Sport

“Die Menschen wollen sich identifizieren

07.03.2026 • 20:31 Uhr
"Die Menschen wollen sich identifizieren
Dietmar Stiplovsek

Hintergrund. Die NEUE traf im Schnabelholz SCRA-Vizepräsident Werner Gunz und Andreas Neuhauser, Kommunikationsleiter bei den Illwerken vkw, für ein Gespräch über ihre Partnerschaft „Green Energy“, die Maßstäbe setzt. Eine Diskussion über Werte und Nachhaltigkeit.

Bevor wir unser Gespräch über Nachhaltigkeit beginnen, kommen wir nicht an dem Machtmissbrauch vorbei, den ein ehemaliger Altacher Funktionär durch das heimliche Filmen der Spielerinnen der Frauenbundesliga-Mannschaft verübt hat. Was macht das mit Ihnen?
Werner Gunz:
In erster Linie macht es mich persönlich sehr betroffen. Als Verein tragen wir eine enorme Verantwortung gegenüber unseren Spielerinnen und Spielern – dieser Machtmiss­brauch einer Vertrauensperson hat uns eiskalt erwischt. Für den Umgang mit so einer Situation gibt es kein Handbuch. Deshalb war für uns sofort klar, dass wir professionelle Unterstützung brauchen. In der ersten Phase war die Zusammenarbeit mit Vera, der Vertrauensstelle gegen Belästigung und Gewalt in Kunst, Kultur und Sport, zentral. Dort wurden wir fachlich hervorragend beraten. Aktuell arbeiten wir zudem eng mit der zuständigen Stelle des Landes Vorarlberg zusammen, um unsere Schutzkonzepte weiterzuentwickeln. Gleichzeitig ist es wichtig, den Spielerinnen wieder Stabilität zu geben. Deshalb war es für uns ein starkes Signal, dass Bernhard Summer und Marina Sprecher zum Jahreswechsel ins Trainerteam zurückgekehrt sind. Bernhard kennt die Mannschaft wie kaum ein anderer, und Marina hat schon im Sommer einen hervorragenden Draht zu vielen Spielerinnen aufgebaut – genauso wie unsere Teammanagerin Katja Ziegler, die ein sehr wichtiges Bindeglied zwischen Verein & Mannschaft ist. In Zukunft wollen wir den Frauenanteil im Trainerteam weiter erhöhen und damit auch strukturell ein Umfeld schaffen, in dem sich Spielerinnen sicher und gut aufgehoben fühlen.

Es ist meiner Auffassung nach sehr wichtig, dass wir das Thema auch im Rahmen dieses Interviews ansprechen. Denn wir werden jetzt gleich über Werte, Vorbildcharakter und Nachhaltigkeit sprechen, was schon seltsam wäre, wenn wir den Fall nicht ganz offen thematisieren würden. Da entstünde eine schiefe Optik.
Gunz:
Es wäre falsch, dieses Thema zu tabuisieren oder auszublenden – gerade, wenn wir über Verantwortung, Werte und Vorbildfunktion sprechen. Wir wollen diese schmerzhafte Erfahrung schon auch nutzen, um aktiv dazu beitragen, dass so etwas nicht mehr passiert – weder bei uns noch anderswo.

So – und jetzt machen wir thematisch einen Schnitt und kommen darauf zu sprechen, was wir im Übrigen schon vor einiger Zeit vereinbart hatten: Ich beginne die Gespräche gerne mit sehr simplen Fragen, das möchte ich auch dieses Mal so halten, zumal unser Gesprächsthema sehr komplex und weitläufig ist: Hat man als Fußballverein auch eine soziale Verantwortung?
Gunz:
Eine sehr große sogar, weil der Wirkungsradius eines Vereins, speziell eines Fußballbundesligisten wie wir es sind, in der Region sehr groß ist. Außerdem entspricht es der Erwartungshaltung der Menschen, dass ihr Verein auch in der Gesellschaft eine Verantwortung übernimmt. Die Menschen wollen sich mit ihrem Verein, ihrem SCR Altach identifizieren können – und das über das Sportliche hinaus. Unsere Passion ist das Fußballspielen. Aber wir sind mitten in der Gesellschaft verankert, in so einer Position darfst du dich gar nicht aus der Verantwortung nehmen. Es gilt Werte zu leben und auch vorzuleben.

"Die Menschen wollen sich identifizieren
Werner Gunz (l.) und Andreas Neuhauser (r.) im Gespräch. Dietmar Stiplovsek

Jetzt könnte man bei den Illwerken vkw sagen, das ist eh ganz nett, dass ihr beim SCR Altach gerne Werte leben möchtet. Aber uns geht das eigentlich nichts an. Warum ist dieser Altacher Ansatz für euch so spannend, dass ihr mit dem SCR Altach eine „Green Energy“-Partnerschaft eingegangen seid?
Andreas Neuhauser:
Der Impuls für diese konkrete Partnerschaft ist auch stark von uns ausgegangen, im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums unseres Unternehmens. Ich glaube, mit den Illwerken vkw und dem SCR Altach haben sich zwei starke Partner gefunden, die sehr ähnlich denken, weil wir uns mit dem Erreichten nicht zufrieden geben. Sie brauchen sich ja nur hier im Stadion umzuschauen und sich dann daran erinnern, wie das Stadion vor zehn oder 20 Jahren ausgesehen hat. Als wir 2024 unser 100-jähriges Unternehmensjubiläum gefeiert haben, schauten wir natürlich auch auf die 100 Jahre zurück: Auf die Anfänge, die Meilensteine, aber wir haben noch mehr in die Zukunft geblickt, um konkrete Impulse für zukünftige Generationen zu setzen. Daraus sind mehrere Partnerschaften entstanden. Eine ganz wichtige ist die „Green Energy“-Partnerschaft mit dem SCR Altach.

Ist denn Nachhaltigkeit für die Illwerke vkw nicht ein Minusgeschäft? Man könnte ja die These aufstellen, dass es für euch ideal ist, wenn die Menschen nicht nachhaltig leben und sorglos Strom verbrauchen.
Neuhauser:
(schüttelt heftig den Kopf) Das hören wir natürlich immer wieder. Aber das entspricht nicht unserer Philosophie. Wir haben ganz klar ein gesellschaftliches Interesse daran, nachhaltig zu handeln. Wir denken volkswirtschaftlich und in all unseren Strategien ist ganz klar verankert, den Energieverbrauch zu senken – und dass wir unsere Kundinnen und Kunden dabei begleiten, weniger Energie zu verbrauchen und auf erneuerbare Energiequellen umzusteigen. Es geht um eine Wärmewende, eine Mobilitätswende, das sind alles Themen, bei denen wir ganz eng an der Seite unserer Kunden sind: Mit Beratungen, mit Dienstleistungen, mit Zukunftskonzepten. Werner Gunz hat es für den SCR Altach angesprochen, dasselbe gilt für uns: Die Menschen erwarten diese Nachhaltigkeit und Zukunftsausrichtung auch von uns. Wir sind schlussendlich ein Landesunternehmen, das kommt noch dazu. Aber auch wenn wir das nicht wären, sähen wir uns als verantwortungsbewusster Energieversorger in der Pflicht, für Nachhaltigkeit einzustehen. Mit der Partnerschaft mit dem SCR Altach erreichen wir sehr viele Menschen. Dieses Interview ist der beste Beweis dafür, dass wir mit unserer „Green Energy“-Partnerschaft unsere Botschaft in die breite Gesellschaft bringen können.
Gunz: Ich finde es auch sehr spannend, dass die NEUE das Thema im Sportteil aufgreift. Diese sehr breite und gleichzeitig tiefe Betrachtung des Sports ist ein Merkmal.
Hannes Mayer: Meiner Meinung nach darf und soll man über solch interessante Partnerschaften berichten, die weit über das Platzieren des Logos auf dem Trikot, der Bande oder dem Helm hinausgehen. Es geht dabei nicht darum, Werbung zu machen, sondern darum, aufzuzeigen, was mit und durch den Sport möglich ist. Ich verweise da auch gerne auf das Interview, das ich vor etwa zwei Jahren mit Johannes Strolz und dem BTV-Vorstandsvorsitzenden Gerhard Burtscher geführt habe: Die beiden gaben sehr spannende Einblicke in ihre Partnerschaft, die über das Karriereende von Strolz hinaus konzipiert ist. Über sowas muss man berichten können. Wichtig ist nur, dem Leser offen zu kommunizieren, dass eine Partnerschaft vorgestellt wird: Und das nicht aus Gefälligkeit oder Eigennütz, sondern der besonderen Sache wegen.
Gunz: Ich bin mir relativ sicher, dass das auch genau so ankommt bei den Lesern.

Ankommen ist das passende Stichwort. Ist denn bei den Menschen schon angekommen, dass der Strom nicht aus der Steckdose kommt?
Neuhauser:
Ich denke, gerade die schwierigen letzten Jahre haben vielen ins Bewusstsein gebracht, was für ein wertvolles Gut die Energie ist. Dass beim Energieverbrauch auf Effizienz geachtet werden muss. Dass auch die Energiequelle sehr entscheidend ist, ob wir unabhängig sind von äußeren Einflüssen oder eben nicht. Stichwort Ukraine-Krieg, der mit seinen vielen globalen Auswirkungen viele Menschen zum Nachdenken gebracht hat. Wenn man sich das anschaut, wie viele jetzt selbst Strom erzeugen mit Photovoltaikanlagen, bei wie vielen Einfamilienhäusern mittlerweile Speicheranlagen, Batteriespeicher eingesetzt werden, um die eigene Stromerzeugung bestmöglich nutzen zu können, dann zeigt das: Das Thema, woher kommt der Strom, wie viel verbrauche ich, wie effizient und wie unabhängig bin ich, ist etwas, was die Menschen im Land inzwischen sehr beschäftigt.

"Die Menschen wollen sich identifizieren
Der Austausch fand im Schnabelholz statt. Dietmar Stiplovsek

Um wieder den Bogen zum SCR Altach zu spannen: Wieso ist es denn wichtig, als Fußballverein Nachhaltigkeit zu leben? Man könnte meinen, für den SCR Altach ist die Tabelle wichtig und alles andere nur eine Nebensächlichkeit.
Gunz: So wollen wir beim SCR Altach nicht denken. Wir haben eine Verantwortung. Und darum ist es uns schon sehr wichtig, darüber nachzudenken, wie wir ein Vorbild sein können. Wir fühlen uns verantwortlich für die Gegenwart, für die Zukunft, auch abseits des grünen Rasens. Und darum ist auch diese Partnerschaft mit den Illwerken vkw entstanden: Weil wir uns nämlich gesagt haben, wir möchten uns mit einem erfahrenen Partner, der die Expertise hat, zusammentun, um uns beim Thema Nachhaltigkeit weiterentwickeln zu können.
Neuhauser: Wir sind ein großer Arbeitgeber im Land. Wir sind ein großer Lehrlingsausbilder. Wir verändern das Land. Die Wasserkraft hat das Land verändert. Als ein Teil dieses Landes, als ein Teil dieser Gesellschaft, wollen wir in Vorarlberg Akzente setzen, ein so großer Verein wie der SCR Altach ist dafür eine tolle Plattform. Denn in Kombination mit dem Sport, der Fußball ist mit ganz viel Emotion verbunden, erreichst du Menschen und kannst mit Maßnahmen eine Breitenwirkung erzeugen.

Das heißt?
Neuhauser:
Mit den Illwerken vkw und dem SCR Altach treffen zwei große Netzwerke aufeinander. Ich kann jetzt nur für uns sprechen, aber wir haben natürlich viele Partnerschaften. Und das ist auch ein großer Aspekt unserer Ausrichtung und konkret der „Green Energy“-Partnerschaft, dass wir Synergien suchen, dass wir unsere Partner untereinander vernetzen. Daraus entsteht zum Beispiel: Spieler vom SCR Altach sprechen in den Lerncafés der Caritas mit Kindern über gesunde Ernährung und Bewegung. Weil wir eben auch eine Partnerschaft mit der Caritas, speziell mit den Lerncafés, haben. Auch diese Partnerschaft ist aus dem Thema 100-Jahr-Jubliäum heraus entstanden, als wir uns gesagt haben, dass Bildung das entscheidende Zukunftsthema ist. Wir haben auch eine Partnerschaft mit der inatura, uns beindruckt die dortige Wissensvermittlung, wie eindrücklich wissenschaftliche Erkenntnisse, physikalische Themen, auch Energiethemen, an Familien und auch speziell an Kinder vermittelt werden.
Gunz: Dieses Nutzen von Synergien, dieser Austausch von Wissen und Erfahrung, dieses gegenseitige Voneinander-Lernen, dieses Nutzen von gemeinsamen Anliegen und Möglichkeiten war von der Stunde null an einer der Projektzugänge für uns. Aus diesem Netzwerk heraus entstehen Kooperationen und Aktionen, die sonst nie zustande gekommen wären.

Wie die Blutspende ktion?
Gunz:
Richtig. Wir durften da keine große Werbung machen, weil es eine Obergrenze von etwa 200 Blutspenden gab. Mit Werbung hätten wir weit mehr als die 220 Blutspenden geschafft. Anderes Beispiel: Im vergangenen Herbst gab es eine richtig tolle Aktion im Stadionumfeld. Die Gemeinde hat eine Reihe von Bäumen bereitgestellt, die ums Stadion herum gepflanzt werden sollten. Wir haben das mitgekriegt und nach Absprache mit unsrem Fanklub zum Bürgermeister gesagt: Unsere Fans und einige fleißige Helfer aus unserem ehrenamtlichen Arbeitsteam übernehmen die Bepflanzung. Dadurch hat die Gemeinde Kosten gespart und wir haben etwas in den Köpfen der Fans bewirkt.

Wie ist die Idee entstanden, eine weitere, die insgesamt dritte, Photovoltaik-Anlage im Schnabelholz zu installieren?
Gunz:
In vielen Fällen stellen sich die Unternehmer ja die Frage, ob sie eine PV-Anlage anschaffen sollen oder nicht. Unsere Frage war bei der Planung des Business-Gebäudes eine ganz andere: Welche Größe und welche Anlage ist die Beste für uns? Auch das ist ein Effekt unserer „Green Energy“-Partnerschaft mit den Illwerken vkw: Dadurch, dass wir uns als Verein fortlaufend mit Nachhaltigkeitsthemen befassen, entsteht ein völlig anderes, ein neues Denken. Mir wurde dann ein Angebot für die PV-Anlage vorgelegt. Damit war klar, was die Anlage kostet, und vor allem, was sie bringt – und danach haben wir gemeinsam im Verein entschieden, dass wir diese Photovoltaik-Anlage in der vorgeschlagenen Größe auf dem Business-Gebäude umsetzen. Wie Sie es richtig ausgeführt haben: Das ist schon die dritte PV-Anlage am Stadiongelände. Wir haben auf beiden Campus-Gebäuden eine installiert, die neue hat einen Spitzenwert von 180 kWp, damit ist sie die größte unserer drei Anlagen. Wenn das Business-Gebäude komplett fertiggestellt ist, werden wir die nächste Evaluierung durchführen. Dann prüft man, wie viel Strom wir verbrauchen, was uns hilft, unseren CO2-Fußabdruck weiter zu verringern.
Neuhauser: Das ist eine Haltung, nämlich die richtige Haltung dem Land Vorarlberg gegenüber, Haltung gegenüber natürlichen Ressourcen, der Zukunft – und ganz konkret der Energie-Zukunft. Es geht um die Frage, was kann ich jetzt für einen Beitrag leisten, dass auch unsere Enkel noch gut im Land Vorarlberg leben können. Und dabei wird die Energie-Zukunft, basierend auf unerschöpflichen Quellen, eine ganz gewichtige Rolle spielen.

"Die Menschen wollen sich identifizieren
Sozusagen gelebte Nachhaltigkeit: Gunz und Neuhauser tragen nach dem Gespräch die Sessel zurück in das Businessgebäude. Dietmar Stiplovsek

Spannend ist ja, dass eine Blue-GIS-Mittelspannungsanlage als Energieverteilungsmodul auf dem Stadiongelände installiert wurde. Ich habe mir sagen lassen, das ist eine besonders nachhaltige, gasisolierte Schaltanlage, die im Gegensatz zu herkömmlichen Anlagen, die klimaschädliche Gase verwenden, das Isoliergas „Clean Air“ nutzt. Die „Green Energy“-Partnerschaft geht also schon sehr ins Detail?
Gunz:
Technisch kann ich zu der Anlage nichts sagen, aber der Ablauf ist ganz spannend. Keiner bei uns im Verein hat gesagt: Wir brauchen eine Blue-GIS-Mittelspannungsanlage, ich darf das glaube ich pauschal sagen, dass keiner von uns je von einer solchen Anlage gehört hat. Wir brauchten eine neue Trafoanlage und das Elektro-Unternehmen, mit dem wir zusammenarbeiten, ist von sich aus mit dem Vorschlag auf uns zugekommen, dass für uns diese Blue-GIS-Mittelspannungsanlage das Richtige wäre. Weil, und das ist wirklich bemerkenswert, wir ja einen hohen Zugang zum Thema Nachhaltigkeit hätten. Das bedeutet, es ist bereits bei vielen angekommen, welche Philosophie wir verfolgen.

Inwieweit waren die Illwerke vkw in den Anschaffungs- und Installationsprozess der Mittelspannungsanlage involviert?
Neuhauser
: Unsere Netzspezialisten waren ganz sicher an dem Projekt beteiligt, es ist nämlich auch ein Teil unserer Partnerschaft mit dem SCR Altach, dass ein fachlicher Austausch stattfindet.
Gunz: Mal sind wir es, die auf die Illwerke vkw mit einer Projektidee zugehen, mal ist es umgekehrt.

Der Rasenschnitt wird als Biomasse zur Energiegewinnung genutzt – und das auch noch durch die angrenzende Biogasanlage Marte?
Gunz:
Das ist eine wirklich außergewöhnliche Geschichte. Hinter dem Profi-Campus befindet sich eine Landwirtschaft. Wir stellen dem Bauern unseren Rasenschnitt schon sehr lange für seine Biogasanlage zur Verfügung, auch das ist Nachhaltigkeit. Bis wir herausgefunden haben, dass der Strom, den der Landwirt mit seiner Biogasanlage produziert, bei uns eingespeist wird. Als kompletter Laie würde man meinen, dass es ja völlig logisch ist, dass der von uns produzierte Strom in die unmittelbare Umgebung fließt. Aber es ist purer Zufall, dass der Zählpunkt des Landwirts in unser Stromspeisungsgebiet fällt. Andreas, habe ich das jetzt richtig ausgedrückt?
Neuhauser: Ich bin in den technischen Feinheiten nicht bis im Detail im Bilde, aber das klang sehr richtig.
Mayer: Wobei ich jetzt einfach mal behaupten würde, dass es in diesem Gespräch nicht um die exakte Formulierung aller technischen Feinheiten geht.
Gunz: Und umgekehrt geht es uns bei der Partnerschaft nicht darum, alle Komponenten der benötigten Hardware aus Prinzip zu erneuern, sondern es geht ums Bewusstmachen: Was brauchen wir, aber auch: Was machen wir richtig, ohne es vielleicht schon zu wissen? Das Beispiel mit dem Rasenschnitt und dem Stromkreislauf passt da gut ins Bild. Es geht darum, Bestehendes sichtbar zu machen. Nicht mit dem moralischen Zeigefinger, sondern, um klar zu machen: Die Energiewende kann im Kleinen gelebt werden, es ist richtig, es fühlt sich gut an und es ist wertvoll.

Was mich erstaunt, ist, dass man in Vorarlberg und auch speziell beim SCR Altach so viel Wert darauf legt, dass die Zuschauer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Eigentlich könnte euch das doch völlig egal sein, wie die Zuschauer anreisen, Hauptsache, die Hütte ist voll, was ja ein legitimer Ansatz wäre.
Gunz:
Das wäre zwar legitim, aber sehr kurzsichtig und eben nicht nachhaltig gedacht. Ich selbst bin ein Fahrradliebhaber, ich komme eigentlich nur mit dem Fahrrad zum Stadion. Mobilität ist etwas, das für uns ganz wichtig ist. Wir beabsichtigen, die Fahrradabstellplätze stark zu erweitern. Da gibt es auch eine Episode dazu. Wir hatten vor ein paar Jahren einen Termin mit einem Vertreter von Bayern München bei uns auf der Geschäftsstelle. Dabei hat sich herausgestellt, dass wir im Schnabelholz mehr Fahrradabstellplätze als die Allianz-Arena haben. Wobei man dazu fairerweise einschränkend sagen muss, dass die Arena in München in der Peripherie steht. Trotzdem ist das schon ein Statement: Wir haben bei unseren Stadionbesuchern auch einen sehr hohen Anteil an öffentlichen Verkehrsteilnehmern. Das Thema Anreise hat viele Komponenten. Das geht im Kleinen bei der Rücksicht auf die Nachbarn los und geht im Großen beim Klimaschutz und dem CO2-Abdruck weiter. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach zu installieren ist das eine, aber das reicht nicht, das andere ist, intensiv darüber nachzudenken, was man tun kann – und wie man immer noch mehr tun kann. Das ist ein Ergebnis unserer „Green Energy“-Partnerschaft mit den Illwerken vkw.
Neuhauser: Wir treiben uns gegenseitig an. Wir haben seit Beginn unserer „Green Energy“-Partnerschaft vor einem Jahr zehn zusätzliche Aktivitäten umgesetzt, eigentlich waren für das erste Jahr zwei Projekte geplant. Das zeigt die Dynamik auf. Wir halten mit dem SCR Altach monatlich einen Austausch über die aktuellen Projekte und mögliche neue Projekte ab, bei uns übernimmt das Lena Fessler.
Gunz: Unser Beauftragter ist Manuel Willam.
Neuhauser: Der Austausch findet per Videocall statt, also auch da sind wir ökologisch unterwegs. Und ich weiß von Lena, dass sie vor diesen Gesprächen immer sehr bemüht darum ist, neue Ideen zu entwickeln.
Gunz: Das ist bei uns ganz genau so. Es heißt dann: Nächste Woche steht wieder ein Jour Fixe an, in das wir mit neuen Ansätzen gehen wollen. Um nochmal auf das Mobilitätsthema zurückzukommen: Als SCR Altach haben wir Besucher aus ganz Vorarlberg. Als Gastgeber liegt es auch in unserer Verantwortung, dafür zu sorgen, dass unsere Besucher eben nicht per Individualverkehr anreisen. Wir unterstützen Mitfahraktionen der Fans und planen, für entlegenere Regionen wie dem Bregenzerwald oder das Große Walsertal einen Fanbus zu organisieren. Das wird, und das ist der Clou an der Sache, ein Elektrobus sein. Das ist uns ganz wichtig.
Neuhauser: All das zeigt sehr gut auf, dass unsere „Green Energy“-Partnerschaft kein gewöhnliches Sponsoring ist. Wir befruchten uns gegenseitig und schaffen mit unseren Projekten eine Signalwirkung.
Gunz: Das ist ein ideales Schlusswort, das ich mit einem letzten Beispiel belegen möchte. Und zwar sind wir an unseren Metzgerei-Partner mit dem Wunsch herangetreten, dass unsere Bratwurst zu 100 Prozent aus Fleisch aus Vorarlberg bestehen soll. Der Metzger ist darauf eingegangen. Er hat sich das zertifizieren lassen. Das Tolle daran ist: Nicht nur wir bieten jetzt im Stadion Kalbsbratwurst aus Vorarlberg an, der Metzger hat sein Sortiment ebenfalls komplett umgestellt und bietet auch nur noch Kalbsbratwurst mit 100 Prozent Fleisch aus Vorarlberg an. Das ist ein Mehrwert für die heimischen Landwirte und gut für den CO2-Fußabdruck. Das heißt also, unsere Ideen ziehen immer weitere Kreise – und das soll auch so weitergehen. Wir wollen Vorbilder sein, indem wir vorangehen und so andere dazu ermutigen, unseren Weg mitzugehen.