Die Harder Qualität setzt sich durch

NEUE-Experte Dominik Schmid analysiert das gestrige HLA-Derby, bei dem der Alpla HC Hard einen 35:30-Auswärtssieg in Bregenz feierte.
Hard hat das Derby verdient gewonnen, weil sich die individuelle Qualität der „Roten Teufel“ durchgesetzt hat. Bregenz hatte vor der Pause eine sehr gute Phase und hat so ab der 15. Minute am obersten Maximum des Möglichen gespielt, gerade auch auf der Torhüterposition. Ansonsten war es das erwartet schwierige Derby für die Bregenzer.
Der Alpla HC Hard ist stark ins Derby gestartet und ist schnell auf plus vier (3:7) davon gezogen. Dann drehte sich die Partie. Weil die Bregenzer viel stärker wurden, aber auch, weil bei Hard so ein bisschen der Schlendrian reinkam. Man hat zu viele einfache Fehler gemacht, halbrechts hat Mathias Hild vor dem Tor zu viel liegen gelassen und auch Lukas Fritsch hat in der ersten Halbzeit nicht seine Qualitäten auf die Platte gebracht. Außerdem war auch die Torhüterleistung vor der Pause nicht gut genug bei Hard. Zur Pause lag Bregenz mit 14:12 vorn. In früheren Zeiten wäre es kompliziert für Hard geworden, auswärts bei der tollen Stimmung das Momentum der Bregenzer wieder zu brechen. Aber inzwischen ist der Qualitätsunterschied so groß, dass recht klar war, dass die „Roten Teufel“ in der zweiten Halbzeit das Spiel auch schnell wieder drehen können. Außerdem war auch klar, dass Bregenz diese Intensität vermutlich nicht durchhalten kann. Gerade in einer Englischen Woche mit drei Spielen in sieben Tagen macht sich ein so knapper Kader wie der von Bregenz bemerkbar. Gleichzeitig haben die Harder den sicherlich breitesten Kader der Liga, auch wenn Neuzugang Martin Manaskov gestern noch nicht so viel Spielzeit bekommen hat.

Es gab daher keinen Schlüsselmoment, in der die Partie gekippt ist. Hard war einfach nach der Pause viel entschlossener und schärfer, Lukas Fritsch ist viel besser ins Spiel gekommen. Im Tor hat Golub Doknic eine ganz starke Leistung geboten und auch Spieler wie der zuvor fahrige Mathias Hild steigerten sich. Und dann ist es eben, wie es ist, dann bekommt Hard eine breite Brust und die Bregenzer werden sich bewusst, dass sie seit fast vier Jahren kein Derby mehr gewonnen haben: Zu Hause warten sie sogar schon sieben Jahre auf einen Sieg gegen Hard. Diese Statistiken hat man als Spieler im Hinterkopf, man bewahrt als Harder die Ruhe, wenn es nicht läuft, und verliert als Bregenzer so ein bisschen den Glauben, wenn einem das Spiel aus der Hand gleitet.
Wirklich neue Erkenntnisse hat das Derby nicht gebracht. Es war wieder zu erkennen, dass Bregenz durchaus Qualität hat: Louis Mönch und Mindaugas Dumcius sind Unterschiedsspieler, auch Srdjan Predragovic kann an dir an guten Tagen ein Spiel entscheiden. Nur danach wird es dünn. Es ist Bregenz zu wünschen, dass man es ins Vier-telfinale schafft, es wird eng, die Liga ist extrem ausgeglichen.

Die Vereine in Grenznähe profitieren enorm davon, dass die Ausländerregel gefallen ist, für die großen Vereine wird es immer schwieriger, sich zu behaupten. Es ist inzwischen alles möglich, das zeigt auch die Tabelle. Hard bleibt sicherlich weiterhin ein großer Titelkandidat, aber der Mannschaft fehlt die Konstanz: Solche Einbrüche wie gestern vor der Pause hat der Alpla HC Hard in dieser Saison fast in jedem Spiel, es fehlt also die Konstanz über 60 Minuten und es fehlt auch die Konstanz in der Saison überhaupt.
Auf gute Spiele folgen schwache Leistungen, die eigentlich mit nichts erklärbar sind. Hard kann Meister werden, aber auch im Viertelfinale ausscheiden. Für mich ist deshalb auch keine Überraschung, dass sich Hard am Ende der Saison von Trainer Hannes Jón Jónsson trennt.

Letztendlich hatte er zu wenig Erfolg. Ich glaube allerdings nicht, dass diese Entscheidung eine Auswirkung auf die laufende Saison hat: Die Spieler, die davor unter den Erwartungen geblieben sind, werden dadurch nicht besser, und die Spieler, die bislang überzeugt haben und vielleicht gerne mit Jónsson weitergemacht hätten, lassen sich deshalb nicht hängen. Das sind alles Profis, dass es nach einigen Jahren einen Trainerwechsel gibt, ist ein ganz normaler Vorgang im Spitzensport.
Eine Meisterprognose wage ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht: Fünf, sechs Teams haben das Potenzial, in den Play-offs den Durchmarsch zu schaffen. Am Ende kommt es darauf an, wer in der heißen Saisonphase das Momentum auf seiner Seite hat und auch mehr an sich glaubt. Gestern im Derby war das ganz eindeutig Hard, darum haben sie auch am Ende souverän mit 35:30 in Bregenz gewonnen.

