Die Superstars der ersten drei Weltturniere

Schon die ersten drei Weltmeisterschaften hatten ihre Superstars. Nach einem wurde später eines der berühmtesten Fußballstadien der Welt benannt.
Einer der Stars der ersten WM 1930 war José Leandro Andrade. Der grandiose Spielmacher Uruguays, der zumeist auf der damaligen Position des Außenläufers agierte, hatte schon bei den Olympiasiegen seines Teams 1924 und 1928 für Furore gesorgt, als er nicht nur mit elegantem, sondern auch mit taktisch vollendetem Spiel überzeugt hatte. Der Antreiber von Nacional Montevideo und Uruguays Nationalteam stand damals turmhoch über allen anderen. Später wurde er einmal als bester Spieler der ersten Jahrhunderthälfte bezeichnet.
Bei der WM 1930 hatte er zwar den Höhepunkt seiner Karriere bereits etwas überschritten, aber es war noch kein Spieler in Sicht, der besser als er gewesen wäre. Fachleute lobten sein perfektes Spiel, in dem er ein unvergleichliches Ballgefühl demonstrierte. „Was er mit dem Ball alles anstellte, war faszinierend und zugleich harmonisch mit seinem Körper abgestimmt“, hieß es in seinem Portrait der IFFHS. Mit seinen geschmeidigen, tänzerischen Bewegungen – er war auch ein begnadeter Tänzer – begründete Andrade als erster den Fußballmythos der „schwarzen Perle“.

Lebende Legende
Schon zu Lebzeiten wurde Ricardo Zamora zu einer Legende. Den ersten Schritt in diese Richtung machte der 19-Jährige bei den Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen, wo er die Fachleute erstmals mit Glanzparaden beeindruckte und wesentlichen Anteil am Gewinn der Silbermedaille hatte. Der Torhüter von Espanyol Barcelona und später Real Madrid stand 1929 auch beim historischen 4:3-Sieg Spaniens gegen England zwischen den Pfosten. Dass er dabei nicht wie gewohnt überragend agierte, hatte den Grund in einer Brustbeinverletzung. Bei seiner einzigen WM 1934 – vier Jahre später blieb ihm die Teilnahme wegen des Spanischen Bürgerkriegs verwehrt – agierte er in absoluter Hochform: Beim 3:1 gegen Brasilien war er fast unüberwindbar, brachte die brasilianischen Fußballkünstler serienweise zur Verzweiflung und hielt sogar einen Elfmeter.
Auch gegen Italien musste er nur einmal hinter sich greifen, wurde dabei allerdings behindert. Im Wiederholungsspiel fehlte er dann wegen einer Verletzung. Nach seinem Karriereende bei OGC Nizza begann er 1938 eine Trainerlaufbahn.

Der große Meazza
Auf Vereinsebene spielte Giuseppe Meazza in seiner Glanzzeit für Inter Mailand, wobei er in 348 Spielen 247 Tore erzielte. Schon bei der Heim-WM 1934 stand der 23-Jährige im Team der siegreichen Squadra Azzurra. Bei der erfolgreichen Titelverteidigung 1938 in Frankreich war der Mailänder Kapitän des Teams und entwickelte sich im Verlauf des Turniers zum Dreh- und Angelpunkt der Italiener. Er war nicht mehr der Vollstrecker in vorderster Front, sondern stellte sich ganz in den Dienst der Mannschaft und erwies sich dabei als exzellenter Spielmacher. Dank seiner Spielintelligenz ließ er sich zuweilen ins Mittelfeld zurückfallen, um neue Spielsituationen zu schaffen und seine Vorderleute, allen voran Silvio Piola, mit Vorlagen zu versorgen. Der Kapitän war neben Giovanni Ferrari der einzige Spieler, der bereits beim ersten Titelgewinn dabei gewesen war. Nach Meazza benannten sie später in Mailand das Stadion.
Von Otto Schwald
Fortsetzung folgt