Nach der Wahlsensation: Fäßlers Premierenjahr als Dornbirn-Chef

Ein Jahr nach seinem überraschenden Wahlsieg zieht Dornbirns Bürgermeister Markus Fäßler (SPÖ) Bilanz. Der 46-Jährige über Verantwortung, politischen Stil, Herausforderungen und persönliche Veränderungen im Amt.
Als Markus Fäßler am 30. März 2025 die Stichwahl zum Dornbirner Bürgermeister mit 58,13 Prozent für sich entscheidet, war das mehr als ein Wahlsieg. Es war eine kleine politische Sensation und für ihn selbst ein Moment, den er bis heute genau vor Augen hat. „Für mich war dieser Tag unglaublich emotional und bewegend“, erinnert sich Fäßler im Gespräch mit der NEUE am Sonntag. „Natürlich war es ein extrem schöner Moment, aber gleichzeitig spürt man sofort die Verantwortung.“ Das Vertrauen der Bevölkerung habe ihn tief beeindruckt. „Das ist schon ein ‚Hammer‘, wenn man das so sagen darf.“ Und noch am Wahlabend sei ihm klar gewesen: „Jetzt geht es los, jetzt muss ich liefern.“

Mehr Miteinander
Das deutliche Ergebnis deutet der 46-Jährige nicht nur als persönlichen Erfolg – „das war ein starkes Zeichen des Vertrauens“ –, sondern auch als Stimmungsbild in der Stadt. „Man hat schon gesehen, dass eine gewisse Wechselstimmung in der Stadt herrschte. Ich glaube, viele Menschen wünschten sich einen anderen Zugang zur Stadtpolitik. Mehr Miteinander, mehr Menschlichkeit, mehr Respekt im Umgang.“ Genau dafür sei er angetreten. Ein Jahr später sieht er sich in diesem Ansatz bestätigt. Die Zusammenarbeit funktioniere „aktuell mit allen Fraktionen wirklich gut“. Dass dies ohne klassische Koalition gelingt, ist für den Sozialdemokraten kein Zufall, sondern bewusst gewählter Stil. „Parteipolitik ist auf Gemeindeebene nicht das Entscheidende und meines Erachtens auch nicht der richtige Ansatz. Wir stehen oft vor ganz konkreten Herausforderungen wie Straßenbau, Kanalisation, Schulprojekten. Da geht es darum, Lösungen zu finden.“ Und die entstünden nur im Dialog: „Demokratie bedeutet eben auch, dass man sich aufeinander einlässt.“

Gute Zusammenarbeit
Der Verzicht auf starre Koalitionen zugunsten einer konstruktiven Zusammenarbeit, wie sie SPÖ und Volkspartei in Dornbirn praktizieren, sei kein Nachteil – im Gegenteil. „Wenn eine gute Idee von einer anderen Partei kommt, dann soll sie umgesetzt werden, egal von welcher Partei sie gekommen ist.“ Neben der VP seien auch FPÖ, Grüne und Neos stark eingebunden. Diese Haltung prägt auch das Verhältnis zu Vizebürgermeister Alexander Juen (VP). „Auf menschlicher Ebene passt es, und das ist entscheidend“, so Fäßler. „Gerade im wirtschaftlichen Bereich gibt es viele Überschneidungen, und da funktioniert die Zusammenarbeit wirklich sehr gut.“

Umbruch
Schon die Angelobung am 9. April 2025 habe gezeigt, wohin die Reise gehen könnte. „Das war ein sehr würdevoller und auch erhabener Moment. Die neue Stadtvertretung, die neuen Stadträtinnen und Stadträte, da ist vieles zusammengekommen. Für alle war das ein großer Umbruch.“ Gerade in dieser Phase habe man gespürt, wie ein gemeinsames Verständnis wächst. „Dieses Zusammenfinden war sehr wichtig und hat eine gute Basis geschaffen.“
Zeichen gesetzt
Gleich zu Beginn seiner Amtszeit setzte Markus Fäßler auch inhaltlich ein Zeichen: Er ließ die sogenannten „Holzkeile“ auf den Sitzbänken am Dornbirner Bahnhof entfernen, die als Symbol für Ausgrenzung kritisiert wurden und legte selbst Hand an. „Das gehört einfach zu meinem Verständnis von Politik. Dinge, die keinen Sinn haben und nur ausgrenzen, sollte man hinterfragen.“ Für ihn ist klar: „Politik muss für alle da sein.“

Respekt
Wie schnell sich die Rolle des Bürgermeisters zuspitzen kann, zeigte die Notsituation bei der Karrenseilbahn im Juni 2025. 19 Personen saßen nach einem Sturm und Gewitter in der Gondel fest. „Da wird einem innerhalb kürzester Zeit klar, was dieses Amt bedeutet.“ Gleichzeitig hebt er die Professionalität der Abläufe hervor: „Verwaltung, Einsatzkräfte, Polizei, Rettung, Feuerwehr – das hat wie ein Uhrwerk ineinandergegriffen.“ Beeindruckt zeigt er sich auch von den Betroffenen: „Sie haben sehr viel Geduld und Verständnis gezeigt, dafür habe ich großen Respekt.“
Zur Person
Name: Markus Fäßler
Geboren: 4. März 1980 in Dornbirn
Familienstand: Verheiratet, ein Kind
Gelernter Beruf: Schlosser
In der Stadtpolitik seit 2005: Stadtvertretung, Stadtrat, Vizebürgermeister und seit 9. April 2025 Bürgermeister
In der SPÖ seit 2006: Regionalsekretär bei der Gewerkschaft der Privatangestellten, Leiter des Renner-Instituts Vorarlberg und Organisationssekretär in der Landesgeschäftsstelle
Hobbys: Weitwandern, Kochen, Familie, Geselligkeit
Thema Krankenhaus
Zu den emotionalsten Themen seiner bisherigen Amtszeit zählt die Diskussion um das Krankenhaus Dornbirn. Im Rahmen der vom Land geplanten Spitalsreform sollen Geburtshilfe, Gynäkologie und Kinderheilkunde nach Bregenz verlegt werden. Die Entscheidung sei zwar gefallen, „auch wenn sie nicht in unserem Sinne ist“. Nun gehe es darum, nach vorne zu schauen. „Unser Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern, für Dornbirn und die Region“, betont Fäßler. „Deshalb müssen wir uns gemeinsam anschauen, wie die Struktur in Zukunft aussehen kann.“ Eine zentrale Rolle spielen dabei die Spitalsmitarbeiter: „Sie tragen das System. Deshalb ist es mir wichtig, dass sie informiert und eingebunden werden.“ Mittlerweile ist einem Antrag auf ein Volksbegehren für den Erhalt der Abteilungen stattgegeben worden. Ob das noch zu einer Kehrtwende führt, ließ der 46-Jährige offen, meinte aber: „Man sollte auf jeden Fall auf die Bevölkerung hören.“

Thema Finanzen
Auch finanziell steht die Stadt vor Herausforderungen. „Die Mittel sind begrenzt, deshalb müssen wir priorisieren.“ Vorrang hätten Infrastruktur, Bildung und Grundversorgung. „Wir können nicht alles, was wir uns wünschen, verwirklichen.“ Das sei „nicht immer angenehm, aber notwendig“. Die vom Land im Rahmen der Reformagenda zugesprochenen zusätzlichen Mittel würden helfen, „könnten aber mehr sein“.
Ein weiteres sensibles Thema ist die Situation am Bahnhof. Die eingeführte Waffenverbotszone bewertet Fäßler als sinnvoll: „Sie gibt der Polizei mehr Möglichkeiten.“ Gleichzeitig mahnt er einen ganzheitlichen Blick ein: „Man darf den sozialen Aspekt nicht vergessen.“
IKEA kommt nach Dornbirn
Insgesamt sieht er Dornbirn in einer dynamischen Phase. Große Projekte – von der Messeparkerweiterung bis zur Innenstadtentwicklung – bewertet er positiv. „Wichtig ist, dass wir nicht in Konkurrenz denken. Der eigentliche Konkurrent ist der Onlinehandel.“ Dass das schwedische Möbelhaus IKEA in Dornbirn einen Standort eröffnet, sieht er ebenfalls positiv. Parallel dazu stehen große Investitionen im Bildungsbereich an. „Vor allem bei Schulen und Kindergärten haben wir viel vor uns.“ Ziel sei es, „Räume zu schaffen, die modernen pädagogischen Anforderungen entsprechen“.

Gesprächskultur
Nach einem Jahr zieht der Bürgermeister eine insgesamt positive Bilanz: „Ich würde sagen, es läuft gut.“ Besonders hebt er die Gesprächskultur und den gemeinsamen Willen hervor, Dornbirn zukunftsfähig auszurichten: „Das ist eine gute Ausgangsbasis.“ Die kommenden Jahre werden dennoch herausfordernd. „Infrastruktur, Verkehr, Kinderbetreuung, Innenstadtentwicklung – das sind zentrale Punkte.“ Große Visionen müssten vorerst zurückstehen: „Die finanziellen Spielräume sind begrenzt.“
“Das Jahr ist schnell vergangen”
Persönlich habe ihn das erste Jahr stark geprägt. „Ich habe das Gefühl, dass die Zeit unglaublich schnell vergangen ist. So ein Jahr habe ich noch nie erlebt.“ Trotz aller Herausforderungen überwiegt der positive Eindruck: „Es ist schön zu sehen, dass wir als Team gut zusammengefunden haben – in der Politik und in der Verwaltung.“ Und genau daraus schöpft er Zuversicht: „Das macht mir Mut für die Zukunft.“ Das Familienleben habe sich ebenfalls verändert, die Zeit für Frau und Kind sei knapp. „Wir mussten einiges umplanen, aber ich habe die volle Unterstützung von meiner Frau.“