Sport

Wirth-Festspiele gehen in Feldkirch weiter

24.06.2026 • 08:00 Uhr
SAMSUNG CSC
Trainer Gerhard Gmeiner (l.) mit dem freudestrahlenden Sieger Julius Wirth (r.). Jochen Dedeleit (4)

Erst Zehnkämpfer Lorenz Wirth mit dem U20-WM-Limit, jetzt der jüngere Bruder Julius mit Gold bei der U16-ÖM in Feldkirch-Gisingen. Zahlreiche Vorarlberger stehen vor Großereignissen in Eugene, Rieti, Birmingham und Dakar. Dabei winkt ein Rekord, der seit dem Jahr 1954 Bestand hat.

Schier unerträglich glühte der Stern auch über dem Waldstadion in Feldkirch-Gisingen, wo exakt 70 Siebenkämpfer, davon 43 der weiblichen Klasse, über zwei Tage bei den Österreichischen U16-Meisterschaften auf der Jagd nach neuen Bestleistungen waren. Unerträglich? „Richtig cool war’s, viel besser als gedacht“, ließ Julius Wirth von der TS Lauterach wissen. Der 15-Jährige hatte sich soeben zum Meister nach sieben Disziplinen gekürt und mit 4397 Zählern, rund 250 mehr als der erste Verfolger, seinen größten Erfolg seiner noch jungen Leichtathletikkarriere gefeiert.
Dass es ein Sieger zumeist etwas anders sieht als etwa der 27. des Rankings, dürfte selbsterklärend sein. Allerdings waren auch nach den Abschlussdisziplinen, den 1000 beziehungsweise 800 Metern, wenig hängende Köpfe zu sehen, vielmehr Erleichterung und Stolz über die erreichten Punktezahlen. In der weiblichen U16 überraschte Anna Saaler, ebenfalls aus Lauterach, mit Platz sechs.

Hypomeeting als Ziel

„Wenn’s läuft, dann läuft’s“, meinte Julius Wirth schmunzelnd, vielleicht auch in Anspielung auf seine neue Bestleistung über die 100 Meter (11.90 Sekunden). Beim Hochsprung habe der Anlauf nicht gepasst – sonst wären es wohl sieben neue persönliche Bestleistungen (pB) geworden. „Wenn du Spaß an der Sache hast, ist auch das Wetter egal“, meinte der 15-Jährige, der sich vom Mehrkampf „eigentlich schon immer“ begeistert zeigte und der das Hypomeeting, wie nicht nur die Alterskollegen, als größten Anreiz sieht.
Der Name Wirth bürgt in der Mehrkampfszene derzeit für Qualität, in Linz hatte sich unlängst der größere Bruder Lorenz den Zehnkampf-Titel bei den Junioren gesichert. Mit rund 1000 Zählern Vorsprung toppte er noch seinen „kleineren“ Bruder (die Bezeichnung verwenden beide) um Weiten, die neue pB von 7134 Punkten war nach seinem Sieg im Hallen-Siebenkampf auch gleichbedeutend mit dem WM-Limit und einem neuen VLV-Rekord in der U20.

Leichtathletik U16-ÖM in Feldkirch-Gisingen
Der Lauteracher Trainer Gerhard Gmeiner mit den Athletinnen Anna Saaler (6.), Valentina Walter (17.) und Annika Gut (29.). (v.l.).

Von sieben auf 80 Athleten

mit-Schluss ist erst in knapp zwei Wochen. Aber ich könnte mich mit Eugene schon anfreunden, es ist schließlich das Mekka, die Hochburg der Leichtathletik in den USA“, sagt der 17-jährige Lauteracher („Pauline Schedler dort zu treffen, wäre sicher lässig.“), der seine 7134 Zähler als „unbeschreiblich, ein sehr guter Wettkampf“ bezeichnet, andererseits ankündigt, „da geht noch mehr“. Vor allem der Weitsprung mit einer Steigerung von 60 Zentimetern auf 7,14 Metern (windunterstützt) bleibt wohl länger im Gedächtnis. Auch Lorenz Wirth liebt den gesamten Zehnkampf, „die 1500 vielleicht als kleine Ausnahme, aber da musst du halt durch“. In der U16-ÖM blieb für den Älteren damals „nur“ der zweite Platz, „aber mit der besseren Punktezahl“, schiebt er sogleich nach. Dass das Mehrkampfmekka in Götzis auch in seinem Kopf präsent ist, ist logisch. Einer, der aus dem Feiern demzufolge fast nicht mehr rauskommt, ist Gerhard Gmeiner.

Lauterachs Trainer erwähnt auch Linus Oblak, der sich in der U18 den dritten Platz und damit seine erste ÖLV-Medaille sicherte. „Ja, wir haben schon letzte Woche abgeräumt. Und dass Julius hier gewinnen kann, habe ich mir schon gedacht“, so Gmeiner, der in Lauterach nun auf 80 Athleten zurückgreifen kann. „Der Einsatz lohnt sich langsam, mit sieben Kids habe ich vor 13 Jahren in der U12 begonnen. Und langsam werden wir gefürchtet“, meint der erfahrene Coach und lacht. Mit den Einheiten im Sportgymnasium komme Lorenz auf acht Trainings die Woche, sein Training bezeichnet Gerhard Gmeiner als „Schülertraining, die dementsprechenden Trainingsgeräte kommen im Erwachsenenalter. Darum halten sich bei uns die Verletzungen auch sehr in Grenzen“. Der Lauteracher brennt für die Leichtathletik und fiebert mit seinen Schützlingen mit. Dass die Mädels um die sechstplatzierte Anna Saaler im Team „nur“ Vierte werden, stört den Coach fast mehr als das U16-Trio. „Es war spannend, ich war das erste Mal in einer Meisterschaft mit ganz Österreich“, sagt Anna, die das erste Jahr der U16 angehört und mit den Top Ten zufrieden ist. Und die neue pB von 12.99 Sekunden über 100 Meter sowie die 5,04 Meter im Weitsprung herausstreicht.

SAMSUNG CSC
Nach den abschließenden 1000 beziehungsweise 800 Metern kümmert sich Lorenz Wirth (l.) um seinen jüngeren Bruder.

Herausforderungen

Dass die Bedingungen für alle Athleten bereitet waren, dafür sorgte ein weiteres Mal die Raiffeisen TS Gisingen, die reichlich Erfahrung in der Ausrichtung von Meisterschaften hat. Oder wie meinte VLV-Landestrainer Sven Benning bei seinem Besuch vor Ort? „Organisation, Abwicklung und Vorbereitung können sie hier.“ Dass es gar nicht so einfach ist, wie es scheint, weiß die Sportliche Leiterin der TS Astrid Sugg. „Im Stadion ist noch nicht alles fertig. Die Verkabelung fehlt – oder mit anderen Worten: 30.000 Euro fehlen. So mussten wir mit unseren rund 50 Helfern improvisieren. Startblöcke und Hürden konnten wir mit Hilfe eines Crowdfunding-Projekts beschaffen.“ Bei der TS konnte man fünf Athleten für die ÖM an den Start bringen, Phillip Alves wurde hinter Eliah Bolter (Sparkasse SG Götzis) und vor Theo Nicolas Walser (ULC Dornbirn) Siebter. Alves’ Teamkollege Leonhard Trampitsch gehörte ebenfalls noch den Top Ten an, die Punkteabstände waren jedoch teilweise wie bei den Mehrkämpferinnen eklatant.

„Transfermarkt“

„Neuzugänge gibt es derzeit nicht nur beim Fußball, auch die TS Gisingen darf sich auf Verstärkungen freuen. So berichtet Astrid Sugg von den Wechseln des Mehrkämpfers Felix Kaufmann sowie von Kugelstoßerin Amelie Kraml von der Raiffeisen TS Bludenz. Kraml hatte bei den nationalen U16-Meisterschaften 2025 in Gisingen wie auch Kaufmann Gold für die Bludenzer geholt. „Vor allem in der U16 kommt auch innerhalb unseres Vereins noch einiges nach, das kannten wir in diesem Maße auch noch nicht“, lässt die 48-jährige Trainerin wissen. Und betont, dass gerade Trainer noch gebraucht werden könnten. Während sich die Mädels in dieser Altersklasse eher spezialisieren, sind die Jungs doch eher vom Hypomeeting-Fieber befallen. Auch für Sven Benning war der Sieg von Julius Wirth wenig überraschend, der Vorsprung schon eher. „Aber in der U16 sind bekanntlich große Leistungssprünge möglich, die Zahl von 70 Teilnehmern ist dagegen eher normal. Aber das finde ich gut, die Leichtathletik braucht sich nicht zu beklagen“, sagt der Deutsche, der gespannt auf die EM in Birmingham blickt.

SAMSUNG CSC
Die tropischen Temperaturen machten allen ordentlich zu schaffen.

Vorarlberger Rekord

„Es ist durchaus möglich, dass sich mit Geherin Theresia Emma Mohr, Sprinterin Isabel Posch, dem Dornbirner Staffelläufer Michael Gantner und Lustenaus Langstrecklerin Lisa Redlinger vier Athleten des VLV qualifizieren. Das wäre Rekord, und das wäre genial. Der steht bisher bei drei Teilnehmern aus dem Jahr 1954.“ Die U20-WM in Eugene dürfte mit Mittelstrecklerin Pauline Schedler und eben Lorenz Wirth stattfinden, die U18-EM in Rieti mit hoffentlich Kugelstoßerin Sophia-Maria Thoma, der bisher noch lediglich sechs Zentimeter fehlen, und mit Hürdenläufer Zsombor Klucsik. Dieser ist auch heißer Kandidat für den ersten Vorarlberger bei den Olympic Youth Games, die heuer in Dakar stattfinden.

Benning legt Wert darauf, zu erwähnen, dass Posch und Redlinger ihre Trainer in der Schweiz haben, „jedoch auch das Olympiazentrum nutzen. Eine Einzelfalllösung brauchst du immer wieder, es sagt nichts über die Qualität in Vorarlberg aus. Im menschlichen Bereich muss es schließlich auch passen, du bist mit einem Trainer oft länger unterwegs als mit deiner Familie.“ Theresia Emma Mohr vertraut auf TS-Egg-Trainerin Claudia Lüthi, Lorenz Wirth auf Gerhard Gmeiner in Lauterach und Zsombor Klucsik auf den VLV-Coach. Und Pauline Schedler weilt bekanntlich in den USA.

Von Jochen Dedeleit