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Der weiße Tod als Gefahr für Lebensretter

20.02.2026 • 18:06 Uhr
Der weiße Tod als Gefahr für Lebensretter
Lawinenabgänge bergen auch Gefahr für die Einsatzkräfte. Bergrettung Vorarlberg/Christoph Schöch (Symbolbild), Landespressestelle

Die angespannte Lawinensituation in Vorarlberg forderte jüngst ein Todesopfer. Die NEUE hat mit einem Lawinenexperten und einem Bergretter über Verantwortung am Berg gesprochen.

Am Mittwoch verstarb ein 42-Jähriger bei einem Lawinenabgang am Sonnenkopf. Er war mit seinem Sohn im freien Gelände unterwegs, wo er auf eine Wechte trat und so eine Lawine auslöste. Diese begrub den Mann unter sich. Trotz schnellen Eintreffens der Bergrettung, verstarb er vor Ort.

Die NEUE hat sich umgehört, was essenziell ist, um sich möglichst sicher in den Bergen zu bewegen. Dabei stellt sich nicht nur die Frage nach den Risken für Freizeitsportler, sondern auch, welchen Gefahren Retter im Einsatz ausgesetzt sind.

Mächtige Triebschneepakete

Andreas Pecl vom Vorarlberger Lawinenwarndienst beschreibt die aktuell angespannte Situation: Der Wind verfrachte den Schnee, wodurch mächtige Triebschneepakete entstehen. Triebschnee ist mit der darunter liegenden Schicht schlecht verbunden. Die Befahrung könne entsprechend Lawinen auslösen. Bei der aktuellen Lawinenwarnstufe Vier (von maximal Fünf) sei das durchaus zu erwarten, so Pecl. Durch die neuen Schneefälle bleibe die Situation vorerst angespannt. Er rät Wintersportlern daher ausdrücklich zu defensivem Verhalten und auf den markierten Abschnitten zu bleiben.

Gefahr für die Bergrettung

Eines darf nämlich nicht vergessen werden: Nach einem Lawinenunfall ist auch das Leben der Helfer bedroht. Erich Rauch ist seit 53 Jahren bei der Bergrettung und hat an zahlreichen Lawineneinsätzen teilgenommen.

Er betont, dass bei jedem Einsatz eines im Vordergrund stehe: „Zuerst heißt es einmal Leben retten.“ Schuldzuweisungen zählen in diesem Moment nicht. Doch es gibt auch eine Kehrseite. Besonders in Erinnerungen blieben Rauch manch tragische Momente. „Es ist auch schon vorgekommen, dass wir eigene Kollegen bergen mussten.“

Rauch beschreibt die Bedingungen vor Ort. So liegen Abbruchstellen im freien Gebiet oberhalb des Suchgebiets und es könne sich jederzeit wieder eine Lawine lösen. Zudem sehen sich Retter einem engen Zeitfenster gegenüber.

„Innerhalb von 15 Minuten muss man vor Ort sein.“ Wenn man den Verschütteten nicht gleich findet beispielsweise durch ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), beginne die systematische Sondierung – und diese könne sehr lange dauern. Daher erachtet er ein LVS – umgangssprachlich „Piepser“ – als wichtigsten Teil der Notfallausrüstung.

Wissen, was zu tun ist

Andreas Pecl macht aber deutlich: „Die Ausrüstung heißt ‘Notfallausrüstung’. Man sollte durch das Verhalten verhindern, dass es zu einem Notfall kommt.“
Kurse und regelmäßige Übung seien zentral. Auch Ausrüstungsgegenstände wie einen Lawinenairbag müsse man bedienen können. Laut Pecl sei dieser auch „der einzige Teil einer Notfallausrüstung, der verhindern kann, dass man verschüttet wird“. Aber: Die äußeren Bedingungen müssen mitspielen. Der Airbag selbst sei keine Lebensversicherung. So helfe er zum Beispiel bei einem Absturz überhaupt nicht.

Ebenfalls sicherheitsrelevant ist die richtige Tourenplanung. Im Winter seien speziell die Informationen des Lawinenwarndienstes wichtig.

„Der aktuelle Lawinenbericht ist das das Um und Auf“, erklärt Pecl. Neben einem Wetterbericht enthalte dieser Informationen zur Beschaffenheit von Schneedecken und Sichtverhältnissen. Wichtig sei, dass der Bericht eine regionale Übersicht biete.

„Wir beurteilen bestmöglich tagtäglich die Situation, somit bieten wir eine Übersicht für die Wintersportler“, erklärt Pecl. Wer unterwegs sein will, habe hierdurch wichtige Instrumente. Der Lawinenwarndienst stellt diese umfangreichen Informationen zur Verfügung. Dennoch sollten sich die Sportler auch mit dem Thema auseinandersetzen und Wissen aufbauen, was es zu beobachten gilt.