Wie Vorarlberger Kinder schon vor der Volksschule besser in Deutsch werden sollen

Aufholbedarf bei Deutschkenntnissen: Mehrere Projekte sollen schon im Kindergarten gegengesteuern. Neues Bildungsprogramm ab Herbst hat türkischsprachige Gemeinschaft im Fokus. Zehn Gemeinden haben besonderen Bedarf für zusätzliche Unterstützung.
Im Schulfach Deutsch erreichen 15 Prozent der Volksschüler nicht den Bildungsstandard, beim Lesen sind es gar 17 Prozent. Das Ergebnis der Kompetenzmessung „Plus“ des Bildungsministeriums bescheinigte den Vorarlberger Viertklässlern Aufholbedarf und rief auch die Landespolitik auf den Plan.
Maßnahmen im Kindergartenalter
So forderte Grünen-Bildungssprecherin Eva Hammerer die schwarz-blaue Landesregierung dazu auf, die Studie „als klaren Auftrag zu verstehen und endlich in die Kinder, in die Bildung und in die frühe Sprachförderung zu investieren.“ Dazu brachte sie auch eine parlamentarische Anfrage an Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) ein, in der sie die Maßnahmen gegen die unzureichenden Sprach- und Lesekompetenzen erfragt.

In der nun veröffentlichten Beantwortung skizziert Schöbi-Fink sieben Maßnahmen zur Förderung der Deutschkenntnisse. Zunächst wird mittels des sogenannten „BESK/BESK-DaZ-Kompakt“ bei allen Drei- bis Fünfjährigen der Sprachstand festgestellt. Die etwas sperrige Abkürzung steht für den Beobachtungsbogen zur Erfassung der Sprachkompetenz. Falls dieser einen zusätzlichen Förderbedarf bei Kindergartenkindern ausmacht, wird gezielt gefördert.

Weiters führt die Landesrätin die flächendeckende Anwendung der pädagogischen Grundlagendokumente im Kindergartenalltag, den Einsatz zusätzlicher Sprachförderung (siehe Factbox), Fort- und Weiterbildungen für pädagogische Fach- und Assistenzkräfte sowie die aktive Einbeziehung der Eltern und Erziehungsberechtigten. Zudem verweist sie auf die „5 Bausteine sprachlicher Bildung“, ein Grundlagenpapier der Landesregierung zur Sprachförderung, sowie auf das Programm „mehr Sprache“, das Dolmetscher für die Kommunikation zwischen Eltern und Kindergartenpersonal vermittelt.
Zusätzliche Förderung
In Kindergartengruppen ab vier Kindern mit Sprachförderbedarf oder erheblichem sonstigen Förderbedarf wird zusätzlich eine pädagogische Fachkraft oder eine andere hierfür qualifizierte Person im Ausmaß von mindestens drei Wochenstunden beigezogen. Übersteigt der Bedarf ein Drittel der Gruppengröße, wird das Kontingent auf acht Wochenstunden erhöht. Folgenden Personaleinsatz gab es in den letzten Jahren laut Anfragebeantwortung in Vorarlberg (VBÄ steht für Vollzeitäquivalente):
2018/19: VZÄ 42,15
2019/20: VZÄ 44,12
2020/21: VZÄ 36,55
2021/22: VZÄ 34,28
2022/23: VZÄ 39,03
2023/24: VZÄ 49,91
2024/25: VZÄ 49,13
2025/26: VZÄ 48,47
Letzteres Programm soll ausgebaut werden: Gemeinsam mit „okay.zusammen leben“ und dem Kompetenzteam „Sprache“ soll ein Bildungsprogramm für Eltern zur frühen Sprachförderung entwickelt werden, das besonders die türkischsprachige Gemeinschaft im Fokus hat. Ein Prototyp dürfte ab Herbst 2026 in Zusammenarbeit mit Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen an den Start gehen. Darüber hinaus plant Schöbi-Fink, das Weiterbildungsangebot über Schloss Hofen zu ergänzen und mit Datenanalyse die Ergebnisse der „BESK/BESK-DaZ-Kompakt“-Erhebung sowie von Erfolgen der Sprachförderung festzustellen.
Zehn Kommunen mit besonderem Bedarf
Auf Hammerers Frage, welche Maßnahmen für Kindergärten mit herausfordernden sozioökonomischen Bedingungen vorgesehen sind, verweist die Bildungslandesrätin nebst den angeführten Maßnahmen auf die Möglichkeit, eine Spezialkraft mit dem Schwerpunkt „Psychosoziale Unterstützungsleistung“ einzusetzen. Sie sollen die pädagogischen Fachkräfte bei „besonderen Anforderungen“ im Kindergarten- und Kleinkindbetreuungsalltag unter die Arme greifen. Für diese Spezialkräfte wurde sogar eine eigene Modellstelle zur Gehaltseinstufung geschaffen.
In der Anfragebeantwortung werden spezifisch jene zehn Kommunen aufgezählt, in denen derartige „besondere Anforderungen“ im psychosozialen Bereich bestehen. Das betrifft neben allen fünf Städten (Bregenz, Dornbirn, Hohenems, Feldkirch, Bludenz) auch die Marktgemeinden Götzis, Hard, Lauterach, Lustenau und Rankweil.

Um Fragen zu Deutschförderung und Stärkung der Basiskompetenzen zu klären, stehen Landesregierung und Bildungsdirektion laut Schöbi-Fink in regelmäßigem Austausch mit dem Bildungsministerium und dem zuständigen Minister Christoph Wiederkehr (Neos).
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)