Eine ECB-Lösung, die andere massiv unter Druck bringt

Essay. Am Freitag verkündete der Wälder Eishockeymacher Guntram Schedler bei einer außerordentlichen Generalversammlung in der inatura in Dornbirn das Ende des EC Bregenzerwald – und präsentierte mit den HC Tigers einen Nachfolgeverein, der in Dornbirn seinen Sitz hat. NEUE-Sportchef Hannes Mayer hat sich in einem Meinungsbeitrag Gedanken gemacht.
Aus dem EC Bregenzerwald wird der HC Tigers, der Vereinssitz wird von Andelsbuch nach Dornbirn verlegt. Das gaben Guntram Schedler und die seinigen am Freitagabend bei einer nicht öffentlich angekündigten außerordentlichen Generalversammlung bekannt. NEUE-Leser kann diese Entwicklung nicht überraschen, wir berichteten bereits am 1. Februar exklusiv, dass es den EC Bregenzerwald nach Dornbirn zieht: Nach dem Aus der Wälderhalle war nämlich ein Verbleib der Wälder im Messestadion zumindest perspektivisch äußerst ungewiss. Als Andelsbucher Eishockeyklub ohne jede Aussicht auf einen Auszug wäre man im Messestadion nicht mehr Willkommen gewesen.
Wie bei so vielem im Leben gibt es zwei Perspektiven. Die von den Tigers mit Guntram Schedler – und die von jenen, zu Lasten derer dieser Umzug geht. Schedler hat es geschafft, seinem Verein, der sein Lebenswerk ist, eine Zukunft zu sichern. Versetzt man sich in die Haut des 58-jährigen Wälders, vermag man zu erahnen, wie angespannt die Lage beim ECB in den vergangenen Monaten gewesen sein muss, erklärte der ECB-Obmann doch im Oktober 2025 nach dem Aus der Wälderhalle öffentlich: „Unserem Verein wird damit in weiten Teilen die Grundlage entzogen.“
Es fehlten drei Millionen
Die Finanzierung der Wälderhalle scheiterte an einem Fehlbetrag von 2,9 Millionen Euro, beim ECB sah man die Regio Bregenzerwald und damit die Wälder Gemeinden in der Pflicht, diese Summe zu stemmen. Bei der Regio verwies man auf die leeren Gemeindekassen und darauf, dass man die direkte Förderung auf 600.000 Euro verdoppelt hätte und eine Million Euro Bedarfszuweisung vom Land Vorarlberg weitergeleitet hätte. Knapp 30 Jahre hatte Schedler auf den Bau der Wälderhalle hingewirkt, nach dem endgültigen Aus der Eishalle stand die Daseinsberechtigung seines Vereins infrage. Zumal man sich beim ECB in der Alps Hockey League nicht mehr wohlfühlte. Auch dieses Problem dürfte Guntram Schedler gelöst haben: Seit Monaten steht ein Wechsel in die drittklassige deutsche Oberliga Süd mit Teilnehmern aus Bayern und Baden-Württemberg im Raum, wie aus Oberliga-Kreisen zu hören ist, soll der ÖEHV nach anfänglicher kategorischer Ablehnung nun doch recht überraschend die Freigabe für den Nationenwechsel in Aussicht gestellt haben. Ein deutscher Oberliga-Vereinsvertreter will gar wissen, dass die Freigabe bereits erteilt wurde.
So oder so: Die Bewerbungsfrist für die Oberliga Süd endet am 31. Mai, und da man es in Deutschland mit den Fristen weit genauer hält als bei der ICE Hockey League und der Alps Hockey League, muss bis dahin die Freigabe erteilt sein. Der Rest ist dann nur mehr Formsache. Zwar jubeln nicht alle über die Aufnahme eines österreichischen Vertreters, aber bei einer informellen Abstimmung äußerte nach NEUE-Informationen eigentlich nur ein Verein größere Bedenken: Der in Garmisch-Partenkirchen beheimatete SC Riessersee. Und auch beim Deutschen Eishockey-Bund steht man einer Aufnahme des ECB mehr als nur offen gegenüber. Schedler steht damit also kurz davor, die Probleme zu lösen, die sich vor ihm auftürmten.
Retortenverein
Der Preis dafür ist, dass man beim ECB den Bregenzerwald verlässt, und damit jene Region, für die man Zeit des Vereinsbestehens stand. Die Wehmut schmälern könnte dabei, dass man sich ob der geplatzten Wälderhallen-Finanzierung ohnehin vom Bregenzerwald in Stich gelassen fühlt, da obendrein bei einem Crowdfunding für die Wälderhalle weniger als 7000 Euro zusammenkam; wobei der Großteil der Spenden gar aus dem Vereinsumfeld kamen. Darum also die Gründung eines Retortenvereins, der mit der Ansiedlung in Dornbirn darauf hofft, in Zukunft im Messestadion als regulärer Heimatverein betrachtet zu werden und damit angekommen zu sein.

Bredouille für Dornbirner Vereine
Die andere Perspektive in dieser Causa ist die der bestehenden Dornbirner Eishockeyvereine, allen voran die Bulldogs. Denn nun ist es der DEC, dessen Zukunft infrage gestellt ist: Zwei ambitionierte Eishockeyvereine werden in Dornbirn nicht parallel existieren können. Zu Jahresbeginn versuchte man seitens des ECB um Obmann Schedler, über politischen Druck eine Fusion mit den Bulldogs zu erwirken. DEC-Obmann Christof Schwendinger wurde Anfang Februar zu einem Termin bei Dornbirns Stadtreferent Jürgen Albrich geladen, bei dem auch VEHV-Präsident Simon Schwark zugegen war. Schon damals war aus dem ECB-Umfeld zu hören, dass man alternativ einen eigenen Verein in Dornbirn gründen und sich anschließend beim DEC-Nachwuchs bedienen werde. Die Bulldogs lehnten eine Fusion ab – und sehen sich nun tatsächlich einem neuen Dornbirner Eishockeyverein gegenüber, der vermutlich wie davor der ECB federführend beim Eishockey-Leistungszentrum agiert, der Nachwuchsausbildung des Vorarlberger Eishockeyverbands. Die Dornbirner wiederum gehören zusammen mit dem EHC Lustenau, SC Hohenems, EHC Hard und dem Schweizer Klub SC Rheintal dem Nachwuchsprojekt „Rheintal Future“ an.
Abwerbungen beim DEC wären auch eine Schwächung von Rheintal Future und gingen somit auch zu Lasten dreier weiterer Vorarlberger Eishockeyklubs. Die Frage ist nun, wie man bei der Stadt Dornbirn mit der Vereinsgründung des HC Tigers umgeht. Vor allem Bürgermeister Markus Fäßler wird sich positionieren müssen, der nach NEUE-Informationen von der Gründung des neuen Eishockeyvereins überrascht wurde.
Klar ist: Wird das Vereinsgesetz eingehalten, hat eine Stadtvertretung keinen Einfluss auf eine Vereinsgründung. Der Einfluss besteht nur indirekt bei der Vergabe von Förderungen und dem Nutzungsrecht des Messestadions, was insbesondere dann spannend wird, wenn die HC Tigers tatsächlich in der Oberliga Süd spielen: Anders als in der Alps Hockey League ist in der Oberliga Süd der Freitag ein Regelspieltag. Allerdings ist das Messestadion am Freitag durch den Nachwuchs von mehreren Dornbirner Eishockeyvereinen besetzt. Wem gibt man bei der Hallennutzung dann seitens der Stadt Dornbirn den Vorzug – dem Dornbirner Nachwuchs oder dem HC Tigers, der sich mit seinem Vereinsnamen weder zur Stadt noch zur Region oder dem Bundesland Vorarlberg bekennt – und durch die bevorstehende Abwanderung zum deutschen Spielbetrieb auch nicht zu Österreich?

Beitrag leisten
Als Teilnehmer am deutschen Spielbetrieb wird der HC Tigers bestenfalls eine ruhende Mitgliedschaft beim ÖEHV erhalten. Ein Ausweg könnte sein, und damit schließt sich der Kreis, die Tigers nehmen mit anderen Teams als der Kampfmannschaft an einer österreichischen Meisterschaft teil: Zum Beispiel einer Nachwuchsmannschaft, für die man aber eben Kinder oder Jugendliche abwerben müsste, denn der ECB stellte außer der Kampfmannschaft kein weiteres Team. Bei den Tigers werden sie sagen, das Bekenntnis zum österreichischen Eishockey erfolgt über die jungen Österreicher, die bei ihnen zum Einsatz kommen werden. So heißt es in der ambitioniert formulierten Aussendung der Tigers zur Neugründung des Vereins: „Wir wollen weiterhin einen aktiven Beitrag zum nachhaltigen Fortschritt des Eishockeysports in Vorarlberg leisten und neue Impulse für Nachwuchs, Standortentwicklung und sportliche Perspektiven setzen.“
Sicherlich keine Freude mit den HC Tigers dürften sie beim Dornbirner Hobbyverein ICE Tigers Dornbirn haben, nicht nur ob des sehr ähnlichen Vereinsnamens, sondern auch, weil das Logo des Schedlerklubs wie eine Farbfassung des Logos der ICE Tigers Dornbirn aussieht. Nein, es ist nicht davon auszugehen, dass Vorarlbergs Eishockeysport zur Ruhe kommt, vielmehr ist damit zu rechnen, dass mit diesem Schritt eine neue Eskalationsstufe erreicht ist, die mitunter durch die bevorstehende Entscheidung, wie es denn jetzt in Feldkirch bei den Pioneers weitergeht, noch weiter verschärft werden könnte. Die Tigers bringen die Lage selbst auf den Punkt, wenn sie in ihrer Aussendung schreiben: „Der HC Tigers hat für sich eine Antwort gefunden.“ Nur eben, dass sie damit andere in eine unverschuldete Bredouille bringen.


Definition Essay: In der Publizistik steht der Essay für eine Abhandlung über ein Thema, die eine Sonderrolle einnimmt. Dabei ist Lockerheit und Subjektivität nicht mit einem Mangel an Qualität gleichzusetzen. Zum Essay gehört das weder abschließende noch regelhafte oder gar systematische Vorbringen von Aspekten. Zu den Besonderheiten des Essays zählen das Entwickeln von Gedanken, die freie Komposition und die Skepsis.