Sport

Izzi hat es schon wieder getan – und kriegt eine Gondel

03.04.2026 • 22:41 Uhr
Izzi hat es schon wieder getan - und kriegt eine Gondel
Alessandro Hämmerle posiert am Karfreitag vor seiner bereits zweiten Gondel bei der Valisera Bahn. Klaus Hartinger

Sebastian Manhart, Geschäftsführer des Olympiazentrums Vorarlberg, würdigt in einem Gastbeitrag Doppel-Olympiasieger Alessandro Hämmerle. “Izzi” wurde am Freitag mit einer zweiten Gondel bei der Valisera Bahn gewürdigt.

Von Sebastian Manhart, Geschäftsführer Olympiazentrum Vorarlberg
Eine besondere Anerkennung einer Sportlerin oder eines Sportlers ist die Bezeichnung als „Goat“ – nein, dabei geht’s nicht um Parallelen zu einer Ziege, sondern um den „Grea­test Of All Time“. Alessandro „Izzi“ Hämmerle hat sich (nicht nur) durch seinen zweiten Olympiasieg vor wenigen Wochen in Livigno diese Adelung redlich verdient. Neben dem sportlichen Erfolg wird damit auch die Persönlichkeit gewürdigt. Manche heben nach so einem Karriere-Meilenstein ab – Izzi ist so geerdet, bodenständig, freundlich und umgänglich geblieben, wie er es vor seinem Sieg war.
Die sportliche Würde wird er allerdings wohl teilen müssen. Der olympische Snowboardcross-Sport weist nämlich eine Merkwürdigkeit auf. Seit der erstmaligen Vergabe einer Olympiamedaille in dieser actionreichen Disziplin gab es immer nur Doppel-Olympiasieger: Seth Wescott (2006, 2010), Pierre Vaultier (2014, 2018) und eben Izzi (2022, 2026).
Diese Konstellation ist absolut unüblich – es gibt kaum etwas Schwereres, als einen Olympiasieg zu wiederholen. Viel zu viele Gründe sprechen gegen „Back to back“-Erfolge, eigentlich nur ein einziger dafür: Routine. Bei seiner vierten Olympiateilnahme konnte Izzi diesen Erfahrungsvorsprung voll ausspielen. Perfekte Taktik, herausragendes Racing und das Wegschieben von öffentlichem Druck mit einer cleveren Formulierung: „Ich fahre als Olympiasieger hin und ich fahre als Olympiasieger wieder heim.“
Es gibt nämlich zwar Ex-Weltmeister, aber niemals ehemalige Olympiasieger – das bleibt man sein Leben lang. Dass er bei dieser Aussage (nennen wir’s mal freundlich so) etwas geflunkert hat, kann man an den Emotionen nach der Zieldurchfahrt und am tiefen Aufsaugen der Eindrücke bei der Siegerehrung ablesen.

Izzi hat es schon wieder getan - und kriegt eine Gondel
Es wurde am Freitag mal wieder Spalier gestanden für Hämmerle. Hartinger

Kein Blues bei Izzi
Warum aber ist diese Leistung so unglaublich hoch einzuschätzen und eine Wiederholung so schwer? Was passiert in den vier Jahren zwischen den Olympischen (Winter)-Spielen? Am Beginn dieses Zeitfensters steht – vor allem dann, wenn man entweder sehr viel oder sehr wenig erreicht hat – sehr oft der „Post Olympic Blues“. Siegerinnen und Sieger schlagen sich dann mit Fragestellungen herum wie: „Ich habe jetzt das Höchste schon erreicht – welches Ziel habe ich überhaupt noch?“
Aus diesem Loch wieder herauszukommen, neue Ziele zu finden, sich wieder motivieren zu können, ist eine ordentliche Herausforderung. Auch Izzi Hämmerle hatte damit zu kämpfen.
Erschwert wurde ihm dieser Kampf durch gesundheitliche Herausforderungen, die zum Teil durchaus als Resultat des Erfolgs gesehen werden können. Als großer Gejagter fährt man im Kontaktsport Snowboardcross zwar nicht direkt mit einer Zielscheibe auf dem Rücken durch die Gegend, aber es ist definitiv so, dass sich jeder an ihm messen wollte, jeder vielleicht noch ein bisschen härter gegen ihn als gegen andere Konkurrenten gefahren ist. Er musste mehr Stürze als sonst verkraften. Als Sturzfolge musste er auch eine Gehirnerschütterung hinnehmen – der Weg zurück zu 100 Prozent Wettkampffähigkeit war bei ihm wirklich lange.
Rückblickend haben wir in unseren Analysen im Olympiazentrum festgestellt, dass diejenigen Athlet:innen, die im Mai 2025 fit waren und die von dort weg durchgehend ihren Plan abarbeiten konnten, im Februar deutlich besser performen konnten. Gesundheit ist die Basis für Leistungsfähigkeit, die wiederum Erfolg letztlich möglich macht. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber Milano Cortina 2026 hat aus unserer Sicht erneut den Beweis dafür erbracht. Auch Izzi hat das geschafft. Er hatte seine Problemstellungen im Frühling 2025 wieder vollständig im Griff – nach drei Jahren, in denen es viele Wellentäler gab. Das war die Basis für einen richtig starken Vorbereitungs-Sommer. Das Funkeln in den Augen war wieder da, die Vorfreude auf einen Olympia-Winter war deutlich spürbar.
Und er hatte einen Plan. Das ist eine der großen Stärken von Izzi: Er hat ein klares Bild, was er machen will, was er verändern will und wo er damit hinkommen will. Und er arbeitet konsequent an der Umsetzung dieses Plans. Dass dieser Plan stimmt, wusste er nach den beiden Weltcups Mitte Jänner in China. Auf einem Kurs, der gar nicht zu seinen Stärken passte, holte er einen zweiten Rang. Und er hatte auch nicht nur einen guten Plan für das Olympia-Rennen, sondern auch für die Tage davor. Der Verzicht auf die Teilnahme an der Eröffnungsfeier, ein gut getimter Aufenthalt zu Hause, die Anreise nach Livigno nicht zu früh, aber auch nicht zu spät. Da muss jeder für sich das individuell richtige Rezept finden – bei ihm hat’s zu 100 Prozent gepasst.
Für das Olympiazentrum Vorarlberg war der Olympiasieg von Izzi Hämmerle auch ein besonderer Meilenstein. Wir waren mit einer großen Abordnung in Livigno. Natürlich hatten wir auf einen Erfolg gehofft und wollten sein Rennen miterleben. Von unserer Anfeuerung am Streckenrand hat er sicherlich nichts bekommen – aber vielleicht hat der emotionale ­Support doch ein bisschen geholfen.

Izzi hat es schon wieder getan - und kriegt eine Gondel
Hämmerle gelöst in der Gondel mit Mama Caterina. Klaus Hartinger

Lohn für intensive Arbeit
Es war aber auch der Lohn für mehr als zwölf Jahre intensive Arbeit, die aus einer eher spontanen Entscheidung im Jahr 2014 resultierte. Damals fiel die Entscheidung, dass Snowboardcross eine zentrale Sportart in unseren Aufgaben sein soll.
In diesen zwölf Jahren konnten wir mit der Unterstützung des Österreichischen Olympischen Comités und in enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Skiverband eine Weltklasse-Unterstützungsstruktur auf die Beine stellen, deren großer Trumpf das gegenseitige Vertrauen der zentralen Personen im System war.
Nach dem Motto „never change a winning team“ arbeiteten vor allem ­Kristian Krause aus dem Olympiazentrum sowie Christian Galler, Tom Greil und Gernot Raitmair auf Verbandsseite jahrelang eng zusammen.
Aber all das würde nichts bringen, wenn es nicht herausragende Athleten wie Izzi Hämmerle gäbe, die diesen Rahmenbedingungen dann die Krone aufsetzen würden.