Ein halbes Jahrhundert Funkengeschichte in Dornbirn

1976 stand der „Schottar Funken“ in Dornbirn vor dem Aus, ehe ihn die Haselstaudner Fasnatzunft übernahm. Heute, 50 Jahre später, steht ein Jubiläum an. Ein anekdotenreicher Besuch bei den Aufbauarbeiten.
Womöglich würde es im Dornbirner Stadtteil Haselstauden heute keinen Funken geben, wenn die Fasnatzunft vor 50 Jahren nicht eine wegweisende Entscheidung getroffen hätte: Der Haselstauder Funken oder „Schottar Funka“, wie er im Dialekt genannt wird, war 1976 ein privat organisierter Funken, der kurz vor dem Aus stand. „Die Betreiber wollten aus organisatorischen Gründen aufhören. Da ist die Fasnatzunft eingesprungen und hat den Funken übernommen“, erklärt Manuel Parth. Der 34-Jährige ist seit 20 Jahren bei der Zunft dabei und seit zwei Jahren als Funkenmeister federführend beim Aufbau des Holzturms. Am Sonntag werden er und seine Zunftkollegen ob dieser Vorgeschichte den 50-jährigen Jubiläumsfunken entzünden.
funkenprogramm
Funkenbau
ab 10 Uhr: letzte Aufbauarbeiten mit Bewirtung
ab 15 Uhr: frische „Funkaküachle“ vom Meisterbäcker Luger
Kinderprogramm
13 bis 17 Uhr: Kinder können sich einen eigenen kleinen Funken zum Mitnehmen basteln; außerdem: Christbaumweitwerfen
19 Uhr: Kinderfunken
Abendprogramm
18.30 Uhr: Fackelzug von der Mittelschule Haselstauden zum Funkenplatz (DSV-Sportplatz) mit Begleitung der Haselstauder Musik
19.30 Uhr: Funkenabbrennen
Beim NEUE-Lokalaugenschein am Sportplatz des Dornbirner SV am Freitagnachmittag haben die ersten Aufbauarbeiten für den Funkensonntag bereits begonnen. Zehn Meter hoch soll der große Funken werden, vier Meter der Kinderfunken, der schon eine halbe Stunde früher startet. Im Jubiläumsjahr hat sich die Funkenzunft neben dem gewöhnlichen Rahmenprogramm (siehe Factbox oben) eine besondere Neuerung ausgedacht: Erstmals steht ein Wettbewerb im Christbaumweitwerfen auf dem Programm.

Auf die Frage, wie groß der Aufwand der Vorbereitungen ist, antwortet der Funkenmeister: „Etwa 30 bis 35 Leute sind über drei Tage hinweg am Funkenbau dran. Da kommen wir auf ungefähr 300 Arbeitsstunden.“

Als gelernter Zimmermann hat Parth fast schon naturgemäß einen Zugang zu Arbeiten mit Holz, zudem erfreut er sich der Gemeinschaft. „Wir bauen den Funken zusammen auf, haben eine ‚Gaudi‘ und zum Abschluss des Wochenendes ein gemeinsames Fest. Außerdem gefällt mir die Arbeit mit Holz“, beschreibt er seine Motivation.

Die Frage, ob eine Hexe auf der Spitze des Funkens steht, bejaht der 34-Jährige. „Ich habe dabei keinen Hintergedanken, für mich ist die Hexe ein Symbol“, erklärt er. „Im vorletzten Jahr hatten wir ein Fahrrad auf dem Funken. Da haben sich Leute aufgeregt, ob wir etwas gegen Fahrradfahrer haben. Danach sind wir wieder zurück zur Hexe.“

Für einen Blick in die Vergangenheit ruft der Funkenmeister nach Hugo Nussbaumer. Der 62-Jährige, seit 45 Jahren bei der Zunft, kommt sogleich herbei und plaudert aus dem Nähkästchen: „Nicht immer ist der Funken schon hier unten am DSV-Platz gewesen. Der erste Funken der Fasnatzunft vor 50 Jahren war in der ‚Bündt‘ von den Leiters am Hardacker oben. Die ‚Funkaküachle‘ hat man in ihrer Küche in der Pfanne zubereitet.“ Später sei der Platz in Hanglage zu klein geworden, ehe nach mehreren Wechseln der heutige Standort in den 90er-Jahren fixiert worden sei.

Bei den Anekdoten über die „Funkenwache“ – bei dieser bewacht eine Abordnung der Zunft den Funken vor dem vorzeitigen Anzünden – läuft Nussbaumer zur Hochform auf: „Einer aus unserer Zunft hat gewettet, dass er um Mitternacht oben auf der Funkenspitze steht. Wir haben den Funken bewacht bis aufs Letzte, aber als wir um zwölf Uhr auf die Spitze geschaut haben, ist er trotzdem oben gestanden.“ Der eifrige Kollege hat dafür keine Mühen gescheut, wie Nussbaumer weiter erzählt: „Der ist schon am frühen Abend gegen sechs Uhr, bevor der Funken bewacht war, unter den Holzhafen hineingekrochen und hat dort stundenlang ausgeharrt, nur um nicht erwischt zu werden.“ Für die gewonnene Wette waren dem findigen Kletterer einige Kisten Bier als Lohn gewiss.

Während Nussbaumer erzählt, haben Parth und die anderen Helfer bereits damit begonnen, den Grundstock des heurigen Funkens aufzustellen. Unterdessen gibt es prominenten Besuch aus dem Dornbirner Rathaus: Bürgermeister Markus Fäßler trifft ein. „Ich bin über zwei Tage hinweg unterwegs, um möglichst jeden Funken in der Stadt ein Mal zu besuchen. Das wird eine Challenge, weil es insgesamt 14 Funken in ganz Dornbirn gibt“, erklärt er. Haselstauden ist die erste Station.

Auf die Hexen-Debatte angesprochen, erklärt Fäßler: „Der Funken ist eine schöne Tradition, um den Winter auszutreiben. Das Objekt, das aufgestellt wird, muss ja keine Hexe sein, das kann auch ein anderes Symbol sein – wie auch immer. Die Funkenzünfte sind hier oft kreativ, das gefällt mir sehr gut.“ Sein Fazit: „Dornbirn ohne Funken wäre furchtbar.“
(NEUE am Sonntag)