Ich ziehe meinen Hut vor Pit Gleim

Eisblog. NEUE-Sportchef Hannes Mayer über den Rückzug von Pit Gleim bei den Pioneers Vorarlberg.
Pit Gleim hat sich als Präsident und Mäzen von den Pioneers Vorarlberg zurückgezogen. Ich ziehe meinen Hut vor Gleim. Das mag ihn und die Verantwortlichen bei den Pioneers überraschen, weil sie an dieser Stelle oft sehr hart kritisiert wurden. Nennen wir es beim Namen: von mir. Doch die Kritik war nie persönlich gemeint, gleichzeitig haben wir es immer verstanden, dass uns die Pioneers am liebsten auf den Mond geschossen hätten. Niemand wird gerne kritisiert, schon gar nicht, wenn man Millionen Privatgeld in ein Projekt investiert wie Gleim.
Um das hier und jetzt klar auszusprechen: Pit Gleim hat immer im besten Interesse des Feldkircher Eishockeysports gehandelt. Aber: Er hatte die falschen Einflüsterer. Und damit ist nicht Sportdirektor Michael Lampert gemeint. Was der Mann für das Feldkircher Eishockey geleistet hat, ist so viel mehr, als wie sich manch andere heute auf die Fahnen schreiben. Gleim hat leider die Luftschlösser für bare Münze genommen, wonach eine Umbenennung der VEU Feldkirch in Pioneers Vorarlberg eine gute Idee wäre. Gleim wollte die Erzählungen glauben, dass alle in Vorarlberg nur darauf gewartet hätten, dass in Feldkirch wieder Erstligahockey gespielt wird. Der Businessplan, den die Feldkircher bei ihrem ICE-Ligaeinstieg eingereicht haben, verlangte standhaftes Glauben. Man ging von einem Zuschauerschnitt aus, den nur die Top-Teams der Liga erreichen. Man dachte, auch wenn der Hauptsponsorenvertrag von Bemer, dem Unternehmen von Pit Gleims Vater, nur zwei Jahre dauere: Danach würden die Interessenten Schlange stehen. Gleim konnte das nicht besser wissen, Geschäftsführer Christian Gross dagegen schon.
Dass Michael Lampert keine Freude an der Gründung des Retortenvereins Pioneers Vorarlberg hatte, konnte jeder sehen, der bei der Präsentation dabei war. Nein, auch wenn das manche vielleicht erwartet hatten, von mir gibt es keine Schadenfreude am Rückzug von Pit Gleim. Der Mann hat sehr viel Geld in ein Projekt investiert, das in Wahrheit ein Fass ohne Boden war, und ich bin geneigt ihm zu gratulieren, dass er seine finanzielle Zukunft dafür nicht aufs Spiel setzt. Dem Verein fehlt es an Perspektive, die kommende Saison wäre um nichts besser gelaufen als die Zurückliegende: Es wäre erneut eine trostlose Spielzeit geworden. Der Zuschauerschnitt ist katastrophal niedrig, das öffentliche Interesse liegt praktisch bei null. Selbst der Streamingdienst der eigenen Heimspiele soll hoch defizitär sein.
Wie es jetzt bei den Pioneers weitergeht? Es ist davon auszugehen, dass der Rückzug von Gleim gleichbedeutend mit dem Ausstieg der Feldkircher aus der ICE-Liga ist. Das heute ist kein guter Tag für das Vorarlberger Eishockey – auch, wenn er für den Beginn von etwas Neuem stehen kann. Nach Informationen der NEUE wurden die Spieler davon informiert, dass sie sich einen neuen Verein suchen sollen. Es ist schade, dass es so kommen musste, aber gewisse Geburtsfehler lassen sich nicht mehr korrigieren. Das haben nur die ausgeblendet, die von Pit Gleims Gutgläubigkeit profitiert haben. Bis jetzt.