Sport

Die, die aufrecht durch die Welt gehen

14.10.2026 • 08:38 Uhr
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Gerhard Grafoner, Sportdirektor Karate Vorarlberg mit Karate-Vorarlberg-Präsidentin Bernadette Kleinfercher (l.), Andrea Forster (Obfrau Karate Hofsteig) sowie rechts Frau Claudia, der er für viele Entbehrungen dankte. Jochen Dedeleit (4)

In zahlreichen Interviewrunden, Ehrungen und Gesprächen wurde Karate auch von Ex-Weltmeister Daniel Devigili am Jubiläumsabend „50 Jahre Karate Vorarlberg“ in Lauterach nähergebracht und von Vorarlbergs Kampfsportlern der ersten Stunde auch in Erinnerung gerufen.

Struktur, Disziplin, Zielstrebigkeit – allesamt Schlagwörter, die im Karatesport des Öfteren zum Tragen kommen. Dieses Mal auch im Vereinshaus Lauterach, als Karate Vorarlberg zu einem Abend geladen hatte, um 50 Jahre Karate Vorarlberg und zugleich 40 Jahre Karate Hofsteig zu feiern, zu würdigen und auch zu präsentieren.
Auch wenn niemand auf die Matte geschickt wurde, brachte vor allem Gerhard „Geri“ Grafoner, Sportdirektor Karate Vorarlberg, den über 100 Geladenen und Interessierten den Kampfsport dank eines kurzweiligen, überaus interessanten dreistündigen Programms unter dem Motto „Auf starkem Fundament. Mutig in die Zukunft.“ inklusive Einlagen des Musikensembles Ippon näher. Mehrere Generationen sorgten dafür, dass niemand außen vor blieb und jede Sichtweise beleuchtet wurde. Karate-Vorarlberg-Präsidentin Bernadette Kleinfercher hatte gleich zu Beginn den viel zitierten Faden aufgenommen, den sie im Laufe des Abends nicht mehr verlieren sollte.

Strukturen

Elf von 20 Mitgliedsvereinen eines der größten Fachverbände in Österreich waren zugegen und verfolgten nach der Begrüßung der Gastgeberin Andrea Forster (Obfrau Karate Hofsteig) die Videobotschaften von Landesrätin Martina Rüscher und Olympiamedaillengewinnerin Bettina Plank über Großbildleinwand. Die gebürtige Feldkircherin Plank, die wohl nicht „nur“ aufgrund von Olympia-Bronze „stolz zurückblickte, weil 24 Jahre selbst dabei“, sprach von einem „funktionierenden System im Hintergrund“ und dass sie gesehen habe, dass „dies nicht alle Nationen behaupten dürfen“. Das eingangs erwähnte Schlagwort „zielstrebig“ gehört zu den fünf Werten, auf die Karate Vorarlberg auf seiner Homepage verweist und die auch auf der Bühne des Vereinshauses in großen Lettern prangten: neben zielstrebig respektvoll, teamfähig, begeisterungsfähig und flexibel.
Darauf verweisen vor allem auch die Protagonisten der ersten DAN-Verleihungen, Gründungsmitglied und Ehrenpräsident Helmut Seewald (5. DAN), Willibald Mathis (Gründungsmitglied des ältesten Vereins Rankweil/4. DAN), Vorstands- und Nationalteammitglied Bianca Ritter (4. DAN), vom Feldkircher Vorstand Eva Dellemann-Itchara (2. DAN), Karate-Hofsteig-Obfrau Andrea Forster, Andreas und Thomas Embacher (jeweils 40 Jahre Karate Hofsteig) sowie Zivorat Stanojevic (38 Jahre Hofsteig/alle 4. DAN). Der zweitgenannte Willi Mathis war es auch, der in der Interviewrunde „Das Fundament“ über die Anfänge des Verbandes informierte. „1974 gab es in Rankweil erste Trainings, die TS wollte sich von uns trennen, da wir nicht ins Konzept passten. Zum Schulbeginn 1975 waren wir dann ein offizieller Verein“, so Mathis, der von der professionellen Entwicklung des Karatesports beeindruckt ist, sich aber wundert, dass die einstige Hochburg Bregenz nicht mehr mit von der Partie ist.

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Die zahlreichen Nachwuchsathleten von Karate Vorarlberg wurden auf die Bühne gebeten.

Karate wirkt auch im Leben

Helmut Seewald bedankte sich zuallererst über die Verleihung des 5. DAN, erinnerte im Folgenden an die ersten österreichischen Meister aus Vorarlberg 1978 und dann an den WM-Titel von Daniel Devigili 1994 in Malaysia. Blickte dann an den Tisch links außen im Vereinshaus mit „so vielen jungen Sportlern“, die Daniels Tochter Hanna oder vielleicht auch Bettina Plank als Vorbild auserkoren haben. Applaus erntete Karlheinz Kobald, der auf den Aufbau sportlicher Strukturen zurückblickte, als er an Harald Ellensohn als einen der Wegbegleiter Devigilis und Gründer des KC Götzis erinnerte.
Der Kontakt untereinander, willige Athleten und fähige Trainer seien maßgebend für etwaige Triumphe, bei der heutigen Generation müsse man mit den jungen Menschen mitgehen, „aber auch in den Ursprung zurückgehen“. Kobald warf aber auch die Frage in den Raum, ob man heutzutage drei Fremdsprachen erlernen müsse, „mit Karate würde mehr Selbstvertrauen einkehren“. Willi Mathis hatte zuvor schon festgestellt, dass „Menschen, die mit Karate zu tun haben, aufrecht durch die Welt gehen und sich in die Augen schauen“.
Bestätigen kann dies die ehemalige Kadetten- Europameisterin Hanna Devigili, die in der Talkrunde an die Menschen im Hintergrund dachte und für die heuer noch Mitte November die Team-WM in China ansteht. „Um international zu bestehen, braucht es viel Puzzleteile. Vor allem in Momenten, in denen man zweifelt, fangen dich die im Hintergrund auf. Und das Sportgymnasium gehört für jemanden im Alter zwischen 14 und 19 Jahren zu den wichtigsten Entwicklungen.“ Diejenigen im Hintergrund waren und sind auch für Karate-Vorarlberg-Vizepräsidentin Julia Gantner ein Puzzleteil für den Erfolg, neben Talent und hartem Training – und dem Vertrauen in Verein und Verband. „Einen guten Heimtrainer braucht es“, ist die klare Ansage von Daniel Devigili, der damit auch an Harald Ellensohn erinnerte und als Vizeleutnant das Heeresleistungssportzentrum in Dornbirn leitet, in dem er demnächst Andreas Nitz und Vincent Kleinekathöfer freudig erwartet. Der Ex-Welt- und Vizeweltmeister weiß, „dass wir aus unseren Möglichkeiten damals viel gemacht haben. Das Rundumpaket jetzt ist doch ein anderes“. Eltern („die sich bewegen“) seien die ersten Trainer, „und dann braucht es Athleten, die Hunger haben. Denn wenn der Sport extrem wird, wird man eher einsam“.

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Helmut Seewald und Karlheinz Kobald (r.) blickten wie Willi Mathis, der nicht vor Ort war, auf 50 Jahre Karatesport in Vorarlberg zurück.

Ziele

Für die vielen jungen Athleten an besagtem Tisch hatte schließlich Geri Grafoner ein „riesengroßes Ziel“ als Vorschlag: „Die Nachwuchs-EM in Basel 2030 kann bei einer Entfernung von rund 200 Kilometer durchaus als Heim-EM angesehen werden. Talent reicht nicht“, weiß auch Grafoner, „das ganze Umfeld ist gefordert.“ Der Sportdirektor hofft inständig, dass „etwas entsteht – dass die Generation danach ein super Umfeld hat“. Die Nachwuchstalente Noemi Sopic und Ida Schwendinger konnten bei derart viel Zielen, Erfolgen und Perspektiven kaum etwas anderes sagen, als ebenfalls Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften erringen zu wollen. Sopic, die schon Bronze in der Youth League erkämpfte, wünschte sich dafür des Öfteren Trainingslager mit anderen Nationen, ein Umstand, den Hanna Devigili nach ihren Aufenthalten in Taiwan und Hongkong im Sommer ebenfalls herausstrich. Ida Schwendinger hob jedoch nicht „nur“ Edelmetall hervor, sondern erntete mit folgender Aussage auch bei Karate-Austria-Präsident Georg Rußbacher und dem belgischen Coach Luca Costa Applaus: „Wenn ich auf jedem Training alles gegeben habe, kann ich sagen, alles richtig gemacht zu haben.“

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Ex-Weltmeister Daniel Devigili hörte aufmerksam zu, ehe er zur Bühne gebeten wurde. 

Heute gehts los

Mit Tobias Fleisch (KC Götzis), Sara Skrijelj (KC Lustenau), Noemi Sopic und Aurelia Greif (beide Karate Hofsteig) reisen am heutigen Mittwoch vier Vorarlberger zu den WKF-Cadets-, Juniors- und U21 -Weltmeisterschaften nach Bielsko Biala (Polen).
Bereits heute stehen mit Skrijelj (Kumite U21 bis 61 Kilogramm) und Fleisch (Kumite U21 bis 67 Kilogramm) die ersten beiden Athleten auf der Tatami.
Beide haben sich in den vergangenen Monaten mit starken internationalen Leistungen für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Am morgigen Donnerstag, 15. Oktober, folgt Aurelia Greif (Kumite Juniors bis 59 Kilogramm). Den Abschluss der Vorarlberger Vorrundenauftritte bildet am Freitag, 16. Oktober, Noemi Sopic (Kumite Cadets bis 54 Kilogramm).

Von Jochen Dedeleit