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Inhaltlich und menschlich deckungsgleich

09.01.2026 • 20:37 Uhr
Inhaltlich und menschlich deckungsgleich
Dietmar Stiplovsek

Der SCR Altach ist auf der Suche nach einem Nachfolger für den zu Sturm Graz abgewanderten Cheftrainer Fabio Ingolitsch fündig geworden. Ognjen Zarić übernimmt ab sofort die Geschicke bei der Profimannschaft, der Staff um Co-Trainer Atdhe Nuhiu bleibt in seiner ursprünglichen Besetzung erhalten.

A m Freitagnachmittag, zwei Tage nach dem Start in die Vorbereitung für die Rückrunde der Bundesliga, wurde in den Presseräumlichkeiten des SCR Altach der neue Cheftrainer vorgestellt. Für manche doch etwas überraschend wird der 36-jährige Ognjen Zarić künftig bei den Rheindörflern an der Seitenlinie stehen. Über die Vertragslaufzeit wurde, wie es bei den Altachern üblich ist, Stillschweigen vereinbart.

Intensive Suche

Sportdirektor Philipp Netzer schilderte die Trainersuche folgendermaßen: „Die letzten zehn Tage waren wirklich intensiv. Kurz nach den Weihnachtsfeiertagen ist, wie alle wissen, Sturm Graz auf uns zugekommen bezüglich eines Wechsels unseres ehemaligen Cheftrainers Fabio Ingolitsch. Ich muss sagen alles ist sehr professionell abgelaufen. Dann hieß es für uns den Prozess für die Trainersuche zu starten. Wir hatten viele Gespräche mit dem ein oder anderen Kandidaten, haben geschaut bei welchen Themen es Deckungsgleichheit gibt. Und nun bin ich froh, das wir mit Ognjen Zarić einen neuen Cheftrainer präsentieren können“, eröffnete Netzer die Pressekonferenz.

Extreme Vorfreude

Der neue Cheftrainer zeigte sich noch etwas zurückhaltend, dankte den Verantwortlichen des SCR Altach für seine Chance in der österreichischen Bundesliga Trainer sein zu können. „Ich freue mich extrem, hier sitzen zu dürfen. Es löst bei mir Emotionen aus, weil ich den Fußball in Österreich verfolge und ihn auch kenne. Ich möchte mich beim Vorstand und bei Philipp Netzer bedanken für das Vertrauen, das sie mir entgegenbringen. Wir hatten intensive Gespräche, und ich kann mich nur anschließen das vieles deckungsgleich ist. Sowohl inhaltlich als auch menschlich“, so der Neo-Coach.

Inhaltlich und menschlich deckungsgleich
Ognjen Zarić an seinem zukünftigen Arbeitsplatz auf der Trainerbank des SCR Altach. Dietmar Stiplovsek

Nicht viel verändern

Die Spielidee des gebürtigen Serben ist sehr ähnlich wie die von Fabio Ingolitsch, so wird man in Altach nicht alles über den Haufen werfen und das Rad neu erfinden. Man habe laut Zarić recht schnell einen gemeinsamen Nenner gefunden. „Mir ist es nicht schwer gefallen, mich für Altach zu entscheiden, ich finde, der SCR ist, salopp gesagt, ein richtig geiler Klub“, erklärt er weiter. „Ich will hier etwas bewegen.“

Dass beim SCR Altach in den vergangenen Jahren immer wieder das Abstiegsgespenst herumgeisterte, ist dem neuen Coach natürlich auch nicht entgangen. Unter Ingolitsch gab es endlich einmal wieder eine Struktur in der Mannschaft, die grundsätzlich so bleiben soll. „Ich habe eine klare Idee von Fußball, und von der Herangehensweise hier kann ich sehr viel übernehmen. Wie ich gesagt habe: Wir waren uns ihn vielen Themen einig und auf dem möchten wir aufbauen. Der Fußball soll ähnlich aussehen, aber nicht gleich. Das ist auch klar, jeder Trainer hat seine eigene Duftmarke, die er auch setzen will. Die habe ich auch. Ich habe Ideen, wo man die Mannschaft weiterentwickeln kann. Das möchten wir gemeinsam angehen. Aber in der Struktur werden wir nicht viel ändern, sondern darauf aufbauen“, so Zarić.

Ein Jahr ohne Verein

Seine Trainerkarriere startete Ognjen Zarić in Tirol und Deutschland, wo er zunächst als Trainer im Nachwuchsbereich fungierte. Nach seiner Zeit mit der U17-Bundesligamannschaft der SpVgg Unterhaching übernahm er Trainerposten in Rosenheim und Kufstein, ehe er die U18 und später dann die U21 des FC Basel coachte. In weiterer Folge wechselte Zarić 2023 zum FC Winterthur, wo er sowohl als Co-Trainer als auch als Cheftrainer tätig war. Sein dortiges Engagement endete im Dezember 2024.

Ausblick und Ziele

Selbstredend kann der neue Cheftrainer der Altacher noch nicht allzu viel sagen, was seine Ziele mit der Mannschaft im Frühjahr betrifft. Zu kurz ist er erst im Amt, muss erst einmal die Mannschaft kennenlernen. „Es ist so, dass wir am Montag ins Trainingslager nach Wien fahren. Dann gibt es für mich die Gelegenheit, die Spieler und die ganze Mannschaft im Kern kennenzulernen. Natürlich kenne ich sie von Videos und ich war während der Saison zwei Mal als Zuschauer im Stadion. Aber es ist ein ganz anderes Feeling, wenn man die Spieler selbst spürt. Deshalb ist es für mich einfach noch zu früh, um eine Einschätzung abzugeben“, führt Zarić weiter aus.

Inhaltlich und menschlich deckungsgleich
Zarić und seine Spielidee, die nicht weit von seinem Vorgänger entfernt liegt, deckten sich auf Anhieb mit den Vorstellungen des Vereins. Dietmar Stiplovsek

Impulsiv und ruhig

Ognjen Zarić bezeichnet sich selbst als impulsiven Trainer, hat mit der Zeit aber auch dazugelernt, wenn man so will: „Ich war in meiner ganzen Karriere sehr impulsiv, in Winterthur habe ich dann versucht, einen Mix zu finden. Ich finde, beim Spiel gehören Emotionen dazu. Es hängt auch immer davon ab, was das Spiel hergibt und wie sehr man es als Trainer beeinflussen kann“, sagt er über sich selbst.

Der 36-Jährige wohnt derzeit noch mit seiner Familie in Winterthur, in den kommenden Wochen soll eine Entscheidung bezüglich des Wohnsitzes fallen. „Es ist immer so, dass wenn du einen Vertrag unterschreibst, diese Themen auf dich zukommen. Wir werden in naher Zukunft entscheiden, was das Beste für uns ist. Aber die Tendenz ist, nach Österreich zurückzugehen“, erklärt er.

Wer denn nun den besseren Fußball spielt, die Österreicher oder die Schweizer, auf diese Diskussion ließ sich Zarić nicht ein. Im Grunde sei man sich doch ähnlich, wobei sich die Einflüsse in der Schweiz durch Italien und Frankreich doch etwas in der Spielkultur niederschlagen würden. Und: Die Zuschauerzahlen in der Schweiz sind viel höher als hier, und das eidgenössische Nationalteam weise, was die Teilnahme an Großereignissen anbelangt, viel mehr Kontinuität auf als das österreichische.