Sport

FC Dornbirn ging mit Saunameister baden

02.02.2024 • 05:50 Uhr
FC Dornbirn ging mit Saunameister baden
Hubert Domig präsentierte sich gestern kleinlaut. Maurice Shourot

Der vermeintliche Sponsoren- und Spielervermittler Franz Schwaiger, der sich am Montag selbst als Macher beim FCD vorstellte, ist in Wahrheit ein Hilfsarbeiter.

“Rothosen setzen alles auf eine Karte“ – das war am Dienstag die NEUE-Schlagzeile zur kritischen Analyse des Komplettumbruchs beim FC Dornbirn mit dem neuen Trainer Roberto Pätzold, dem neuen Sportberater und Macher Franz Schwaiger sowie einer sich abzeichnenden völlig neuen Klubphilosophie samt Investor und Kooperationsverein. Inzwischen ist schon klar: Die Karte hat nicht gestochen, der FC Dornbirn hat sich bis auf die Knochen blamiert. Pätzold und Schwaiger sind schon wieder weg, das viele versprochene Investorengeld ist zumindest noch nicht da. Der Imageschaden ist gewaltig.

Vonwegen neuer Chef

Was da in den vergangenen Tagen in FCD-Obmann Hubert Domig gefahren ist, weiß wohl nur der 62-Jährige selbst. Der Immobilienhändler wollte im Alleingang den Klub umkrempeln, dass er dabei eine kaufmännische Sorgfaltspflicht walten hat lassen, ist zumindest von außen nicht erkennbar. Denn Schwaiger, der sich selbst bei den Rothosen angeboten hat und als Sportberater Spieler und Sponsoren vermitteln wollte und sollte, hatte gar keinen Dienstvertrag bei den Rothosen – und ist bereits nicht mehr in Vorarlberg. „Der wird irgendwo in der Steiermark sein“, sagte Domig gestern recht kleinlaut im Gespräch mit der NEUE, nachdem der FCD-Obmann am Dienstag sehr selbstbewusst die kritischen Töne der NEUE-Analyse infrage stellte. Schon am Montag um 21.27 Uhr ließ er die NEUE schriftlich wissen, dass der FC Dornbirn ab Samstag so eine starke Besetzung hätte wie in 113 Jahren nicht. Die Ansage ist schlecht gealtert.
Schwaiger selbst hatte sich in seiner doch recht kurzen Zeit in Dornbirn ebenfalls sehr selbstbewusst präsentiert. Gegenüber der Mannschaft sagte er in seiner Antrittsrede: „Ich bin der Franz. Ich bin Saunameister und ab sofort der neue Chef hier, mein Bruder Mario wird der Küchenchef an der Birkenwiese. Ich habe mit Vorarlberg nichts am Hut, aber in Bludenz kenne ich einen Saunameister, der hat mir gesagt: Dornbirn ist ein schlafender Riese. So bin ich zu euch gekommen.“ Sapperlot, so einfach geht das beim FCD. Das Internet spuckt zu Franz Schwaiger übrigens einen Vermerk zur Austria-Sauna-Trophy 2021 aus, an der Schwaiger teilgenommen hat, aber „wegen Nichteinhalten der Wettkampfrichtlinien“ disqualifiziert wurde.

FC Dornbirn ging mit Saunameister baden
Saunen – die wahre Welt von Franz Schwaiger. Shutterstock

Amateurklub prüfte besser

Im Fußball wurde Schwaiger nur ein Mal auffällig: Als er vor über zehn Jahren Sportlicher Leiter beim Kärntner Amateurverein SG Steinfeld werden wollte – auch damals versprach er dem Verein Millionen, doch der Präsident des Vereins im Bezirk Spittal an der Drau prüfte das Angebot von Schwaiger offensichtlich genauer als jetzt Domig und befand: Dabei kann es sich eigentlich nur um einen Schwindel handeln.
Dazu passt auch, dass Domig gestern eingestehen musste, dass es noch keinen Vertrag zwischen dem vermeintlichen Investor und dem FC Dornbirn gibt. „Ich habe aber eine Bestätigung, dass das Geld nächste Woche überwiesen wird.“ Domigs Nachsatz: „Unser neuer Trainer hat uns für den ersten Geldfluss in seine Richtung eine Deadline bis Mittwochmittag gesetzt,“ klingt wie ein Vorwurf an Pätzold, so als ob es der 44-jährige Deutsche wäre, der den FC Dornbirn ins Chaos gestürzt hätte. Wie verstimmt im Gegenteil Pätzold über die Vorgänge beim FC Dornbirn ist, lässt sich aus der von Domig unterschriebenen Vereinsaussendung herauslesen, mit der die Rothosen gestern um 13.01 Uhr den Abgang des Trainers bekanntgaben. Am Ende der Pressemitteilung heißt es nämlich: „Der Fußballclub FC Dornbirn verpflichtet sich den Inhalt und Tonalität dieser Pressemitteilung einzuhalten. Des Weiteren versichert der Verein, die jeweilige Pressmitteilung mit dem Management von Roberto Pätzold abzustimmen und freizugeben.“ Soll heißen: Der Deutsche ist selbstredend völlig perplex und nicht stolz darauf, mit seiner dreitägigen Trainer-Amtszeit wohl einen neuen Negativrekord im österreichischen Profifußball aufgestellt zu haben.

FC Dornbirn ging mit Saunameister baden
Das ist er: Franz Schwaiger – der vermeintliche Heilsbringer des FC Dornbirn. Privat

Keine rosige Zukunft

Morgen wollten die Dornbirner eigentlich bei einer Pressekonferenz den FC Dornbirn neu vorstellen – Trainer Pätzold, Schwaiger als Tausendsassa, der alles kann, den Investor, einen Kooperationsverein. Kurzum: Eine rosige Zukunft. Die Pressekonferenz findet nun nicht statt. Denn die Gegenwart bleibt trist.
Aber: Es muss irgendwie weitergehen beim FC Dornbirn. Co-Trainer Roman Ellensohn soll den Trainerposten übernehmen, Eric Orie ist zurück vom Abstellgleis und wieder als Sportdirektor gefragt. Domig wiederum glaubt fest daran, dass in den nächsten Tagen das versprochene Investoren-Geld am Konto der Rothosen einlangt. Schaun mer mal.