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“Gerade für ältere Leute finde ich eine Gemeindefusion schwierig”

02.03.2026 • 17:03 Uhr
"Gerade für ältere Leute finde ich eine Gemeindefusion schwierig"
Günther Kofler (Hauptbild) spricht sich gegen eine Gemeindefusion Zwischenwassers aus. canva/prodinger (3)

Was wäre, wenn die klamme Gemeinde Zwischenwasser mit einer der Nachbargemeinden – zum Beispiel Rankweil – zusammengelegt würde? Eine Umfrage vor Ort.

Vorarlberg hat hinter Wien die zweithöchste Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinden im Österreich-Vergleich. Zudem haben 46 der 96 Vorarlberger Gemeinden laut einer SPÖ-Anfragebeantwortung durch Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) keine frei verfügbaren Finanzmittel. Ob dieser düsteren Lage brachten Rechnungshofpräsidentin Brigitte Eggler-Bargehr und die Neos in der vergangenen Woche einmal mehr das Thema Gemeindefusionen aufs Tableau.

Gedankenexperiment für Umfrage

Wohl am prekärsten ist die Lage in Zwischenwasser, wo die Gemeindevertretung, wie berichtet, bis dato noch kein Budget beschlossen hat. Die NEUE hat sich vor Ort umgehört, wie die Menschen in der Gemeinde über die Finanzsituation denken und was sie zu einer möglichen Gemeindefusion sagen.

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“Gerade für ältere Leute finde ich eine Gemeindezusammenlegung schwierig”, sagt Günter Kofler, mit dem die NEUE an seinem Gartenzaun spricht. Zu einer hypothetischen Fusion mit Rankweil befragt, begründet der 85-Jährige seine Ablehnung wie folgt: “Ich fahre nicht mehr mit dem Auto, also bräuchte ich jemanden, der mich nach Rankweil bringt. Aktuell muss ich zum Gemeindeamt nur die Straße hinuntergehen.” Außerdem sei ein Bürgermeister in einer kleineren Gemeinde einfach bürgernäher. Das weiß der seit 1948 in Zwischenwasser wohnhafte Kofler, schließlich war sein Stiefvater von 1950 bis 1965 Bürgermeister im Ort.

Umfrage Zwischenwasser
Günter Kofler äußert seine Bedenken hinsichtlich einer möglichen Fusion.

Vor dem Gemeindeamt ist Andreas Bachmann anzutreffen, der auf dem Bauhof in Zwischenwasser arbeitet. “Ich fände eine Gemeindefusion nicht gut. Es ist fraglich, ob das finanziell etwas bringt”, erklärt er. “Das Problem ist, dass es in der Gemeinde drei Schulen und drei Kindergärten gibt. Hier wird ohnehin eine Fusion angedacht.” Bachmann leistete bereits selbst einen Teil, um das Gemeindebudget zu entlasten: Er übernahm den Betrieb des Miniskigebiets Zwergberg in Furx, das sonst aufgrund der Finanzsituation der Gemeinde vor dem Aus gestanden hätte.

Umfrage Zwischenwasser
Andreas Bachmann verhinderte das Aus des Miniskigebiets Zwergberg.

Einige Schritte weiter, beim Kindergarten Muntlix, ist Teresa Scherrer anzutreffen. Bedenken hat sie angesichts der finanziellen Situation der Gemeinde kaum: “Wir sind der größte Kindergarten im Dorf. Es gibt Bedarf an Plätzen und wir haben noch welche zur Verfügung”, verdeutlicht die Kindergartenleiterin. “Außerdem braucht man im Kindergarten immer Personal, hier haben wir keinen Überschuss”, macht sie sich um möglichen Stellenabbau keine Sorgen. “Wenn wir die Finanzlage der Gemeinde zu spüren bekommen, dann wohl über weniger Budget, aber unser Kindergarten ist gut ausgestattet. Die Kinder würden die Folgen nicht direkt merken”, so Scherrer. “Wir sind stets im Austausch mit den anderen Kindergärten. So kann man sich vernetzen und untereinander Spielsachen austauschen.” Über eine mögliche Gemeindefusion macht sich die Kindergartenleiterin keine Gedanken, da sie nicht in Zwischenwasser wohnt.

Umfrage Zwischenwasser
Teresa Scherrer leitet den Kindergarten in Muntlix. Vor Kürzungen hat sie keine Angst.

Auf dem Hof der Volksschule in Muntlix trifft die NEUE einige Eltern an, sie wollten ihr Foto allesamt nicht in den Medien veröffentlicht sehen. Hier sind die Meinungen zu einer Gemeindefusion gespalten: “Mir wäre es im Prinzip egal, wenn ich auf das Gemeindeamt nach Rankweil fahren müsste”, sagt Doris Plank und fügt hinzu: “Ich kann aber auch nicht bewerten, ob das etwas bringt.” Tanja Vanderleu spricht sich klar gegen eine Zusammenlegung aus: “Das Dorfleben würde verloren gehen und die Wege zum Amt wären weiter. Lieber sollte man die Schulen innerhalb von Zwischenwasser zusammenlegen.” Aviyam Avraham hingegen befürwortet die Idee einer Fusion: “Größere Gemeinden mit mehr Leuten machen auf jeden Fall Sinn. Ich bin Banker, ich denke effizient und in Synergien.” Auch Leidy Rodriguez hätte nichts gegen eine Gemeindefusion: „Wenn enger zusammengearbeitet wird, ist das positiv.“ Eine Zusammenlegung der Schulen befürwortet sie: “Bei uns in Südamerika sind große Schulen normal.”

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)