Allgemein

Vom fliegenden Handy und einer Kurzschlussreaktion

10.01.2026 • 12:00 Uhr
<span class="copyright">Neue</span>
Neue

Es gibt Situationen im Leben, die bleiben bis ans Lebensende gut für dezente Lacher – oder zumindest für ein Schmunzeln auf den Gesichtern der Zuhörer. Etwa jene, in denen Menschen liebevolle kleine Fauxpas begehen.

Aber von Anfang an: Es war eine gemütliche Theaterrunde, bei der wir zusammensaßen. Eine kreative, enthusiastische Runde voller Ideen und Geschichten im Kopf. Wunderbar. In solchen Momenten werden Handys achtlos auf den Tisch gelegt und verschwinden aus dem Sinn. So auch bei mir – eh klar.

Zu Hause angekommen fiel mir ein, dass ich doch etwas besitze, um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten – und dieses Etwas benötigt ab und zu eine Ladung Energie. Also wollte ich es anstecken, nur: Mein Telefon war nicht auffindbar. Gut, das ist bei mir noch kein Grund zur Aufregung. Aber selbst nach intensiver Suche blieb es verschwunden. Herr Lieblingsmensch hatte dann die schlaue Idee, das Wunderwerk Technik zu bemühen und mein Handy über den Computer zu orten. Gesagt, getan – und tatsächlich: Mein Telefon befand sich an einem anderen Ort, kilometerweit entfernt. Zufälligerweise lag dieser Ort in der Nähe eines Mitkreativlings vom lauschigen Theaterabend.

Am nächsten Tag versuchte ich vergeblich, besagten theatralen Mitstreiter zu erreichen. Stille. Nichts. Niemand. Auch kein Lebenszeichen über unsere gemeinsame Schreibgruppe in einer bekannten Kommunikations-App, die ich vom Computer aus mit meinem Hilferuf fütterte. Nada. Irgendwann am Nachmittag erreichte mich dann – über meinen Lieblingsmenschen vermittelt – ein Anruf. Herr Handyeinstecker schnaufte völlig außer Atem: „Heidi! Ich muss dir was gestehen!“

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte er mein Handy weit über eine Mauer geworfen, weil er dachte, es wäre ein Peilsender. Seit dem Vormittag stapfte er nun durch Dornengestrüpp auf verzweifelter Suche nach Technik in der kalten Natur. Mithilfe des von mir aktivierten Piepstons fand er es schließlich – oder besser gesagt: ihn, den vermeintlichen Peilsender mit den Bildern meiner Töchter am Display. „Ich stecke doch kein Handy ein! Da dachte ich mir, das hat jemand in meine Jackentasche geschmuggelt“, sagte er. Wir mussten beide herzlich lachen.

Übrigens habe ich die Mauer gesehen, über die mein Handy in weitem Bogen geflogen ist: etwa dreieinhalb bis vier Meter hoch. Dass es diesen Sturz und die kalte Nacht überlebt hat, sorgt bis heute für Verwunderung. Vielleicht außerirdisches Material, um uns Menschen auszuspionieren? Man weiß ja nie!