Neueröffnung in Hard: “Uns war es wichtig, etwas gegen den Leerstand zu tun”

René Bickel wagt den Sprung von der Politik ins Unternehmertum. Gemeinsam mit seiner Frau eröffnet er im April die „Drexelerei“, eine Fusion aus Bäckerei, Metzgerei und regionalem Lädele. Die NEUE erhielt eine Vorab-Einblick.
Fast genau ein Jahr ist es her, dass René Bickel in der Bürgermeister-Stichwahl in Hard dem Amtsinhaber Martin Staudinger mit nur 35 Stimmen weniger unterlag. Der 33-Jährige, der inzwischen das Amt des Vizebürgermeisters in der Marktgemeinde am Bodensee bekleidet, hat sich unterdessen einem neuen Projekt in einem gänzlich anderen Bereich gewidmet: Mitte April wird er gemeinsam mit seiner Frau Stephanie die „Drexelerei“ eröffnen. Das kleine Geschäft soll die verschiedenen Konzepte einer Bäckerei, einer Metzgerei, eines Cafés und eines regionalen Verkaufsladens verbinden. Die NEUE erhielt vorab einen Einblick in das Projekt.
Einrichtung in Arbeit
Gelegen ist die „Drexelerei“ mitten im Ortszentrum von Hard, schräg gegenüber vom ortsbekannten roten Fachwerkhaus des Hotels Krone, im früheren „Zwicklehus“. Die Räumlichkeiten präsentieren sich aktuell noch recht leer, einzig der Tresen in der Mitte des Raumes steht schon an Ort und Stelle. Mit den Schilderungen der Bickels lässt sich aber schon erahnen, wie sich das Geschäft innerhalb des nächsten Monats mit Leben füllen soll. „Da“, deutet Stephanie Bickel auf eine gelb markierte Linie am Boden, „wird eine Wand eingezogen, um Arbeitsbereich und Verkaufsfläche zu trennen. Dahinter kommen Tiefkühlzelle, Kühlschrank, Arbeitsfläche und Mitarbeiterbereich.“

Auf der gegenüberliegenden Seite ist die Trennwand bereits eingezogen, davor soll ein Sitzbereich eingerichtet werden. René Bickel erklärt: „Hinter der Wand ist vorerst ein Privatbereich. Später kommt der Raum als Erweiterungsfläche infrage, aber starten wollen wir noch klein.“ Die Zwischenwand soll unterdessen nicht leer bleiben: „Da wir stolze Harder sind, kommt hier eine schöne Luftaufnahme in Farbe vom Hafen und vom Dorf hin. Wir sind schon ganz gespannt, wie das aussehen wird“, drückt der Vizebürgermeister seine Vorfreude aus.
Außenbereich
Auch auf dem Vorplatz ist ein kleiner Sitz- und Stehbereich geplant, „damit man mitten im Dorf sitzen und schauen kann, wer denn so unterwegs ist. Es soll ein Ort der Begegnung werden“, sagt der 33-Jährige und seine Frau ergänzt: „Ab Mittag scheint hier die Sonne, dann ist es im Freien angenehm.“

Vom Eingang geradeaus gesehen, wollen die Betreiber Regale platzieren. „In diesem Bereich soll es Harder Produkte geben, von Gemüse über Eier bis hin zu Schnaps. Damit wollen wir den Produzenten aus dem Ort eine Plattform bieten, über die sie ihre Sachen verkaufen können“, schildert René Bickel. In der Mitte des Raumes, ergänzt er, werde eine Salattheke platziert. Neben den Einkaufsmöglichkeiten wird die „Drexelerei“ auch belegte Brote als Lieferung anbieten, etwa für Geburtstage oder Firmenfeiern.
“Bennos Leberkäse” lebt weiter
Den Kern der Produktpalette bilden Brot und Fleischwaren. „In Hard haben wir das Problem, dass es keine Metzgerei mehr gibt. Diese Nische wollen wir füllen. Bei uns gibt es verschiedene Sorten von Bennos Leberkäse, der hat viel Tradition im Dorf“, erklärt René Bickel. „Benno ist ein Metzger, der kürzlich in Pension gegangen ist. Wir führen sein Produkt quasi weiter.“ Dafür habe man sich extra die Expertise des Altmeisters geholt: „Er hat uns Tipps für die Zubereitung gegeben. Das ist schon ein wenig eine eigene Wissenschaft“, lacht der Neu-Unternehmer. „Außerdem haben wir eine Kooperation mit einer Hohenemser Metzgerei, von der wir Grillprodukte wie Fleisch, Würstchen und Burgerpattys beziehen.“

Auch den Bezug zum Brot hat er schnell erklärt: „Stephanie kommt aus der Hohenemser Bäckereifamilie Drexel. Deren Unternehmen liefert hauptsächlich an den Handel, die Gastronomie und die Hotellerie. Wir sind die Ersten in Vorarlberg, die alle Drexel-Produkte frisch in einer Bäckerei anbieten dürfen. „Es war uns wichtig, dass man nicht nur als Gastronom an die Produkte kommt, sondern auch als Endkunde“, ergänzt die 34-Jährige und ihr Mann führt aus: „Mir als Vizebürgermeister ist es wichtig, dass wir aktiv etwas gegen den Leerstand in Hard tun. Die beiden Ideen haben wir einfach miteinander verknüpft.“ Die Leerstands-Situation in Hard sei leider sehr schlecht, fügt er an: „Was man da tun kann, überlegen wir in der Politik sehr intensiv. Wir beide probieren jetzt, selbst aktiv zu werden.“
Schritt in neues Terrain
Das Ehepaar Bickel startet als Quereinsteiger in die Branche: Während es René nach angefangenem Jus-Studium in die Politik zog, arbeitete Stephanie 15 Jahre lang auf einer Bank, ehe sie sich der Betreuung der gemeinsamen Kinder widmete. Für beide ist es der erste Schritt in der unternehmerischen Selbstständigkeit. „Der Zuspruch aus der Bevölkerung ist extrem groß. Alle sind dankbar und unterstützen einen, das hilft und motiviert uns sehr“, freut sich der 33-Jährige.

Andere Unternehmer im Dorf sehen die beiden nicht als Konkurrenz: „Umso mehr Läden es gibt, umso mehr wird die Gemeinde belebt. Davon profitieren alle“, ist der Vizebürgermeister überzeugt.
Vorbereitung auf Hochtouren
Die Vorbereitungen für die „Drexelerei“ laufen nun schon seit gut einem halben Jahr. Größere Verzögerungen blieben den Neu-Unternehmern weitestgehend erspart, nur einmal zwickte es ein wenig: „Für die Backöfen benötigten wir eine neue Stromzuleitung, das war recht aufwendig. Ansonsten sind wir im Zeitplan“, sagt René Bickel und seine Frau ergänzt: „Es ist ganz spannend. Da gehören so viele Richtlinien und Auflagen dazu, die man gar nicht bedenkt, bevor man sich nicht mit so einem Projekt beschäftigt.“
Faschingsverein brachte Namen
Erzählenswert ist auch die Geschichte, wie die „Drexelerei“ zu ihrem Namen kam. „Einerseits greift es den Namen meiner Frau auf, andererseits die Bezeichnung für das Brothandwerk. Aber den Namen wollten wir erst gar nicht. Als die ‚Mufängar‘, der Harder Faschingsverein, im Januar zu ihrem großen Jubiläum eine Faschingszeitung herausbrachten, inserierten sie einseitig, dass wir bald an diesem Standort mit dem Namen „Die Drexelerei“ eröffnen würden“, erklärt der Bürgermeister. „Da haben wir uns gedacht: Eigentlich ist das gar kein so schlechter Name. Also haben wir ihn vom Harder Faschingsverein übernommen“, erzählt René Bickel grinsend die Anekdote.

Bleibt noch zu klären, was sich die Bickels mit ihrem Geschäft für die Zukunft erhoffen. „Wir möchten uns als Ort der Begegnung im Dorf etablieren, wo man sich treffen und hochwertige Produkte konsumieren und kaufen kann. Auf jeden Fall möchten wir auch wachsen.“ Vielleicht wird die „Drexelerei“ dann bald auch schon um den angrenzenden Raum erweitert.
Drexelerei – Brot & Feines
Hofsteigstraße 19, 6971 Hard
Eröffnung voraussichtl. 14. April
Öffnungszeiten: Di-Sa von 7.45 bis 13.00 Uhr, zusätzlich Mi und Fr von 14.30 bis 19.00 Uhr
(NEUE am Sonntag)