Sport

Eine Talschaft feiert ihren größten Sohn

21.02.2026 • 22:33 Uhr
Eine Talschaft feiert ihren größten Sohn
Alessandro Hämmerle erfüllte im Anschluss an den Empfang buchstäblich hunderte Autogramm- und Fotowünsche. Klaus Hartinger

Am Freitag wurde Alessandro Hämmerle nach seinem zweiten SBX-Olympiasieg in seiner Heimatgemeinde Gaschurn mit einem Empfang geehrt. Die NEUE war an seiner Seite.

Freitag, 17.50 Uhr in der Pension Rudolph, Stammhaus der Familie Hämmerle in Gaschurn. Mit einem freudigen „Kommt rein“ begrüßt Mama Caterina Hämmerle das NEUE-Team und ruft uns in die Küche. In knapp eineinhalb Stunden beginnt bei der alten Talstation der Empfang für ihren Sohnemann, um 19.30 Uhr soll die Familie die Bühne betreten. Ab 18.30 Uhr können die eingeladenen Medienvertreter in der Gaststube der Pension vorab ein Interview mit Alessandro Hämmerle führen.
Doch noch hat der Abend keinen offiziellen Anstrich – und noch sind auch noch gar nicht alle von der Hämmerle-Familie da. Gino Hämmerle hat von allen die weiteste Anreise, der Mediziner reist aus Stockholm von einem Ärztekongress an. Eigentlich hätte der Kongress noch einen Tag länger gedauert, doch den Olympiasieger-Empfang für seinen Bruder lässt sich der Älteste der Hämmerle-Brüder freilich nicht entgehen, er wird für etwa 19 Uhr erwartet.

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Alessandro Hämmerle ist sich nicht zu schade, selbst die Getränkewünsche seiner Gäste zu erfüllen. Klaus Hartinger

Fahnenträger
Auch Ginos Freundin Lina sowie Izzis bessere Hälfte Julia sind noch nicht eingetroffen. Der Hauptdarsteller des Abends, der, um den sich gleich alles dreht, Alessandro Hämmerle, dagegen ist schon da. Sogleich begrüßt er uns, und schnell wird entschlossen, auf den Olympiasieger anzustoßen. „Schön, dass ihr ein bisschen früher gekommen seid, bevor der Trubel losgeht“, befindet Izzi, passend zum geplanten Trinkspruch kommt auch der Jüngste der Hämmele-Brüder Luca dazu. In solchen Momenten ist Alessandro nicht der hochdekorierte Sportler, der eine Ära im Snowboardcross geprägt hat, und schon gar nicht der Wintersport-Weltstar, sondern einfach nur Izzi, der sich auch nicht zu schade ist, die Getränke auszuschenken. Kontrastiert wird diese gutbürgerliche Normalität freilich recht schnell wieder vom Gesprächsstoff.
Hämmerle hat vor ein paar Stunden die Information bekommen, dass er bei der Abschlussfeier der Spiele am Sonntag in Verona die österreichische Fahne tragen darf. „Das ist eine riesengroße Ehre. Eigentlich wollte ich nur zum ersten Mal überhaupt bei einer Eröffnungs- oder Abschlussfeier dabei sein, das habe ich nämlich noch nie geschafft. Ich war daher schon froh, dass die Anmeldung geklappt hat – und dann plötzlich wurde ich als Fahnenträger nominiert“, erzählt der Boardercrosser, „wie genau der Ablauf ist, weiß ich noch gar nicht.“ Inzwischen füllt sich die Küche immer mehr, Izzis Schwiegereltern Andreas und Sabine sind ebenso eingetroffen wie Gattin Julia.

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Izzi ganz privat: Der Olympiasieger feixt mit seinem Onkel Raffaele, die Stimmung ist gelöst und locker. Klaus Hartinger

Berührend
Jetzt präsentiert Mama Hämmerle stolz einen Brezel, den sie in Form der olympischen Ringe gebacken hat – so wie schon vor vier Jahren. Als dann nach und nach die ersten anderen Medienvertreter eintrudeln, wird das Beisammensein in die Gaststube verlagert. Die meisten Gäste versammeln sich vor und hinter der Bar. Mama Caterina erzählt: „Bei Izzis erstem Olympiasieg haben wir für die Familienmitglieder und engsten Freunde vor dem Empfang ein Essen veranstaltet“, erinnert sie sich an die damals volle Gaststube und betont, „dieses Mal haben wir uns gesagt, dass wir uns das Essen fürs Frühjahr aufsparen, dann können wir nochmal feiern. Und zwar alle, die in Livigno dabei waren.“
Papa Hanno Hämmerle wirkt indes ein bisschen zurückgezogen, er lacht mit, sagt dann und wann auch was, aber das Familienoberhaupt genießt den Moment sichtlich still, bis er erzählt: „Ich weiß noch, wie ich in den ersten Jahren die Europacupergebnisse von Gino und Izzi per E-Mail an die Sportredaktionen verschickt habe, es kommt mir vor, als wäre das gestern gewesen. Und jetzt ist Izzi Doppelolympiasieger“, staunt Hanno Hämmerle. Man spürt, wie ergreifend dieser Augenblick für ihn ist, und wer genau hinsieht, kann bei ihm eine Träne im Augenwinkel erkennen.

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Die Hämmerles hinter der Bar der Pension Rudolph: Bruder Gino, die Eltern, Izzi mit Gattin Julia sowie Ginos Freundin Lina. Verdeckt: Luca Hämmerle. Klaus Hartinger

Meisterleistung
Als ob Papa Hämmerle dem Augenblick die Schwere nehmen will, fragt er: „Hat Izzi das im Finallauf gegen Grondin nicht hervorragend gemacht? Wie er ihn vorneweg fahren hat lassen und dann im Zielhang die Attacke setzte. Das war eine Meisterleistung, aber wem sage ich das, das war ja alles bei euch nachzulesen.“ Nun wird ohne unser dazutun die angesprochene NEUE-Reportage von vorigem Sonntag zu Hämmerles zweitem Olympiasieg zum Thema. „Ihr habt mit dem Bericht den Tag festgehalten, ich habe den Artikel genossen“, befindet Luca Hämmerle. Die NEUE war an jenem geschichtsträchtigen Donnerstag vor einer Woche sogar zu Hämmerles privater Siegesfeier eingeladen, die zunächst auf der Terrasse von Miky’s Après-Ski-Bar stattfand.
Bis sich dann unsere Abreise nicht mehr weiter nach hinten verschieben ließ und wir zurück in die Heimat aufbrachen. „Ihr habt danach nicht mehr viel mehr verpasst“, schildert Gattin Julia, „wir sind kurz nachdem ihr gegangen seid zu den Serviceleuten und haben dort etwas weitergefeiert. ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober hat dabei eine kurze Rede gehalten. Danach stand dann schon der offizielle Empfang an, wo Izzi gleich zur Pressekonferenz musste. Hinterher konnte er dann etwas zur Ruhe kommen, aber bis dahin zog sich der Abend ganz schön hin.“ Und dann gewährt Izzis Ehefrau einen ganz besonderen privaten Einblick und erzählt, wie sie und der da noch kranke Alessandro die NEUE-Reportage aufgenommen haben: „Ich habe Izzi am Sonntagmorgen euren Artikel vorgelesen. Wir waren beide begeistert. Genau so ist der Tag abgelaufen.“ Der angesprochene Olympiasieger gibt inzwischen die anberaumten Interviews, die NEUE hat keines angefragt, wir bleiben in der Beobachterrolle.

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Izzis Gattin Julia freut sich auf den Empfang, neben ihr, wie unschwer erkennbar, ihre Mama Sabine. Klaus Hartinger

Zurück aus Stockholm
18.40 Uhr. Gino Hämmerle hat es tatsächlich geschafft, pünktlich aus Stockholm zurückzukehren. Die Freude bei den Hämmerles ist groß, dass alles geklappt hat. Sogleich erzählt Gino, dass er Glück bei der Destinationswahl hatte: Wäre er via München geflogen, hätte er über Göteborg heimfliegen müssen und hätte so die Feier verpasst. „Das hätte ich wirklich sehr bereut“, erklärt der Arzt, der vom hochkarätigen Kongress mit 10.000 Teilnehmern und einigen der größten Koryphäen auf ihren Fachgebieten erzählt.
Längst auch in der Gaststube der Pension Rudolph angekommen sind mit Raffaele und Stefano zwei weitere Verwandte des Olympiasiegers. Hämmerle hat inzwischen alle Interview- und Fotowünsche erfüllt und ist zurück bei der Gruppe. Es wird gelacht, Anekdoten erzählt, bis dann Izzi auf die Uhr blickt und schmunzelnd sagt: „Schön langsam muss ich mich bereit machen, nicht dass ich zu meiner eigenen Feier noch zu spät komme.“ Auf den Hinweis, dass man ohne ihn eh nicht mit der Feier beginnen könne, entgegnet der 32-Jährige lachend, aber mit ernstem Unterton: „Schon, aber es wäre nicht nett, die Menschen warten zu lassen.“

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Alessandro Hämmerle macht sich um 19.14 Uhr bereit zum Abmarsch. Er will keinesfalls zu spät sein. Klaus Hartinger

Sektempfang
Es ist 19.10 Uhr. Hämmerle macht sich langsam zum Abmarsch bereit, bis zur alten Talstation sind es nur ein paar Gehminuten. Die anderen Medienvertreter sind bereits zum Empfang aufgebrochen, wir bleiben an der Seite der Hämmerles. Auf dem Weg zur Feier erzählt Ginos Freundin Lina, dass sie nach der Rückkehr aus Livigno, am Freitag vor einer Woche, etwas aufgekratzt war.
„Der Renntag war so nervenaufreibend, die Feier bei der Après-Ski-Bar so hektisch und der ganze Tag so emotional, dass ich irgendwie noch immer unter Strom stand. Ich habe nach unserer Rückkehr angefangen zu backen und zu putzen“, erzählt sie lachend und nickt zustimmend, als wir sie fragen, ob wir das erwähnen dürfen. Alessandro Hämmerle legt den matschigen Weg zur Feier Hand in Hand mit seiner Julia zurück, sein Gesicht ziert ein Lächeln, das freudige Erwartung verrät. Ein bisschen nervös ist er zwar schon, aber das gehört dazu.
Bei der alten Talstation angekommen macht Hämmerle und der Feiertross einen kurzen Abstecher ins Lokal, wo er mit einem Glas Sekt empfangen wird. Jetzt wird Izzi tatsächlich doch etwas nervös, sagt hastig: „Wir können sehr gerne anstoßen, aber danach muss ich zur Bühne.“

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Die Hämmerles stapfen zum Empfang, Seite an Seite mit ihnen ist NEUE-Sportchef Hannes Mayer: Man hat sich viel zu erzählen. Klaus Hartinger

Spalier
Doch wie es so ist, wenn ein Olympiasieger das Lokal betritt, natürlich scharen sich sofort die Gäste um ihn, jeder will ein Foto mit dem Olympioniken. Obwohl die Zeit drängt, bringt er es nicht übers Herz, die Fotowünsche abzulehnen. Selbst als beim Hinausgehen die Niederländerinnen Sandra und Anneke, Touristen aus der Fußballstadt Eindhoven, noch um ein schnelles Foto mit ihm und seiner Goldmedaille bitten. Trotz allem halten Hämmerle und die Seinigen das Prozedere ein. Pünktlich um 19.30 Uhr ist er am vereinbarten Treffpunkt, das Programm beginnt mit einem Spalierlauf, an dessen Ende Hämmerle von Landeshauptmann Markus Wallner empfangen wird. Jetzt wird Izzi und dessen Familie auf die Bühne gerufen. Es folgt vor rund 500 Gästen der offizielle Teil mit vielen Reden und Glückwünschen, nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Goldmedaillengewinner kommen auch Gattin Julia und Bruder Gino zu Wort.

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Bei der Alten Talstation wird Izzi mit Sekt begrüßt. Klaus Hartinger

Grundstück gesucht
60 Minuten dauert der Empfang, ehe Hämmerle erst einen Skipass fürs Montafon auf Lebenszeit überreicht bekommt und schließlich an den 32-Jährigen ein Scheck als Belohnung für seinen zweiten Olympiasieg übergeben wird, gestiftet von der Silvretta Montafon, Gemeinde Gaschurn, Stand Montafon, Skiclub Gaschurn und Skiclub Montafon: Es sind 15.000 Euro. Dem Mann wäre allerdings wohl mehr geholfen, wenn man ihm in Abwandlung alter Arlberger Tradition zumindest bei der Suche eines Baugrunds unterstützen würde, wie Hämmerle mit einem Aufruf auf der Bühne andeutet: „Bitte meldet euch, wenn jemand von euch von einem verfügbaren Grundstück am Fuße des Hochjochs weiß.“ Danach betritt mit Martin Wachter der Geschäftsführer des langjährigen Hämmerle-Sponsors Golden Race die Bühne. Wachter übergibt dem Boardercrosser einen Scheck von 10.000 Euro. Jetzt endlich schlägt die große Stunde der Autogrammjäger. Die Bühne wird regelrecht gestürmt, viele Kinder, aber auch alte Bekannte des Olympiasiegers bitten ihn um eine Signatur, Fotos, Selfies – oder wollen einfach nur ein paar Worte mit ihm plaudern.

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Für Hämmerle wird beim Empfang Spalier gestanden. Klaus Hartinger

Für die Gäste da
Über 40 Minuten ist Hämmerle bei klirrender Kälte für seine Fans da, dann folgt er den Gästen ins Lokal, wo im Obergeschoß die geladenen Gäs­te bei Gulasch mit Spätzle und dem ein oder anderen Bier feiern. Zu den Feiernden zählen nebst Landeshauptmann Wallner und Landessporträtin Martina Rüscher viele Weggefährten und Freunde von Hämmerle, wie Johannes Strolz, Mister McDonalds Vorarlberg Loek Versluis, SBX-Co-Trainer Gernot Raitmair oder eine Delegation des Olympiazentrum Vorarlbergs rund um Geschäftsführer Sebastian Manhart und Manuel Hofer. Auch jetzt noch ist es Hämmerle wichtig, sich bei den vielen Gäs­ten zu bedanken.

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Es ist bereits nach 22 Uhr, da geht Hämmerle noch immer durch die Gästereihen, hier ist er am Tisch von Loek Versluis. Klaus Hartinger

Überwältigt
Die Autogramm- und Fotowünsche reißen nicht ab. Es dauert bis nach 22 Uhr, bis der Star des Abends unter tosendem Applaus der Anwesenden am Tisch seiner Familie Platz nimmt, im Erdgeschoß legt mit DJ Sebastian Bronk ein Freund Hämmerles die Platten auf. Bevor sich die NEUE verabschiedet, resümiert Izzi den Abend: „Es war eine wunderschöne Feier, ich bin überwältigt und bedanke mich bei allen für die Wertschätzung. Es ist ein schönes Gefühl, dass sich so viele Menschen für mich mitfreuen.“ In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, lieber Izzi!