für strengere Regeln für die Haltung von Tigern in Gefangenschaft ein. Denn bei der Kontrolle solcher Einrichtungen gibt es den Informationen zufolge große Lücken: Laut den vom WWF ausgewerteten Tagungsunterlagen hätten nur sechs Länder über Maßnahmen gegen Handelsrisiken bei der Haltung und Zucht von Tigern berichtet, hieß es in einer Mitteilung des WWF.
Die Berichte würden außerdem offen lassen, ob die Länder die Zahl der Tiger in Gefangenschaft wie vorgeschrieben begrenzen. “Einrichtungen, die Tiger in Gefangenschaft halten und am illegalen Wildtierhandel beteiligt sind, gefährden den Tigerschutz. Sie steigern die Nachfrage, die die Wilderei auf wild lebende Tiger antreibt”, wurde Georg Scattolin, Artenschutzexperte beim WWF Österreich, zitiert.
Strengere Kontrollen notwendig
Konkret fordert der WWF strengere Kontrollen und eine lückenlose Erfassung aller Tiger in Gefangenschaft – einschließlich Geburten, Todesfällen und Tiertransfers. Das solle verhindern, dass Tiere oder Körperteile in den illegalen Handel gelangen. Tigerfarmen für den kommerziellen Handel mit Körperteilen müssten laut WWF-Forderung schrittweise geschlossen und bestehende Artenschutzbeschlüsse konsequent umgesetzt werden. Zudem brauche es ausreichend Mittel für unabhängige Untersuchungen.
Bereits im Jahr 2007 vereinbarten die CITES-Vertragsparteien, dass Tiger nicht für den Handel mit ihren Körperteilen und daraus hergestellten Produkten gezüchtet werden dürfen, teilte der WWF mit. Die Bestände in Gefangenschaft sollten auf ein Maß begrenzt werden, das ausschließlich dem Schutz wild lebender Tiger dient. Fast zwei Jahrzehnte später lässt sich die Umsetzung wegen fehlender Informationen weiterhin nur eingeschränkt beurteilen, kritisierte die NGO.
Mehr Tiger in Gefangenschaft als in Freiheit
Laut WWF Living Planet Report ist die Zahl der wild lebenden Tiger dank intensiver Artenschutzmaßnahmen seit 2010 um mehr als 70 Prozent gestiegen – von etwa 3.200 auf rund 5.700. Trotzdem seien die Großkatzen stark gefährdet: Wilderei, illegaler Handel, Lebensraumverlust und Konflikte mit Menschen setzen ihnen weiterhin zu, so der WWF.
Mittlerweile leben den Angaben zufolge sehr viel mehr Tiger in Gefangenschaft als in freier Wildbahn. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als 8.000 Tiger in mehr als 200 Tigerfarmen in Ost- und Südostasien gehalten werden. Etwa drei Viertel dieser Tiger befinden sich in China. Hinzu kommen weltweit rund 12.000 in Gefangenschaft lebende Tiger, entweder in Privatbesitz, Zoos oder Zirkussen.