Wer sich diese Pioneers nicht mehr antut

NEUE-Sportchef Hannes Mayer kommentiert den Ligaverbleib der Pioneers Vorarlberg und gibt exklusive Einblicke.
Seit Montag steht fest, dass die Pioneers Vorarlberg eine weitere Saison in der ICE Hockey League dranhängen. Man hat offensichtlich genügend Geld zusammengekratzt, um einen Kader für die ICE-Liga zusammenzustellen. Die Rede ist von einer verstärkten U20, was etwas überspitzt sein mag, aber wohl nicht weit von den Feldkircher Plänen entfernt sein dürfte. Eine Aussendung war das den Feldkirchern nicht wert, man will wohl den Anschein erwecken, als ob die Fortführung des Spielbetriebs in der obersten Spielklasse nie infrage stand. Gleim persönlich hat jedoch den Spielern am 31. März mitgeteilt, dass sie nicht auf ein Angebot der Pioneers warten sollen, wenn sie wo anders unterkommen können. Was viele getan haben. Von den gestandenen Österreichern sind alle außer Goalie Alex Caffi weg, der wohl eher notgedrungen ein weiteres Jahr dranhängt. Sein einstiger Mitstreiter im Tor David Madlener hat dagegen einen Schlussstrich unter seiner Zeit in Feldkirch gezogen. Und was man so hört, stehen Spieler wie Aron und Ben Summer sowie Yannik Lebeda hoch im Kurs bei den HC Tigers.
Auch bei der ICE-Generalversammlung am 1. Juni hätte Pioneers-Geschäftsführer Christian Gross jede Diskussion über die Zukunft der Montfortstädter im Keim erstickt. Es gab zwar Stimmen, wonach die Pioneers kein Budget stellen, wie es der Liga entspricht und damit einen Ligapassus nicht erfüllen, aber ob der schwammigen Formulierung der Auflage hatten die Feldkircher nichts zu befürchten.
Ausblick
Die Frage ist nun jedoch, mit welchen Spielern die Pioneers die Saison in Angriff nehmen, zumal die Vorbereitung in wenigen Wochen beginnt. Importspieler werden sich finden lassen, allerdings ist ein Mär zu glauben, nordamerikanische Spieler wären zum Schnäppchenpreis zu haben. Spieler aus nicht EU-Ländern benötigen die Rot-Weiß-Rot-Karte, und die müssen monatlich mindestens 3465 Euro Brutto zuzüglich Sonderzahlungen verdienen. Von solchen Bezügen können junge österreichische Spieler bei den Pioneers nur träumen. Abzuwarten bleibt auch, welche gestandenen Spieler, von denen es ein paar brauchen wird, sich eine Spielzeit mit vielen blutjungen Spielern antun wollen: Ex-Pioneers-Stürmer Guus van Nes ist am Markt, der Niederländer will nach seiner Zeit in Villach der Liebe wegen wieder im Westen spielen. Ob er sich auf die erwartbare sportliche Chancenlosigkeit der Pioneers einlässt, wird sich zeigen.
Letztlich gilt, dass niemand den Pioneers vorschreiben kann, mit was für einer Mannschaft sie antreten. Aber sie müssen sich im Klaren sein, dass sportliche Konkurrenzfähigkeit die Voraussetzung für eine öffentliche Beachtung ist; gerade in Feldkirch, wo man einst im Europacup aus Enttäuschung über das verpasste Finale keine Motivation für das Spiel um Platz drei aufbrachte. Natürlich ist das alles lange her, aber wer in Feldkirch die Nachfolge der VEU antritt, muss wissen, was er tut. Gleiches gilt für den Verbleib in der Liga. Keiner in Feldkirch muss sich rechtfertigen, aber man wird sich an Ereignissen messen lassen müssen.