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6003 Punkte! Dann brechen alle Dämme

17.07.2026 • 07:30 Uhr
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Chiara-Belinda Schuler (l.) in dem Moment, als sie von ihrem Ergebnis erfährt.
Jochen Dedeleit (5)

Chiara-Belinda Schuler hat sich ihren Traum erfüllt. Der 25-jährigen Hörbranzerin gelang in Lustenau etwas, was ihr bei fünf Teilnahmen am Hypomeeting nicht gelungen war: die erstmalige Überwindung der 6000-Punkte-Mauer. Dabei wusste sie lange nicht, ob es denn gereicht hat.

Gespannt schaute Chiara-Belinda Schuler immer und immer wieder auf die Anzeigetafel im Lustenauer Parkstadion, auf der noch immer nicht die Gesamtpunktzahl und somit das Endergebnis der VLV- und IBL-Mehrkampfmeisterschaften für die 25-jährige Hörbranzerin aufleuchtete. Dabei machte sie sich das Leben in diesem Moment selbst schwer.
VLV-Landestrainer Sven Benning hatte vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf errechnet, dass 2:19.34 Minuten für die lang ersehnte 6000-Punkte-Marke reichen würden, Schuler verfolgte jedoch ihre Marschroute des gesamten Wochenendes, keine Punkte zu zählen und somit auch nicht zu wissen, was denn nun für eine Zeit für ihren Traum von Nöten wäre. Nachdem etliche Minuten verstrichen waren, zog sich die Siebenkämpferin in den Kreis ihrer Familie und Freunde nahe der Tribüne zurück und harrte der Dinge. Dann endlich die alles erlösende und befreiende Nachricht: die 2:19.10 Minuten reichten zur Überwindung ihrer ganz persönlichen Schallmauer, fast war es mit 6003 Zählern eine Punktlandung.

Entspannter Wettkampf

Fünf Mal war Chiara Schuler bisher beim weltbesten Mehrkampfmeeting in Götzis am Start, nun, fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wurde ihr Traum wahr. Schon vor wenigen Wochen ließ die Siebenkämpferin der TS Hörbranz im NEUE-Gespräch wissen, dass sie in Lustenau einen „entspannten“ Wettkampf erwartet, „weil nicht wie sonst nach jeder Disziplin gerechnet wird“. Schuler selbst dachte unter diesen Voraussetzungen, dass – wenn der Rücken hält – die langersehnte Marke von 6000 Punkten durchaus ein Thema werden könnte. Und es sollte genau so kommen.

Der erste Wettkampftag begann mit einer persönlichen Bestleistung (pB) über die 100 Meter Hürden (13.51), 1,65 Meter im Hochsprung, 13,48 Meter mit der Kugel und 24.82 Sekunden bei noch immer rund 30 Grad über 200 Meter brachten 3506 Punkte und die Gewissheit, dass „es“ möglich ist. Sven Benning hätte sich zu Beginn des zweiten Tages sechs Meter im Weitsprung gewünscht, zum einen, um weiterhin nicht akribisch rechnen zu müssen, zum anderen, weil der Speer zuletzt auch aufgrund der Rückenprobleme bei Weitem nicht mehr auf die schon erreichten 50 Meter segelte.

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Chiara-Belinda Schuler beim Zieleinlauf.

„Etwas zum Abhaken“

Mit 5,90 Metern blieb die ehemalige U18-EM-Dritte jedoch nicht weit hinter den gewünschten sechs Metern zurück, der Speer flog im dritten Versuch auf starke 49,06 Meter. Dann die 800 Meter. In den Minuten zuvor machte Schuler, wie sie hernach auch bestätigte, einen hypernervösen Eindruck, mit der Tschechin Elis­ka Jarosova (Slavia Prag/5282 Punkte) hatte sie ausgemacht, die erste Stadionrunde in 66 Sekunden zu absolvieren. ­Dies ging gehörig daneben. „Wir passierten die Ziellinie nach 69 Sekunden, schon die ersten 200 Meter waren wir viel zu langsam. Ich wäre auch viel lieber die ersten 200 Meter in Bahnen gerannt, wie es eigentlich üblich ist“, erzählte die ehemalige VLV-Rekordhalterin wenige Minuten, nachdem die Uhr bei 2:19.10 stoppte, also gerade einmal 24 Hundertstel unter der erforderlichen Zeit. „Egal, ich habe so lange darauf gewartet. Und es ist ja auch ein Vorteil, dass für die 6000 Punkte keine fünf persönliche Bestleistungen nötig waren, sondern nur eine. So ist noch genügend Luft nach oben“, resümierte Schuler, deren Rücken nach Tag eins ein wenig zumachte, „ich habe natürlich gehofft, dass alles zusammenhält. Im Hochsprung hätte ich bei 1,68 sowieso aufgehört.“

Heimtrainerin Ruth Laninschegg fiel ein mindestens ebenso großer Stein vom Herzen, „wir wussten, dass es heuer möglich ist. Es kam nur immer irgendetwas dazwischen, ob der Rücken oder auch ein Umstand, mit dem eben Frauen einmal im Monat zu tun haben. Das wird oftmals vergessen oder verschwiegen. Es war zum Davonrennen. Jetzt haben wir aber wieder mal was zum Abhaken.“

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Schuler im Hintergrund mit stetigem Blick auf die Anzeigetafel.

Alle Dämme brachen

Dass nicht nur bei Chiara Schuler, sondern auch bei Familie und Freunden nach der Bekanntgabe des Endergebnisses alle Dämme brachen, dürfte allzu verständlich sein. „Nachdem nach Tag eins klar war, was möglich ist, war es doch kein so entspannter Wettkampf, wie ich ihn mir gewünscht hatte“, so die 25-Jährige, die Gold von Landesrekordhalterin Isabel Posch umgehängt bekam und auf Instagram euphorisch anmerkte, drei Jahre diesen einen Traum gehabt zu haben und drei Jahre nicht aufgegeben zu haben, allerdings auch an so einem Tag an die anstehenden Einzel-Staatsmeisterschaften Ende Juli in Innsbruck dachte. Am selben Tag gönnte sie sich jedoch einen Abstecher in die Eisdiele, tags darauf folgte mit der TS Hörbranz ein Besuch in einer Pizzeria.
Mit dem Übertreffen der 6000-Punkte-Marke tauchte Schuler, die zuvor bei 5916 Punkten gehalten hatte, in einen erlauchten Kreis ein, denn sie ist erst die fünfte Österreicherin, der dies gelang. Vielleicht flattert jetzt gar eine Einladung für das Meeting Decastar Talence, das heuer Jubiläum feiert, ins Haus.

1100 Athleten, 48 Nationen

Landestrainer Sven Benning ist derweil schon in Rieti eingetroffen, wo die U18-Europameisterschaften über die Bühne gehen. In der Teilnehmerliste der über 1100 Athleten aus 48 Nationen findet man Zsombor Klucsik (TS Egg) von allen 18 teilnehmenden Österreichern am weitesten vorne gereiht. Der Lustenauer ist über 400 Meter Hürden mit der Zeit von 51.88 Sekunden auf Position drei zu finden und bestreitet heute ab 10 Uhr die Vorläufe, am Sonntag (17.30 Uhr) gegebenenfalls das Finale.

Lucas Gschier (Mödling) vertritt die rot-weiß-roten Farben im Zehnkampf. Dies wird Lorenz Wirth – neben Pauline Schedler (TS Egg/1500 Meter) – bei den U20-Weltmeisterschaften in Eugene Anfang August tun. Der 17-jährige Lauteracher ist bereits der zehnte ÖLV-Mehrkämpfer, der einen U20-WM-Zehnkampf bestreiten wird, in Lustenau tes­tete der ältere der Wirth-Brüder in fünf Disziplinen. Durch die Vielzahl der letzten Meisterschaften, bei denen vor allem in Vorarlberg auch immer wieder die Mehrkämpfer am Start stehen, gab es bei tropischen Temperaturen zahlreiche Ausfälle bzw. Salto nullo zu beklagen. So auch für Mika Voss (Sparkasse SG Götzis) oder auch Felix Kaufmann (TS Raiffeisen Gisingen), der schlichtweg „platt und müde“ war, wie die Sportliche Leiterin der TS, Astrid Sugg, anmerkte. Kaufmann wird sich nach einer Pause auf die Einzel-Staatsmeisterschaften der U20/U16 Mitte September in Villach vorbereiten. Somit holten etwa Julian Elender (Gisingen), Linus Oblak (TS Lauterach) oder Laura Hehle (SV Lochau) ihre Goldmedaillen mit teilweise 1000 Punkten und mehr Vorsprung ab.

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Schuler im Vordergund bei der Siegerehrung mit Isabel Posch.

Aufwertung

Julius Wirth, dem schon in Feldkirch bei der U16-ÖM sechs neue pBs gelangen, setzte bei den Landesmeisterschaften nun noch einen drauf. Wieder waren es sechs neue Bestleistungen, diesmal fiel damit auch der U16-Landesrekord seines älteren Bruders. Mit 4600 Zählern durfte sich der 15-Jährige von der wieder stark auftretenden TS Lauterach wie bei der österreichischen Meisterschaft Gold umhängen lassen, „der Rekord war realistisch, ich habe nicht geschaut, was ich am Ende laufen muss, da ich schon rund 200 Punkte über seiner Bestmarke war“, so Julius trocken. Eine merkliche Aufwertung erfuhren die Titelkämpfe, bei denen auch die Entscheidungen der IBL fielen, durch die Teilnahme von Athleten aus Deutschland, der Schweiz, Luxemburg, Italien, Finnland oder Tschechien. Vor allem eine große Abordnung des SSV Ulm 1846, deren Talente von dem deutschen Ex-Zehnkampf-Bundestrainer Christopher Hallmann gecoacht wurden, sorgte für Aufsehen und vordere Platzierungen.

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Hier der neue U16-Landesrekordhalter Julius Wirth.

Herwig Grünsteidl, ehemals Österreichs Mehrkampfnationaltrainer und ebenfalls selbstständiger Coach, war mit zwei Athletinnen der DSG Wien in Lustenau, und zwar den gebürtigen Vorarlbergerinnen Rebecca Gehrer (2. der allgemeinen Klasse) und Linda Reinisch (4.). Grünsteidl ist aktuell auch Trainer von Niklas Voss, der seine pB zuletzt in Landquart auf 7422 Zähler schraubte. Grünsteidl: „Ich werde mal bei Walter Weber bezüglich einer Teilnahme am Hypomeeting 2027 anrufen.“

Von Jochen Dedeleit