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Ein buntes Derby im Vorkloster

07.03.2026 • 21:19 Uhr
Ein buntes Derby im Vorkloster
Dietmar Stiplovsek

Themenschwerpunkt: HLA-Derby Bregenz Handball – Alpla HC Hard. Am Samstag ging in der Handball-Arena Rieden das Derby zwischen Bregenz und Hard über die Bühne. Die NEUE am Sonntag hat dabei viele interessante Menschen getroffen.

Schon bei der Parkplatzsuche im Großraum um die Burggräflergasse 11 im Bregenzer Vorkloster wurde eines klar: Es ist wieder Derbyzeit. Massen von Handballfans, in Gelb oder Rot gekleidet, säumten den Weg zur Handball-Arena Rieden. Schon etwa 90 Minuten vor Spielbeginn stimmten sich die Fans bei Wurst und Kaltgetränk auf das Spiel ein, das in beiden Lagern, sowohl für die Bregenzer als auch für die Harder, zweifelsohne den Höhepunkt in der HLA-Meisterliga darstellt. „Die Harder sind vorne, aber dieses Mal werden wir sie schlagen. Wir spielen ja zu Hause, das ist unser Vorteil“, war aus einer Gesprächsrunde vor dem Eingang zu hören. Der ältere Herr trug einen gelben Dress mit der Rückennummer 13, wohl ein Anhänger von Mindaugas Dumcius, Rückraumspieler bei Bregenz Handball. Ein Roter, der beim Gespräch mitgehört hatte, Rückennummer 22, Dejan Babic, kam nicht umhin, seinem „Gegner“ etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Favorit sind wir, das ist ganz klar. Wir sind Tabellenführer, und wir werden in dieser Saison endlich wieder Meister“, so der junge Hard-Fan.

Ein buntes Derby im Vorkloster
Es gab Schiedsrichterentscheidungen während der Partie …
Ein buntes Derby im Vorkloster
… die bei beiden Anhängerschaften nicht unbedingt auf Anklang gestoßen sind.

Die Halle bebt

Tür auf, rein in die Arena, es sind noch 30 Minuten bis zum Spielbeginn. Schon jetzt ist der Lärmpegel derart hoch, dass beim Bestellen des gespritzten Apfelsafts erst die Dame hinter dem Tresen nochmals nachfragen muss, was denn das Getränk der Wahl sei, und auch auf der anderen Seite der Bar wird drei Mal um die Wiederholung des zu zahlenden Preises gebeten. Ja, es ist laut, ja es ist heiß, ja, die Halle ist ausverkauft, ja, die Halle bebt. Den Menschen ist die Vorfreude auf dieses Vorarlberg-Derby anzusehen, vor allem anzumerken. Spannung liegt in der Luft.
Manch einer bringt sich mit den dumpfen, rhythmischen Klängen der Trommeln in Stimmung, die aus beiden Fanlagern von der Tribüne dröhnen. Zu denen, die auf der Harder Seite für die musikalische Unterstützung sorgen, gehört Daniel. Er sitzt seit dem Jahr 2019 mit seinem Instrument bei jedem Heimspiel auf den Rängen und sorgt für Stimmung. Versäumt hat er nur zwei, das weiß er ganz genau. Seine Trommelkollegen Chris­tian und Andrea sind seit vier Jahren in der Harder Perkussion-Abteilung tätig, haben noch kein einziges Heimspiel verpasst und fahren auch zu Auswärtsspielen mit.

Ein buntes Derby im Vorkloster
Ein buntes Derby im Vorkloster
Oben trommelt Daniel für den Alpla HC Hard, darunter sind seine Kollegen Christian (l.) und Isabella (r.).

Stolz auf beiden Seiten

Bei den Bregenzer Taktgebern ist seit zwei Jahren auf Dieter Verlass. Auch er ist immer in der Handball-Arena, teilweise auch in der Fremde dabei. Und er bringt diesen Derby-Nachmittag wie folgt auf den Punkt: „Der Bessere soll gewinnen. Wir können stolz darauf sein, wenn man sich heute diese volle ‚Hütte‘ anschaut. Für mich ist ganz klar, dass Vorarlberg im österreichischen Handball ein starkes Zeichen setzt. Da ist Hard wie Bregenz und wer heute den besseren Tag hat, soll auch gewinnen“, erklärt der Handballfan.

Ein buntes Derby im Vorkloster
Dieter sorgt im Fanlager von Bregenz Handball für den richtigen Takt. Sein Kredo: „Möge der Bessere gewinnen“.

Hilfe jederzeit

In der ersten Reihe sitzen Isabella und Elke, ihres Zeichens Sanitäterinnen vom Roten Kreuz, die beim Derby ihren Dienst verrichten. Ehrenamtlich, versteht sich. Sie waren schon öfter hier, können dem Handballsport mittlerweile schon etwas abgewinnen. Und haben auch zu tun: „Sportverletzungen gibt es immer wieder, klar. Und da ist wirklich alles dabei. Finger, Zehen, dort ein Cut, da ein Kapselriss. Aber hier geht es ja ordentlich zur Sache“, erklärt Elke. Und wenn das Spiel zu Ende ist, können sich auch die beiden in ihr wohlverdientes Wochenende verabschieden.
Nach einem höchst emotionalen Derby, das sowohl auf der Platte als auch bei den Fans, Fingernägel kauen inklusive, am Nervenkostüm zerrte, ging es erst einmal in Richtung Zapfhahn oder an die frische Luft, um sich etwas abzukühlen.

Ein buntes Derby im Vorkloster
Isabella (l.) und Elke (r.) vom Roten Kreuz verrichten ihren Dienst in der Handball-Arena ehrenamtlich.

Tolle Stimmung aber…

Beim Verlassen der Handball-Arena wird noch etwas geplaudert, ein Herr mit nordischem Akzent erklärt: „Als das Spiel begonnen hatte, dachte ich die spielen in Slow Motion (lacht). Wenn man die dänische Liga sieht oder auch in Deutschland – da ist das Tempo viel höher“, sagt er lachend. Zur Erklärung: Der Herr heißt Kim und kommt aus Dänemark. Er lebt schon über 20 Jahre in Österreich und war das erste Mal auf einem HLA-Derby zwischen Bregenz und Hard. Ohne Umschweife verweist er auf den dänischen Stolz, den man der Nationalmannschaft in seinem Heimatland entgegenbringt. Zu Recht, ist doch Dänemark derzeit das Um und Auf in der Handball-Welt. „Allerdings habe ich so eine Stimmung wie heute auch noch nie erlebt. Das war großartig“, zeigt er sich beeindruckt.
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, einmal mehr war das Vorarlberger Derby ein Treffen von unterschiedlichsten Menschen, die alle als Gemeinsamkeit den Handballsport und dessen Emotionen in ihren Herzen tragen.

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Kim aus Dänemark ist, was Handball anbelangt, ein etwas anderes Tempo gewohnt. Dietmar Stiplovsek (7)