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EU schreibt vor: Piepsen im Auto soll Raser bremsen

07.07.2024 • 18:48 Uhr
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Nervig oder sicherheitsrelevant? Die EU schreibt neue Assistenzsysteme vor. Vier Fragen und Antworten.

1 Was ändert sich?

ANTWORT: Seit diesem Wochenende müssen laut EU-Verordnung alle erstzugelassenen Autos verpflichtend mit einigen Assistenzsystemen ausgerüstet sein. Darunter sind zum Beispiel Systeme, die piepsen können, wenn man zu schnell ist oder aus der Spur gerät oder ein Notbremsassistent, der selbstständig eine Notbremsung einleiten kann. Von den Systemen erhofft man sich, dass sie die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen.

2 Was bedeutet das konkret?

ANTWORT: Die Assistenzsysteme erfassen zum Beispiel die vorgeschriebene Geschwindigkeit auf Straßen über Kameras und das Navi. Ist man nur einen km/h zu schnell, kann das System piepsend oder durch optische Signale warnen, je nach Systemtyp. Einen guten Überblick über gängige oder künftige Assistenzssysteme bietet die Webseite smartrider.at vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV).

3 Ist man davon nicht völlig abgelenkt/genervt?

ANTWORT: Eines vorweg: Man kann das System manuell abschalten, bevor man losfährt, es schaltet sich jedoch immer beim Start des Autos neu ein. Verkehrsexperte Klaus Robatsch vom KFV glaubt, dass der Umgang mit Assistenzssystemen „Gewöhnungssache“ ist. Ein ÖAMTC-Test hat ergeben, dass einige der Assistenzssysteme mit den Warnsystemen auch stressen könnten oder generell noch nicht so gut sind, wie sie sein könnten – etwa wird die Geschwindigkeitsvorgabe nicht immer richtig erkannt. Der ÖAMTC hat mehr als 1000 Personen zu Assistenzsystemen befragen lassen: Ein Drittel berichtet über eine falsche Warnung. Die Hälfte der Befragten kennen die Bedeutung der Warnsignale nicht oder nur teilweise. Aber: Ein Drittel der Befragten gab an, dass die der Eingriff eines Assistenzsystems in einer Gefahrensituation schon einmal gerettet hat.

4 Warum braucht es Assistenzssysteme?

ANTWORT: Die Expertinnen und Experten beim KFV und bei Öamtc raten dringend dazu, die Systeme eingeschalten zu lassen. Die Vorteile für die Sicherheit würden überwiegen, denn der Großteil aller Unfälle ist auf Lenkerfehler zurückzuführen, sagt ÖAMTC-Techniker David Nosé. „Assistenzsysteme könnten zumindest die Schwere der Unfälle mindern und die Verletzungsgefahr reduzieren“, sagt Robatsch vom KFV. Zwar gebe es noch verbesserungsbedarf, was die Systeme angeht und die Vielzahl an verschieden agierenden Systemen könne verwirrend sein – „einheitliche Vorgaben wären mir lieber gewesen“ , aber: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Wichtig sei derzeit noch zu bedenken: Die Systeme sind unterstützend, man darf sich aber nicht vollends auf sie verlassen.