Der Blick für den richtigen Moment

Für seine freie Fotoserie wurde der Dornbirner Fotograf Darko Todorovic jüngst ausgezeichnet. Der Weg dorthin begann in einer Werkstatt und nicht in einem Studio.
Darko Todorovic erinnert sich genau an das Gefühl, das ihn damals beschlich. „Nach ein paar Monaten merkt man: Ein Gerät besteht aus einer Heizung oder einem Motor, einem Schalter, vielleicht einer Sicherung, einem Thermostat und einem Kabel. Irgendeine dieser Komponenten ist kaputt, man tauscht sie aus – und das war’s.“ Er hatte Elektriker gelernt, reparierte beim Quelle-Kundendienst Haushaltsgeräte. Ein sicherer Beruf, krisenfest, wie sein Vater meinte. „Mach etwas Gescheites. Reparieren muss man immer etwas.“ Doch Todorovic spürte früh: Das konnte nicht alles sein. „Den ganzen Tag in einer Werkstatt sitzen und Föhne oder Bügeleisen reparieren. Das war nicht meins.“

Physiklehrer weckte Interesse
Dass sein Blick in eine andere Richtung ging, hatte sich schon früh gezeigt. „Das Interesse an Fotografie war bereits zu meiner Schulzeit da. Unser Physiklehrer war ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Als wir im Unterricht Linsen, Lichtbrechung und Prismen behandelten, stellte er einmal einen Diaprojektor auf und erklärte anhand seiner Bilder gestalterische Grundlagen – Drittelregel, goldener Schnitt. Ich glaube, das war der Moment, bei dem ich gemerkt habe: Das interessiert mich.“ Er sei immer schon ein visueller Mensch gewesen, sagt der 50-Jährige. „Ich habe viele Filme geschaut und mir gerne Bilder angesehen. Da ist etwas hängen geblieben.“

Der Weg in die Fotografie war trotzdem kein gerader. Die Elektrikerlehre zog er durch, die Lehrabschlussprüfung allerdings nur teilweise. „Ein Teil fehlt bis heute, und ehrlich gesagt hat mich das auch nicht mehr interessiert.“
Suche nach Lehrstelle
Stattdessen klopfte er an Türen. Zehn Fotostudios, die in den letzten Jahren Lehrlinge ausbildeten, standen auf einer Liste, die er beim BIFO bekam. Also ging er persönlich von Dornbirn bis Lochau von Studio zu Studio. Immer wieder nachfragen, nicht lockerlassen. Absagen folgten – und dann doch die Erleichterung: „Eine Sekretärin klingelte an unserer Haustür – wir hatten damals kein Telefon. Ein Mitarbeiter hatte gekündigt, sie nahmen nun doch zwei Lehrlinge, und ich bekam die Stelle bei der Gruppe S.F.&H.“ Dort absolvierte er die Lehrabschlussprüfung und legte später auch die Meisterprüfung ab. Fünf Jahre blieb er im Betrieb. Doch um die Jahrtausendwende zog es ihn hinaus. „Ich wollte nach Australien.“ Gleichzeitig begann die Digitalisierung das klassische Fotolabor zu verdrängen. „Man merkte, dass das Labor immer weniger zu tun hatte.“

Intensive Zeit
Nach Australien folgte eine gewisse Unsicherheit. Fixe Anstellung? Fehlanzeige. Also Nebenjobs, Assistenzen, eigene kleine Aufträge. „Ich habe für viele Fotografen im Land assistiert, selbst fotografiert, Bildbearbeitung übernommen. Zwei, drei Tage angestellt, danebe n selbstständig.“ Eine intensive Zeit. „Ich konnte dabei aber Produktfotografie lernen, People- und Modefotografie, Food. Das war extrem lehrreich für mich.“
Zur Person
Name: Darko Todorovic
Geboren: 26. März 1975
Familienstand: Lebensgemeinschaft, zwei Kinder
Wohnort: Dornbirn
Beruf: Selbstständiger Fotograf
Hobbys: Fußball, Kunst, Musik, Fotografie
Seit 2007/08 arbeitet er als Selbständiger im eigenen Studio im Dornbirner Oberdorf. Und seit über zehn Jahren unterrichtet er auch an der Fachhochschule Vorarlberg im Studiengang Intermedia Grundlagenfotografie. „Früher war das ein ganzes Semester, heute sind es Blockveranstaltungen. Für das Wintersemester bin ich wieder angefragt – rund 60 Einheiten.“ Trotzdem: Von Selbstzufriedenheit keine Spur. „Ich bekomme oft zu hören: ,Du bist eh schon etabliert.‘ Aber auch wenn man einen Namen hat, wird man nicht automatisch mit Anfragen überhäuft.“ Die letzten Jahre seien nicht einfach gewesen. „Man muss ständig dranbleiben.“

Ehrlich und authentisch
Seine Handschrift beschreibt der zweifache Familienvater schlicht: „Ehrlich, authentisch, auf Menschen zugehend, interessiert. Uninszeniert – wobei jedes Foto natürlich eine Inszenierung ist.“ Neben anderem sind seine Schwerpunkte: Menschen und Architektur. „Ich fotografiere vorwiegend Menschen, die nicht professionell vor der Kamera stehen, wie Geschäftsführer, Mitarbeiterinnen, Menschen bei der Arbeit.“ Kommunikation ist dabei für ihn entscheidend. „Man kann jemandem eine teure Kamera geben und die Technik erklären, entscheidend ist aber der Umgang mit Menschen.“ Und dann gibt es diese Momente. „Ja, das gibt es. Man spürt es.“ Wenn das Bild stimmt. „Es ist intuitiv. Mit der Erfahrung entwickelt man ein Gefühl für den richtigen Moment.“ Technik sei lernbar, „aber ein Bild ist mehr als das. Es gibt großartige Fotos, die technisch falsch sind, aber emotional berühren. Im besten Fall kommt beides zusammen.“

Auszeichnung
Dass er mehr kann als Auftragsarbeiten, zeigte sich unter anderem im September 2025. Beim „Vorarlberger Kreativpreis“ der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation wurde er in der Sonderkategorie „Fotografie Freie Arbeit“ ausgezeichnet. Seine Serie trägt den Titel „Stillstand in Bewegung“ und ist eine Bestätigung für seinen eigenen Blick. Für Bilder, die nicht im Auftrag entstehen, sondern aus innerem Antrieb. Wie das ausgezeichnete Foto von einer Frau auf einer Fähre zwischen Savona und Korsika. „Sie liegt an Deck, während um sie herum alles rattert und nach Diesel riecht. Ein absurder, schöner Moment.“ Oder Coney Island, New York: „Eine Frau geht spazieren, im Hintergrund Bauzäune und Wohnblöcke.“ Das sind konservierte Augenblicke aus dem Leben.

Thema KI
Die Welt verändert sich rasant, das gilt auch für die Fotografie. Jeder trägt mittlerweile eine Kamera in der Hosentasche. „Ein schönes Foto kann jeder einmal zufällig machen. Der Unterschied liegt in der Erfahrung, in der Effizienz und in der Kommunikation.“ Ein großes Thema ist auch die Künstliche Intelligenz, die Bilder in Sekunden generiert. Macht ihm das Angst? „Ja und nein. Die Angst wird eher von außen herangetragen.“ In der Bildbearbeitung sei KI hilfreich. „Aber generierte Bilder wirken für mich oft perfekt und gleichzeitig seelenlos. Alles ist hochpoliert, aber auch austauschbar.“ Persönlichkeit, Erfahrung, Emotion – „das kann KI nicht ersetzen.“
Der beste Job. Darko Todorovic weiß auch, dass er nicht nur Fotograf, sondern auch Unternehmer sein muss. „Manchmal bin ich objektiv betrachtet noch zu wenig Unternehmer. Ich muss sichtbarer sein, mehr netzwerken. Am Ende geht es auch um Kontakte.“
Und doch gibt es dieses Gefühl, das ihn trägt. „Ich kenne das nicht, am Sonntagabend zu denken: ,Morgen muss ich wieder arbeiten.‘ Für mich ist Fotografie der beste Job.“

“Ich habe viel zu erzählen
Was der Familienvater jungen Menschen rät, die sich für Fotografie interessieren? „So viel wie möglich anschauen. Rausgehen. Beobachten, das ist zentral.“ Und was möchte er selbst noch erreichen? Darko Todorovic lächelt. „Neben Auftragsarbeiten würde ich gerne mehr frei arbeiten. Ich habe viel zu erzählen. Und das möchte ich vermehrt in meinen Fotos ausdrücken.“