LKH-Ärztinnen schlechter bezahlt als männliche Kollegen: Was vom Diskriminierungsfall übrig bleibt

KHBG setzte umfangreiche interne Maßnahmen, um künftige Diskriminierungsfälle zu verhindern. Außerdem reichten zwei der betroffenen Ärztinnen ihre Kündigung ein.
Der Fall dreier Ärztinnen, die von der Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) gehaltstechnisch niedriger eingestuft wurden, sorgte Anfang Juli für Aufsehen. Der von den Frauen hinzugezogene Landesvolksanwalt Klaus Feurstein hatte eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts festgestellt. Als dieser seinen Zwischenbericht im Landtagsausschuss präsentierte, wurde die SPÖ auf den Fall aufmerksam und machte ihn publik. Manuela Auer, Gesundheitssprecherin der Sozialdemokraten, brachte in der Folge eine Anfrage an die zuständige Landesrätin Martina Rüscher (ÖVP) ein, die nun beantwortet wurde.

Darin teilt Rüscher mit, dass innerhalb der KHBG infolge der Gehaltsdiskriminierung mehrere Maßnahmen ergriffen wurden, um solche Fälle künftig zu verhindern. Bereits im März 2024 – die KHBG-Geschäftsführung informierte etwa zeitgleich die Landesrätin über den Fall – wurden die Gehaltsverläufe der drei Ärztinnen überprüft, die erforderlichen Nachzahlungen durchgeführt sowie Gespräche mit den Betroffenen und der zuständigen Abteilungsleitung geführt. Neben der Nachzahlung wurden die Ärztinnen mit einem symbolischen Schadenersatz in der Höhe von je 1000 Euro entschädigt.
Gehaltsreform entmachtet Abteilungsleiter
Zudem überarbeitete die KHBG im Zuge einer Gehaltsreform das Karrieresystem: Bis zur Gehaltsklasse 23 ist für einen Aufstieg keine Zustimmung der Abteilungsleitung mehr nötig. Weiters wurde das Netzwerk der Gleichbehandlungsbeauftragten in den Landeskrankenhäusern ausgebaut und ein Sensibilisierungsworkshop für alle Spitals- und Abteilungsleitungen organisiert, um deren „Bewusstsein für Gleichbehandlung und mögliche Diskriminierungsmechanismen“ zu stärken.

Als direkte Konsequenz der Diskriminierung wurden die Personalabteilungen aller Landeskrankenhäuser angewiesen, sämtliche Einstufungen zu prüfen und gegebenenfalls eine Höherstufung vorzunehmen. Dabei traten sieben Fälle zutage, in denen Mitarbeiter im Gehalt nicht oder nur zeitverzögert höhergestuft wurden. Der Anfragebeantwortung zufolge seien nach Prüfung jedoch alle sieben Fälle als sachlich begründet eingeschätzt und mit den Betroffenen besprochen worden.
Für jene Führungskraft, in deren Zuständigkeit die geringere Gehaltseinstufung der Ärztinnen fiel, ist laut Auskunft der KHBG an die Landesrätin ein „begleitendes Coaching“ mit engmaschiger Begleitung und regelmäßigen Gesprächen angeordnet. Sie ist weiterhin in derselben Funktion tätig. Auf der anderen Seite haben zwei von der Diskriminierung betroffene Ärztinnen ihr Dienstverhältnis gekündigt.
Internes und externes Whistleblower-System
Neben der angesprochenen Gleichbehandlungsbeauftragten existiert ein KHBG-internes Hinweisgebersystem und seit November 2025 auch ein externes, webbasiertes System über die Plattform „AdvoWhistle“. Darüber können KHBG-Mitarbeitende jederzeit namentliche oder anonyme Meldungen tätigen. Auf die Frage der SPÖ-Abgeordneten Auer nach einer Aufschlüsselung aller Diskriminierungsfälle in Landeskrankenhäusern in den letzten 20 Jahren antwortet Rüscher, dass eine strukturierte Erfassung dieser Fälle in der Vergangenheit nicht erfolgt ist. Allerdings seien unterschiedliche Formen möglicher Ungleichbehandlungen über die Hinweisgebersysteme erfolgt, oft geprägt von aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. „Beispielsweise entstand während der COVID19-Pandemie das Thema ‚Geimpft/Ungeimpft‘ als potenzielles Diskriminierungsfeld“, so die Landesrätin.

Grundsätzlich, so hält Rüscher fest, können Diskriminierungen Personen aller Geschlechter betreffen und von Personen jeglichen Geschlechts ausgehen. Aber: „Nach den bisherigen Erfahrungen waren Ungleichbehandlungen von Angehörigen des weiblichen Geschlechts häufiger wahrnehmbar.“ Betroffen seien jedoch Mitarbeitende aus allen Berufsgruppen und Gehaltsklassen der Landeskrankenhäuser.
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)