Sport

Jedes Gruppenspiel ist ein Finale

17.01.2026 • 22:50 Uhr
Jedes Gruppenspiel ist ein Finale
Klaus Hartinger

Kolumne. Niko Marinovic, Torwarttrainer von Bregenz Handball und der österreichischen Handball-Nationalmannschaft, berichtet von der Europameisterschaft 2026 die in Dänemark, Schweden und Norwegen ausgetragen wird.

Liebe Leserinnen und Leser der NEUE am Sonntag, wir sind mit der österreichischen Handballnationalmannschaft nach dem Vorbereitungsturnier in Paris nach einer kurzen schneebedingten Verzögerung am vergangenen Dienstag gut in Dänemark angekommen. Wir haben unser Hotel bezogen und uns etwas akklimatisiert. Das ging alles ruhig und entspannt vonstatten. Vor dem Auftaktspiel der Europameisterschaft gegen Deutschland wurde es etwas hektischer, weil wir eine Dreiviertelstunde zur Halle nach Herning fahren mussten. Dort hatten wir dann ein Fotoshooting und anschließend das erste Training. Das hat alles etwas gedauert, aber das muss jedes Team in Kauf nehmen.

In der Partie gegen Deutschland (30:27, Anm.) haben wir eine richtig gute kämpferische Leistung hingelegt. Leider haben wir in der ersten Halbzeit zu viele technische Fehler gemacht, am Schluss hat uns bei einigen Bällen auch das Glück gefehlt. Natürlich ist jetzt eine gewisse Enttäuschung da, die Spiele gegen Deutschland sind immer etwas Besonderes, da herrscht immer eine spezielle Stimmung und auch Motivation in der Mannschaft. Wir werden die Partie analysieren, wir können einige Dinge besser machen. Wir haben gegen eine Weltklasse-Abwehr gespielt, gegen einen der besten Torhüter der Welt. Die erste Halbzeit war nicht gut, der zweite Durchgang war mehr als gut. Gegen die Deutschen kann man verlieren, ja. Es ist jetzt ohnehin so, wie es ist. Wir müssen das jetzt abhacken, denn die Begegnung mit Spanien (Spiel fand am Samstag statt, Anm.) wird schon unser Finalspiel sein. Aber für uns war von Anfang an klar, dass wir in der stärksten und ausgeglichensten Gruppe spielen werden – deshalb erwarten wir auch solche Ergebnisse. Spanien und Deutschland sind Mitfavoriten auf den Europameistertitel, das steht außer Frage.
Am Montag geht es im letzten Gruppenspiel gegen Serbien, auch sie haben Qualität und Spieler, die den Unterschied machen können. Sie haben, besonders unter den ersten Sieben, einige Weltklasseleute. Zum Beispiel Lazar Kukic von Szeged und Mijajlo Marsenic von den Füchsen Berlin. Bei ihrer Niederlage gegen Spanien (29:27, Anm.) war der Ablauf so ähnlich wie bei uns. Die ersten zwanzig Minuten waren auch nicht gut, dann mussten sie einem Rückstand hinterherlaufen. Sie sind zwei, drei Mal auf zwei Tore herangekommen, aber schlussendlich hat es nicht gereicht.

Für uns heißt es jetzt Schritt für Schritt, die Partie am Montag ist für mich persönlich als gebürtiger Serbe naturgemäß eine emotionale Sache. Aber ich habe 15 Jahre für Österreich gespielt, unter anderem auch gegen Serbien. Im Endeffekt sind es auch nur 60 Minuten Handball. Ich kenne viele Spieler und auch den Trainerstab der Serben, teilweise schon seit meiner Jugend. Es sind alte Bekannte und Freunde dabei, da ist ein Wiedersehen immer sehr schön. Man tauscht Erfahrungen aus, ein bisschen Smalltalk bei einem Kaffee hie und da. Trotzdem gilt es, in erster Linie auf uns zu schauen und den Fokus auf die kommenden Aufgaben zu legen, damit wir unser Bestes geben können.

Schöne Grüße, Euer Niko