Zahlreiche Tote bei russischem Angriff auf Bus in Ostukraine

08.10.2026 • 17:40 Uhr

Bei einem russischen Angriff auf zwei Busse in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk sind am Donnerstag nach Behördenangaben mindestens 33 Menschen getötet worden. Weitere 18 Menschen seien verletzt worden, teilte die Staatsanwaltschaft der Region Donezk mit. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem russischen Bombenangriff auf zwei kleine Busse. Die Ukraine traf bei einem Gegenangriff unterdessen erstmals ein wichtiges Rechenzentrum und attackierte Omsk.

“Die Ärzte kämpfen derzeit um das Leben der Menschen”, teilte Selenskyj bei Telegram mit. Die Zahl der Toten könne noch steigen. Einige Opfer seien noch nicht identifiziert worden. Er veröffentlichte auch ein Video in seinem Telegram-Kanal, das unkenntlich gemachte Körper auf der Straße zeigte. “Auch Wohnhäuser und Autos wurden beschädigt”, sagte Selenskyj. Er kündigte eine Reaktion auf den Angriff an: “Und zwar hart – genau so, wie es die Russen für all die Todesopfer, die sie verursacht haben, verdienen.”

Kramatorsk ist neben Slowjansk die letzte von der Ukraine kontrollierte Großstadt in der Region Donezk im Osten des Landes. Die Stadt, in der vor Beginn des russischen Angriffskriegs 150.000 Menschen lebten, ist für die Logistik der ukrainischen Streitkräfte an der Front von großer Bedeutung.

“Die Russen greifen gezielt Zivilisten an. Für sie ist ein Bus mit Fahrgästen ein attraktives Ziel, gerade weil man mit einem einzigen Schlag so viele Menschen wie möglich töten kann”, sagte der Donezker Militärgouverneur Wadym Filaschkin. “Russland missachtet bewusst alle denkbaren Regeln der Kriegsführung und die Normen des humanitären Völkerrechts. Es wählt Ziele dort aus, wo es der Zivilbevölkerung den größten Schaden zufügen kann.”

Aufruf zur Flucht aus der Region

Filaschkin veröffentlichte in seinem Telegram-Kanal Fotos von einem ausgebrannten Bus. “Das sind Menschen, die von der russischen Armee getötet wurden”, sagte er. “Dafür gibt es keine Rechtfertigung und kann es auch keine geben.” Filaschkin rief die noch im Gebiet Donezk verbliebenen Einwohner dazu auf, in sicherere Regionen der Ukraine zu fliehen.

Angesichts der “drastischen Verschlechterung der Sicherheitslage” wies er die städtischen Militärverwaltungen von Kramatorsk und Slowjansk an, den öffentlichen Nahverkehr einzustellen. Das Leben von Fahrgästen und Fahrern dürfe nicht gefährdet werden. Trotz der Evakuierungsappelle weigern sich immer wieder viele Bewohnerinnen und Bewohner, ihr Hab und Gut zurückzulassen.

Kiew und ukrainische Regionen nach Angriffen ohne Strom

Für die Ukraine bringen die verstärkten russischen Luftangriffe auf die Energieversorgung wieder mehr Stromausfälle und Abschaltungen. In der Hauptstadt Kiew und in einigen Landkreisen im Umland sei der Strom notfallmäßig abgeschaltet worden, teilte Vizeenergieminister Artem Nekrassow auf Telegram mit. Der russische Beschuss habe Anlagen beschädigt, es gebe Spannungsabfälle im Hochspannungsnetz.

Für die Millionenstadt bedeutete dies, dass in einigen Teilen auch die Pumpen der Wasserversorgung ausfielen. Bei Luftangriffen auf Kiew am Mittwochabend waren zwei Menschen getötet worden, wie der Zivilschutz mitteilte. Eine Drohne hatte ein Hochhaus getroffen.

Frontnahe Gebiete ohne Strom

Auch in den frontnahen Gebieten Sumy, Charkiw, Donezk und Saporischschja brach nach russischen Angriffen die Stromversorgung zusammen. Soweit die Sicherheitslage es zulasse, werde an der Wiederherstellung gearbeitet, sagte Nekrassow. Weil die Stromverteilung im Land gestört sei, müsse der Verbrauch in mehreren Regionen für Gewerbe wie private Verbraucher eingeschränkt werden. Dies geschehe schichtweise, sagte der Vizeminister.

Die Ukraine hat damit gerechnet, dass die russische Armee mit Beginn der kalten Jahreszeit ihre Angriffe auf das Energienetz wieder verstärkt. Seit den Zerstörungen im vergangenen Winter sind einige Kraftwerke repariert worden. Kleinere, dezentrale Kapazitäten zur Stromversorgung wurden aufgebaut.

Trotzdem wird das Netz vor großen Belastungen stehen. Nach Beobachtung der ukrainischen Flugabwehr setzt die russische Armee Drohnen mit einer Zusatzvorrichtung ein, die Hochspannungsmasten und -leitungen zerstören. Russland versucht seit mehr als viereinhalb Jahren, das Nachbarland in einer groß angelegten Invasion zu unterwerfen.

Ukraine traf russisches Datenzentrum

Unterdessen traf die Ukraine bei einem Gegenangriff erstmals ein wichtiges Rechenzentrum. Der größte russische Internetkonzern Yandex teilte am Donnerstag laut russischen Medien lediglich mit, dass es einen “Vorfall” gegeben habe. Der Angriff löste ein Feuer in dem Gebäude des Technologiekonzerns in der Region Rjasan aus. Yandex bietet mit YandexGPT eines der führenden russischen Modelle für Künstliche Intelligenz (KI) an. Der Betrieb des Rechenzentrums sei vollständig eingestellt worden, hieß es. Das Unternehmen arbeite an der Beseitigung der Folgen und der Wiederherstellung der betroffenen Dienste. Die Kerndienste für Verbraucher seien jedoch nicht betroffen.

Auf der Webseite seines Cloud-Dienstes teilte Yandex zudem mit, es gebe Probleme mit der Stromversorgung in einem Bereich des Rechenzentrums. Dem Angriff auf das Yandex-Rechenzentrum ging eine Welle russischer Angriffe auf ukrainische Rechenzentren in den vergangenen Wochen voraus. In der russischen Stadt Salawat in der Region Baschkortostan brach zudem nach dem Absturz von Drohnenteilen ein Feuer auf einem Industriegelände aus, wie örtliche Behörden mitteilten. Es habe keine Verletzten gegeben. Der Betrieb des Unternehmens laufe weiter.

Ukrainischer Drohnenangriff auf Omsk

Die ukrainischen Streitkräfte attackierten am Donnerstag mit Drohnen die Stadt Omsk tief in Sibirien. Dort steht die größte Raffinerie Russlands. “Eine Drohne hat das nördliche Industriegebiet erreicht”, teilte der Gouverneur der Region Omsk, Witali Chozenko, bei Telegram mit. Die übrigen Drohnen seien rechtzeitig abgeschossen worden. Zu eventuellen Schäden in der mehr als 2.000 Kilometer von Moskau entfernten Region machte er keine Angaben.

Die Raffinerie von Omsk liegt in dem nördlichen Industriegebiet der Stadt. Zuvor hatte das ukrainische Rüstungsunternehmen Fire Point über Angriffe auf Erdölraffinerien in Omsk und in Salawat in der Republik Baschkortostan informiert. Das Ziel in Omsk sei getroffen worden, anschließend sei ein Brand ausgebrochen, schrieb Fire Point bei Telegram.

Auf dem Gelände der Raffinerie in Salawat habe es Brände gegeben. Die modernisierten Drohnen des Typs FP-1 legten demnach bis nach Sibirien eine Entfernung von mehr als 2.500 Kilometern zurück. Bestätigungen für die Angriffe lagen auch vom ukrainischen Generalstab vor. Die Raffinerie in Omsk wurde demnach bereits im Juli angegriffen. Die Anlagen in Salawat waren schon mehrfach Angriffsziel.

Zahl der Toten nach schwerem Angriff auf Ukraine von Mittwoch gestiegen

Die Zahl der Todesopfer nach dem schweren russischen Luftangriff vom Mittwoch hat sich nach ukrainischen Angaben von 28 auf 32 erhöht. Besonders hart getroffen worden war die Stadt Pryluky in der nördlichen Region Tschernihiw, wo eine russische Rakete ein fünfstöckiges Wohnhaus zerstörte. Wie die Einsatzkräfte mitteilten, stieg die Zahl der Toten in Pryluky bis Donnerstag von 20 auf 22.

Auch in Kiew wurden nach einem Treffer auf ein mehrstöckiges Wohnhaus zwei weitere Todesopfer geborgen, teilten die Einsatzkräfte weiter mit. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Russland insgesamt 70 Raketen, darunter viele ballistische Flugkörper, sowie zahlreiche Drohnen abgefeuert. Ein Hauptziel sei die ukrainische Energieinfrastruktur gewesen. Selenskyj nannte den Angriff ein “Geburtstagsgeschenk für Putin”. Kremlchef Wladimir Putin wurde am Mittwoch 74 Jahre alt.