Poolbar Festival: Ohne Akkuschrauber kein Applaus

Bis zur Eröffnung des Poolbar Festivals am 8. Juli bleibt noch etwas Zeit. Die NEUE nutzte sie für einen Blick hinter die Kulissen auf der Baustelle im Reichenfeld.
Weder Brett noch Balken tragen Nummern. Victor Dölle (37) weiß dennoch, wo sie hingehören und oft sogar aus welchem Festivalsommer sie stammen. Der Architekt erkennt sie an Bohrlöchern, Farbresten oder kleinen Beschriftungen. „Die ältesten Balken sind wahrscheinlich zehn bis fünfzehn Jahre alt“, schätzt der Bauleiter des Poolbar Festivals. Die auf den ersten Blick kuriose Anekdote zeigt, wie selbstverständlich innovative Architektur und ökologisches Denken hier Hand in Hand gehen. Doch nicht nur die Bauteile kehren Jahr für Jahr zurück. Auch das Team besteht aus Menschen, die immer wiederkommen und sich neuen Aufgaben stellen.

So auch Luca Müller (29). Die Sängerin der Band „Gardens“ ist seit bereits vier Jahren an den Festlichkeiten auf dem Feldkircher Reichenfeld beteiligt. Während sie mit Aufgabenbereichen wie Pressearbeit, Marketing und Künstlerbetreuung bestens vertraut ist und auch am Konzeptlabor „Poolbar Generator“ mit organisiert, ist Müller heuer erstmals am Aufbau beteiligt. „Normalerweise komme ich immer, wenn schon fast alles aufgebaut ist. Jetzt habe ich zum ersten Mal die grüne Wiese gesehen“, schildert die aus Götzis stammende Wahl-Wienerin.

Grob 100 Hände
Rund 30 Personen gehören zum Bautrupp, weitere 15 kümmern sich um Licht-, Ton- und Bühnentechnik. Bis Ende der Woche sollen Boden und Dächer des Open-Air-Areals stehen.

Laut Produktionsleiter Robert Zanona (36) bietet die Fläche Platz für bis zu 2500 Besucher. Hinzu kommen die Halle mit einer Kapazität von 900 Gästen sowie der ehemalige Pool, der rund 360 Personen fasst.

Zanona kennt das Festival seit Kindertagen. Als Jugendlicher habe ihn nicht nur die Musik, sondern vor allem die Architektur fasziniert: „Mich hat auf einer atmosphärischen Ebene beeindruckt, dass jedes Jahr alles anders aussieht.“

Schimmerndes Glimmern
Wie experimentell dieser Anspruch ist, veranschaulicht die diesjährigen Lichtinstallationen des Studios Volna aus Karlsruhe. Insgesamt entstehen 50 Module, die an den Pavillons montiert werden. „Die Idee kam im Lichtkunstlabor des Generators“, berichtet Snezhana Vinogradova (42). Ausgangspunkt sei die Überlegung gewesen, Lichtreflexionen von Wasser als atmosphärische Beleuchtung für den Außenbereich zu nutzen. Die Module reagieren später auf die Musik der Konzerte und simulieren durch eine aufblasbare Spiegelmembran eine atmende Bewegung. „Sie werden nicht nur leuchten, sondern wirklich atmen“, beschreibt Vinogradova das Konzept. Ihr Kollege Nikita Golyshev (41) betont, dass trotz der aufwendigen Technik der eigentliche Effekt vollkommen analog entstehe.

Arbeit wie Urlaub
Jonas (27) und Luis (26) sind für den Aufbau eigens aus Berlin angereist. Dort haben sie vor Kurzem eine gemeinsame Werkstatt für Möbel und Kunstproduktion gegründet. Die zwei Jungunternehmer freuen sich sichtlich, in Feldkirch mitzuwirken. „Es ist wie bezahlter Urlaub. Es tut gut, einmal keine E-Mails beantworten zu müssen“, lacht Jonas. „Hier schaue ich nicht einmal am Tag aufs Handy und kann gemeinschaftlich etwas schaffen, das vielen Freude und Glück bereitet“, ergänzt Luis.

Dass sie vom eigentlichen Festival kaum etwas sehen werden, nehmen sie gelassen. Ihre Bühne ist die Baustelle. Wenn am 8. Juli die ersten Besucher über das Gelände flanieren, wird kaum jemand ahnen, wie viele Geschichten in den Balken stecken.