Bauverhandlung im Montafon eskalierte: Mann soll Nachbarin Schläge angedroht haben

22.06.2026 • 09:39 Uhr
Bauverhandlung im Montafon eskalierte: Mann soll Nachbarin Schläge angedroht haben
Der Angeklagte übernahm Verantwortung für seine Taten. NEUE

50-jähriger Mann soll Nachbarin genötigt und ihr das Handy aus der Hand geschlagen haben. Gegen Zahlung von 2500 Euro wird das Verfahren eingestellt.

Seit Jahren gibt es Streit zwischen Nachbarn in der Montafoner Gemeinde Gaschurn. Am Donnerstag beschäftigte die Auseinandersetzung das Straflandesgericht Feldkirch Auf der Anklagebank ein 50-jähriger Mann, Vater von zwei Kindern und bislang unbescholten. Dass er nun selbst vor einem Strafrichter saß, schien ihn schwer zu treffen. Mehrmals musste er nach Worten ringen, zeitweise wirkte er den Tränen nahe.

Nötigungsvorwurf

Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, Nachbarn genötigt zu haben. Sie sollten sein Grundstück verlassen, andernfalls werde er sie schlagen. Zudem soll er einer Nachbarin das Handy aus der Hand geschlagen haben.
Der Angeklagte räumte die Vorwürfe ein. „Was ich gemacht habe., war ein Fehler. Ich übernehme die Verantwortung“, sagte er. Sein Verteidiger, Dominik Düngler, verwies auf einen seit Jahren schwelenden Nachbarschaftskonflikt. Zwischen den angrenzenden Grundeigentümern habe es immer wieder Probleme gegeben. Diesmal sei sein Mandant bei einer Bauverhandlung provoziert worden. „Das soll aber keine Entschuldigung für sein Verhalten sein“, stellte der Anwalt klar.
Der 50-Jährige schilderte, dass er die Nachbarn an jenem Tag mehrmals aufgefordert habe, das Grundstück zu verlassen. „Seit Jahren werden wir attackiert. Ich bin bisher immer ruhig geblieben.“ Die Situation sei schließlich eskaliert. „Sie haben mir ins Gesicht gelacht und gesagt, du hast uns gar nichts mehr zu sagen.“

“Ich zahle alles auf einmal, dann habe ich es hinter mir”

Richterin Lea Gabriel unterbreitete dem Angeklagten ein Angebot. Gegen Zahlung einer Geldbuße von 2500 Euro könne das Verfahren mittels Diversion erledigt werden. Der 51-Jährige war damit einverstanden und kündigte an, den ganzen Betrag auf einmal zu zahlen. „Dann ist das Urlaubsgeld zwar weg, aber ich habe es hinter mir“, sagte er.

Auch die Staatsanwaltschaft erklärte sich mit dieser Lösung einverstanden. Bezahlt der Angeklagte die Geldbuße fristgerecht, wird das Verfahren eingestellt.
Die Geschädigte, die als Zeugin geladen worden war und nicht mehr aussagen musste, schlossen sich dem Verfahren nicht als Privatbeteiligte an. Nach der Verhandlung wollten sie dennoch noch mit dem Verteidiger sprechen, nicht aber mit ihrem Nachbarn.

Rechtsanwalt Düngler kennt solche Fälle zur Genüge. Nachbarstreitigkeiten beschäftigten ihn regelmäßig. „Je weiter man ins Montafon hineinfährt, desto schlimmer wird es. Man könnte es so schön haben, ist sich aber praktisch alles neidig”, sagte er nach der Verhandlung zur NEUE.