SCRA hat einen riesigen Schritt gemacht

NEUE-Experte Alex Guem kommentiert in einem Gastbeitrag Altachs Cup-Final-Einzug.
Was war das für ein selbstbewusster und abgeklärter Auftritt des SCR Altach im Cup-Halbfinale in Salzburg. Der SCRA ist nicht glücklich weitergekommen, sondern war die bessere Mannschaft – die Salzburger waren eigentlich sogar noch gut bedient mit dem 0:1. Klar, in den ersten 20 Minuten hatte Altach noch etwas Respekt, das ist normal, aber nach dem ersten gelungenen Angriff kam die breite Brust zurück. Dieses Selbstvertrauen beruht nicht nur darauf, dass man im Frühjahr noch ungeschlagen ist, sondern wie verdient man die Siege und Punkte holte.
Man war schon im Cup-Viertelfinale gegen Sturm Graz die bessere Mannschaft, genauso in der Liga gegen Austria Wien – und mir hat auch gefallen, dass man nach dem 1:1 gegen Rapid nicht wirklich zufrieden war. Der SCR Altach präsentiert sich im Frühjahr wie ausgewechselt, und das ohne Neuzugang. Im Gegenteil: Mit Paul Koller hat sogar ein Stammspieler den SCRA verlassen.
Neu ist unter Anführungszeichen „nur“ der Trainer, aber Ognjen Zaric hat diesen Verein verändert. Ich will jetzt im Detail keine Vergleiche zu seinem Vorgänger Fabio Ingolitsch anstellen, aber was die Altacher jetzt spielen, hat nichts mehr mit dem zu tun, wie der SCRA im Jahr 2025 aufgetreten ist. Bei Altach hat man sich sehr oft an den Stärken des Gegners orientiert, dadurch konnte keine eigene Spielphilosophie entstehen. Und ja, natürlich muss man bei Altach schon im Hinterkopf haben, gegen wen es geht. Aber wenn du von Wochenende zu Wochenende, von Spiel zu Spiel, deine Ausrichtung änderst, dann kann nichts wachsen. Zaric lässt die Altacher attackieren, auch gegen Salzburg. Beim Tabellenführer wussten sie gar nicht, wie ihnen geschieht.
Ein Sinnbild für den Altacher Wandel ist Filip Milojevic. Der Bursche hat im ersten Jahr praktisch keine Einsatzminuten bekommen, unter Zaric ist er nicht nur Stammspieler, sondern absoluter Leistungsträger. Mich überrascht das nicht: Xavi Alonso hat ihn bei Bayer Leverkusen zum Profitraining geholt, er durfte in Testspielen ran: Das schaffst du nicht einfach so, Alonso zieht keine jungen Spieler in den Trainingskader hoch, wenn er nicht komplett überzeugt ist. Was mir auch gefällt, ist, dass die Altacher Abwehr mit Benedikt Zech, Lukas Jäger und eben Milojevic aus Vorarlbergern besteht, und hinter ihnen im Kasten steht mit Dejan Stojanovic noch ein Vorarlberger.
Heute kämpft Altach auswärts bei Sturm Graz um die Meistergruppe. Ein Punkt reicht auch dann nicht, falls Rapid bei Salzburg verliert. Das heißt, Altach muss wieder Mut beweisen. Wenn man wieder sein eigenes Spiel durchzieht, attackiert, statt sich zurückzuziehen, dann ist dieser Sieg möglich. Sturm wirkt mir nicht gefestigt, im Gegenteil, auf mich machen sie einen noch wackligeren Eindruck als im Herbst. Das heißt nicht, dass Altach heute auf Teufel komm’ raus alles nach vorne werfen soll. Es gilt giftig zu sein, aktiv, und wenn es dann eine Viertelstunde vor Schluss Unentschieden steht, dann kann man den Schalter umlegen.
Optimistisch stimmt mich auch die Standardstärke der Altacher: Patrick Greil schlägt fantastische Ecken, dass selbst Spieler wie Jäger plötzlich zu Kopfballmonstern werden: Nicht böse sein, Luki, wenn du das liest, du weißt, wie es gemeint ist: Die Torgefahr war bislang kein ständiger Begleiter in deiner Karriere. Und doch steht Jäger jetzt plötzlich richtig und köpft wie selbstverständlich ein.
Ich bin mir sehr sicher, dass Altach heute getragen von einer Euphoriewelle spielt und sehe überhaupt keine Gefahr, dass gegen Sturm der Fokus fehlt. Der SCRA hat nichts zu verlieren, wenn es nicht für die Meistergruppe reicht, dann ist es halt so – auch dann bleibt es dabei, dass der SCR Altach einen riesengroßen Schritt gemacht hat in dieser Saison und ganz speziell, seit Ognjen Zaric übernommen hat.
So macht der SCRA wieder Spaß und erreicht die Herzen der Fans. Am 1. Mai in Klagenfurt wird die Luft brennen. Und wer weiß, was bis dahin alles noch passiert.
