Kultur

Ein farbiges Konzert mit Tiefgang

HEUTE • 13:09 Uhr
Silvesterkonzert Jugendsinfonieorchester
Das Jugendsinfonieorchester Dornbirn mit Dirigent Seewald im Kulturhaus. HAUER

Beim diesjährigen Silvesterkonzert im Kulturhaus spielte das Dornbirner Jugendsinfonieorchester unter der Leitung von Matthias Seewald ein anspruchsvolles Programm, bei dem neben unterhaltsamen Werken eben auch Musik mit Tiefgang zu hören war. Beides verlieh dem Konzert eine Wirkung, die weit über das erwartete Kulinarische hinausreichte.

Der Abend, der unter dem Motto „Vive la musique“ stand, wurde – einer schönen Tradition folgend – vom Salonorchester im Foyer eröffnet. Bei einem Glas Sekt konnten sich die Besucher mit flotten Märschen und hinreißenden Polkas, die von Fiona Warenitsch, Sophie Gigerl, Lia Lootsma, Julius Mayer, Pius Verkleirer und Tobias Jakob „con fuoco“ gegeben wurden, auf das Konzert einstimmen.

Silvesterkonzert Jugendsinfonieorchester
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 Onegin als Opener

Dann, beim Öffnen des Vorhangs im großen Saal, erschallten aus dem Halbdunkel kraftvolle Fanfarenklänge und das zunehmend heller werdende Licht zeigte schließlich das groß besetzte Orchester junger Musiker, das mit Engagement und Akkuratesse die mitreißende Polonaise aus der Oper „Eugen Onegin“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky zur Eröffnung gab. Ein schönes gemeinsames Musizieren des jungen Klangkörpers, der von flimmernd-silbernen Streichern getragen wurde, umspielt von sauber intonierenden Holzbläsern, überstrahlt von glänzendem Blech, unterlegt von präzisem Schlagwerk und kontrapunktiert von einer zarten, schmucken Harfe, wurde von Matthias Seewald mit sparsamen aber deutlichen Gesten souverän und umsichtig geleitet und so gelang dem Ensemble eine kraftvolle und zugleich fein austarierte Eröffnungsmusik.

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Pour Camille

Zu meiner großen Freude war heuer meine Orchester-Elegie „Pour Camille“ als Dornbirner Erstaufführung aufs Programm gesetzt. Nun stehe ich nicht an, mein eigenes Stück zu loben, wohl aber die Interpretation, die den jungen Spielern hier gelang. Dieses ernste und ausdruckstarke Stück war für das jugendliche Ensemble sicher nicht einfach zu spielen. Umso mehr freute mich die gelungene Umsetzung. Die zarten, verhangenen Klänge, die ein herumirrendes Mädchen abbilden wollen und die harten, zerklüfteten, alle Ketten sprengen wollenden Bläser-Kaskaden des Camille, der in einer Muschel gefangenen ist, hatten etwas sehr packendes und berührten das Publikum auf eine unerwartete Weise. Und durch die schöne Interpretation zeigte sich, dass ein mutig programmiertes Stück einen wohltuenden tiefen Kontrapunkt in einem Silvesterkonzert erzeugen kann, der interessiert und erfrischt.

Witzige Conférenciers

Johanna und Albert, zwei sehr junge und sehr pfiffige Conférenciers, leiteten nun weiter durchs Programm und ernteten mit ihren fürwitzigen, frechen und geistreichen Kommentaren viel Schmunzeln, viel herzliches Lachen und einen großen Applaus.

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Melodiezauber

Eine Auswahl aus Bizets Carmen-Suiten nützte das Orchester, um üppiges spanisches Kolorit, ummantelt von einem unverwechselbar französischen Esprit dem begeisterten Publikum darzureichen. Die bekannten und eingängigen Melodien aus der Oper waren bestens dazu geeignet, das Publikum gut gestimmt in die Pause zu entlassen.

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Höllenritt und Wiener Schmelz

Nach der Pause wiesen die feurig-schmetternden Akkorde aus Jacques Offenbachs Ouverture der Oper „Orpheus in der Unterwelt“ dann sofort die Richtung, in die der zweite Programmteil gehen sollte. Überraschende Wechsel zwischen schön gespielten Soli und klangvollem Tutti und der unvergleichliche höllische Cancan als Höhepunkt holten das Publikum zurück in den Konzertsaal. Johann Strauß‘ Bauernpolka und der Walzer aus „Tausend und eine Nacht“ entführten dann nach Wien, wo die „Plappermäulchen-Polka“ seines Bruders Josef einen nicht enden wollenden charmanten Klang-Redeschwall über die Zuhörenden ergoss.

Dank an Roland Jörg

Einen sehr wertschätzenden Dank durfte schließlich Roland Jörg als scheidender Leiter der Kulturabteilung entgegennehmen. Mit der eigens ihm gewidmeten Interpretation der „Vergnügungszug-Polka“ von Johann Strauß wurde sein großes Engagement für die Dornbirner Kultur und besonders auch seine Verdienste für das Dornbirner Jugendsinfonieorchester ganz herzlich honoriert.

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Happy Birthday

Bevor der obligate Radetzky-Marsch das Publikum in die Silvesternach entließ, gab das Orchester noch ein Geburtstagsständchen für die Stadt Dornbirn, die heuer das 125-jährige Stadterhebungsjubiläum begeht.

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Ich meine, mit einer so gelungenen Eröffnung lässt sich das große Jubiläum gut feiern.

Thomas Thurnher